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	 xmlns:n="http://typo3.org/ns/GeorgRinger/News/ViewHelpers"><channel><title>Nachrichten</title><link></link><description></description><language>de-DE</language><copyright>Diözese Bistum Würzburg</copyright><pubDate>Tue, 21 Apr 2026 22:37:24 +0200</pubDate><lastBuildDate>Tue, 21 Apr 2026 22:37:24 +0200</lastBuildDate><atom:link href="https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/feed.rss" rel="self" type="application/rss+xml" /><generator>TYPO3 EXT:news</generator><item><guid isPermaLink="false">news-64780</guid><pubDate>Mon, 14 Apr 2025 11:28:00 +0200</pubDate><title>Statement des Bistums Würzburg zu den Ergebnissen des UKAM-Gutachtens </title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/statement-des-bistums-wuerzburg-zu-den-ergebnissen-des-ukam-gutachtens/</link><description>Pressekonferenz am 14. April 2025</description><content:encoded><![CDATA[<p>(POW)</p><h3><br />&quot;Teil 1 – Bischof Dr. Franz Jung – Stellungnahme zum UKAM-Gutachten</h3><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br />Ich darf Sie herzlich willkommen heißen zu unserer heutigen Pressekonferenz, in der ich als Bischof von Würzburg eine erste Einschätzung zum Gutachten gebe, das Professor Dr. Schneider im Auftrag der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Würzburg“ – kurz UKAM – erarbeitet hat und das mir am vergangenen Dienstag überreicht wurde.</p><p>Wenn ich recht sehe, handelt es sich um das erste Gutachten, das nicht von einem Bistum beauftragt wurde, sondern von der Unabhängigen Kommission, die auch das Forschungsdesign der Studie in Abstimmung mit dem Betroffenenbeirat vorgegeben hat. Als Bischof habe ich immer gesagt, dass wir mit der Aufarbeitung erst beginnen, wenn wir die Voraussetzungen erfüllen, die in der gemeinsamen Erklärung zwischen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem UBSKM – dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen sexuellen Kindesmissbrauch – 2020 vereinbart wurden. Diese waren ein arbeitsfähiger Betroffenenbeirat und eine unabhängige Aufarbeitungskommission. Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, beide Gremien für das Bistum Würzburg zu etablieren. Dieser Vorlauf jedoch bedingte, dass wir etwas später gestartet sind mit der Aufarbeitung, die völlig unabhängig sein sollte.&nbsp;</p><p>Ausdrücklich danke ich heute den Mitgliedern beider Gremien für die intensive und aufreibende Arbeit der vergangenen Jahre. Mit der Veröffentlichung des Gutachtens treten wir ein in eine neue Phase der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in unserem Bistum. Mein Dank geht natürlich auch an Professor Dr. Schneider und sein Team für die Erstellung des akribisch erarbeiteten Gutachtens.</p><p>Bevor ich mit meinen Ausführungen beginne, möchte ich vorab klären, was Sie heute nicht erwarten können:&nbsp;<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Fragen zum Forschungsdesign des Gutachtens, den abzuarbeitenden Fragestellungen und den getroffenen Definitionen sind an die UKAM bzw. Professor Dr. Schneider zu richten und von beiden auch zu verantworten.<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Auch Fragen zu einzelne Missbrauchsfällen können im Rahmen dieser Pressekonferenz aus Datenschutzgründen nicht erörtert werden.<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Ebenso wenig wird der Missbrauch an erwachsenen Personen thematisiert und Missbrauchsfälle, die sich in Ordensgemeinschaften ereignet haben, selbst wenn sich diese auf dem Gebiet des Bistums Würzburg befunden haben oder noch befinden. Beides war nicht Teil des Auftrags, der in der gemeinsamen Erklärung zwischen UBSKM und DBK vereinbart wurde.<br />Was aber erwartet Sie heute?<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Ich möchte zu Beginn eine Einordnung des Gutachtens aus meiner Sicht geben<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;In einem zweiten Punkt wird Frau Pfeil darüber informieren, wie das Bistum die Aktenbestände aufbereitet hat und wem sie zugeleitet wurden zur Begutachtung<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;In einem dritten Punkt legt Frau Schüller dar, welche Konsequenzen aus dem Gutachten für die Intervention zu ziehen sind<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;In einem vierten Punkt wird Generalvikar Dr. Vorndran erläutern, was das Gutachten bedeutet für die Weiterentwicklung von Prävention in unserem Bistum<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Zum Abschluss werde ich einen Ausblick geben auf die nächsten Schritte, die in der Arbeit mit dem Gutachten anstehen, das ja keinen Endpunkt darstellt, sondern einen Meilenstein für unser Bemühen bildet, uns „Gemeinsam für eine sichere Kirche“ stark zu machen<br /><br />So komme ich zu meinem ersten Punkt, einer ersten Einordnung des Gutachtens. Keine Aufarbeitung, ohne das Leid der Betroffenen vor Augen zu stellen, gerade nach den Jahren des Verdrängens, des Verschweigens und des Vertuschens. Die Wahrnehmung des zugefügten Leids sind wir den Betroffenen schuldig. Das Ausmaß ist erschreckend, auch im Bistum Würzburg.&nbsp;<br /><br />Das Gutachten identifiziert 51 Beschuldigte, erheblich weniger als die MHG Studie im Jahr 2018. Im Gegensatz dazu aber wird die Zahl der Betroffenen deutlich nach oben korrigiert. Das Gutachten spricht jetzt von 226 Betroffenen. Noch bedrückender wird es, wenn es um die Anzahl der Übergriffe geht. Das Gutachten konnte 449 Taten an den 226 Betroffenen nachweisen. Da es aber unter den 51 Beschuldigten etliche Mehrfachtäter gibt, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg an den Betroffenen vergangen haben, kommen die Gutachter zu der furchtbaren Zahl von 3053 Übergriffen. Ein unvorstellbares Ausmaß.<br /><br />Zu den Missbrauch-begünstigenden Faktoren zählt das Gutachten:<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Asymmetrische Machtverhältnisse, die zu Amtsmissbrauch einluden<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Abhängigkeitsverhältnisse, die zur Unterwerfung führten<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Unhinterfragte Autorität, die keinen Verdacht zuließ und duldete<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Die Unantastbarkeit der Amtsträger, die die „Definitionsmacht“ für sich beanspruchten über das, was sie anderen antaten, und ihre Verbrechen immer wieder schönredeten und damit auch noch Erfolg hatten<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Eine gesellschaftliche Stellung kirchlicher Amtsträger, die im weiteren Umfeld und noch darüber hinaus Respekt einfordern konnte und der man sich auch willig unterordnete<br /><br />Das Gutachten lässt aber auch keinen Zweifel am schuldhaften Versagen der kirchlichen Verantwortungsträger. Wäre rechtzeitig eingeschritten worden und wäre man den vorliegenden Hinweisen auf Missbrauch konsequent nachgegangen, hätten wahrscheinlich viele Übergriffe verhindert werden können.<br /><br />Warum das nicht passiert ist, wird auch im Gutachten in bedrückender Weise dargelegt:<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Einschüchterung der Betroffenen durch die bischöfliche Behörde oder durch ihr unmittelbares Umfeld, in dem sie sich nicht trauten, vom Missbrauch zu erzählen – wie oft ist die Rede davon, dass sich Gemeindemitglieder empört gegen den Bischof und das Ordinariat wandten, wenn der Beschuldigte versetzt oder seine Untaten ansatzweise geahndet wurden<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Deckung der Täter durch die Verantwortungsträger des Bistums wider besseres Wissen bei Hochhalten des priesterlichen Standesethos<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Versetzung der Beschuldigten, auch in andere Bistümer, und Verschleierung der wahren Gründe für eine Versetzung<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Bemühungen, festgesetzte Strafmaße herab- oder auszusetzen<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Inkonsequentes Verfolgen der Übergriffe sexualisierter Gewalt mit Absichtserklärungen gegenüber den Betroffenen und ihren Familien, die aber nie eingelöst, und mit Zusagen, die immer wieder gebrochen wurden<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Durch Untätigkeit herbeigeführte Fristverschleppungen, die eine Nachverfolgung der Übergriffe juristisch und kirchenrechtlich unmöglich machten<br />•&nbsp;&nbsp; &nbsp;Nachlässig oder chaotisch gehandhabte Dokumentations- und Meldepflichten, die erkennen lassen, dass man noch immer nicht gelernt hatte, dass keine Zeit zu verlieren ist, um schwerstes Leid von schutzbedürftigen Personen abzuwenden oder zu verhindern<br /><br />Eine verheerende Bilanz. Sie zeigt immer wieder aufs Neue, dass in den Augen der Verantwortungsträger der Schutz der Institution und die Sorge um das priesterliche Ansehen des Täters Vorrang hatten. Das Wohl der Kinder oder der Betroffenen kam, wenn überhaupt, nur sehr unzureichend in den Blick.&nbsp;<br /><br />Das ist beschämend und erschütternd zugleich.<br /><br />So möchte ich heute meine Bitte um Entschuldigung für die Jahre des Schweigens, der Verleugnung und der Untätigkeit erneuern, die ich schon bei der Entgegennahme des Gutachtens geäußert habe. Und ich muss erneut hinzufügen, wie sehr mir bewusst ist, dass viele dieser Bitte aus gutem Grund nicht werden nachkommen können.<br /><br />In den vergangenen Tagen hatte ich ein längeres Gespräch mit meinem Vorgänger im Amt, Bischof emeritus Dr. Friedhelm Hofmann. Nach der Lektüre des Gutachtens und im Rückblick auf seine Amtszeit bat er mich, am heutigen Tag in seinem Namen folgende Erklärung vorzutragen:</p><p>„<em>Das Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Bistum Würzburg betrifft auch meine Amtszeit als Bischof von Würzburg in den Jahren von 2004 bis 2017. Nach der eingehenden Lektüre des Gutachtens muss ich selbstkritisch einräumen, dass in meiner Zeit als Bischof von Würzburg Fehler gemacht wurden bei der Bearbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs. Ich weiß, dass ich als Diözesanbischof immer die Letztverantwortung getragen habe, auch wenn ich im Einzelnen den Umgang mit den Fällen sexualisierter Gewalt meinem jeweiligen Generalvikar anvertraut habe. Für die Fälle, in denen Betroffenen kein ausreichendes Gehör geschenkt wurde, Hinweisen zu Übergriffen nicht schnell genug nachgegangen wurde und Täter nicht konsequent genug zur Rechenschaft gezogen wurden, bitte ich ausdrücklich um Entschuldigung. Ich bedaure das sehr und weiß heute, dass ich hier als Bischof mehr gefordert gewesen wäre und hinter meiner Verantwortung zurückgeblieben bin.</em>“&nbsp;</p><p>Neben Bischof Hofmann wurde ich auch gebeten, im Namen von Domkapitular emeritus Dr. Heinz Geist heute zu sprechen. Dr. Geist war von den Jahren 1997 bis 2010 Personalchef sowie von 2002 bis 2010 Missbrauchsbeauftragter des Bistums Würzburg. Er hat mir folgende Erklärung übermittelt mit der Bitte um Verlesung in der heutigen Pressekonferenz:</p><p><em>„Das Gutachten vom 8. April 2025 dokumentiert für die Dauer meiner Zeit als Missbrauchsbeauftragter ein nicht immer den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz vom 26. September 2002 entsprechendes Vorgehen in den mir gemeldeten Fällen.<br />Ich bedauere dies.<br />Ich stelle mich der Verantwortung für diese Versäumnisse und verzichte als Konsequenz auf meine Mitgliedschaft im Domkapitel zu Würzburg, auf die Zelebration öffentlicher Gottesdienste wie auf pastorale Veröffentlichungen.“</em></p><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br />der Missbrauch bleibt eine offene Wunde, die nicht heilt, weil noch immer Menschen unter den Folgen dessen leiden, was ihnen im Raum der Kirche angetan wurde. Eine offene Wunde sensibilisiert für die Schmerzen und zwingt zu einem vorsichtigen und vorausschauenden Umgang.&nbsp;<br /><br />In diesem Sinn habe ich als Bischof von Beginn meiner Amtszeit an das direkte Gespräch mit den Betroffenen gesucht. Das mutige Zeugnis der Betroffenen hat es uns überhaupt erst möglich gemacht, den Prozess der Aufarbeitung anzugehen.<br /><br />Ausdrücklich danke ich Ihnen, Frau Göbel, sowie Frau Dr. Zehtner und Herrn Amrhein für ihre Arbeit im Betroffenenbeirat. In unseren Begegnungen haben Sie mir mitgeteilt, wie belastend diese Tätigkeit für sie war und ist. Umso dankbarer bin ich, dass dieses wichtige Projekt jetzt zu einem Abschluss gebracht werden konnte, der einen Meilenstein darstellt bei unseren Bemühungen um eine sichere Kirche.<br /><br />Als Bistum haben wir Betroffene – soweit sie es wollten – begleitet bei der Antragstellung im Rahmen des erweiterten Verfahrens zur Anerkennung des Leids, das im Jahr 2021 auf den Weg gebracht wurde. Wir haben Betroffene ebenso begleitet bei der seit 2023 bestehenden Möglichkeit, Widerspruch einzulegen gegen Leistungsentscheidungen der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen in Bonn und um eine neuerliche Überprüfung nachzusuchen. Ebenso haben wir Betroffenen Begleitung angeboten, wenn sie nach Vorlage neuer Informationen um eine erneute Antragstellung gebeten haben. Uns ist wichtig, niemanden allein zu lassen.&nbsp;<br /><br />Meine sehr geehrten Damen und Herren,<br />das Thema sexueller Missbrauch ist mit dem nun vorliegenden Gutachten für uns nicht erledigt. Ich sage das ausdrücklich, weil ich immer wieder höre, mit dem Gutachten sollten wir nun endlich einen Schlussstrich ziehen und das leidige Thema auf sich beruhen lassen. Das wird nicht geschehen. Welche Anstrengungen wir unternehmen, um Missbrauch künftig zu verhindern, möchten wir Ihnen im Folgenden darlegen.</p><p>Das Leid der Betroffenen ist dokumentiert in den Akten, die wir seit 2018 aus den unterschiedlichsten Ablageorten zusammengeführt haben, um sie zu sichten und sie externer Begutachtung zuzuführen. Was wir gemacht haben und wie wir dabei vorgegangen sind, wird Ihnen jetzt Frau Ordinariatsrätin Kathrin Pfeil erläutern.<br />Danke für Ihre Aufmerksamkeit!</p><p><br /><strong>Teil 2 – Ordinariatsrätin Kathrin Pfeil – Aktenaufbereitung und Übermittlung zur Begutachtung</strong></p><p><br />Sehr geehrte Damen und Herren,<br />ich darf im Überblick zentrale Schritte der Aufarbeitung und rechtlichen Klärung von Verdachtsfällen nennen, die wir seit 2018 gegangen sind. Diese bildeten wiederum die Grundlage für die unabhängige Aufarbeitung durch Professor Dr. Schneider.<br />Für die Erstellung der MHG-Studie wurde beim größeren Teil der Bistümer – darunter auch Würzburg – Personalakten für den Zeitraum 2000 bis 2015 sowie die Dokumente aus dem in dieser Zeit bestehenden Geheimarchiv seit 1945 untersucht. Bischof Dr. Jung hat nach seinem Amtsantritt 2018 entschieden, in Ergänzung dazu auch Personalakten seit 1945 nach den Vorgaben der MHG-Studie zu untersuchen. Das Ergebnis dieser Folgestudie wurde im Jahr 2019 vorgestellt. Sie können das im Gutachten von Professor Dr. Schneider ab S. 131 detailliert nachvollziehen.<br />Ebenfalls im Jahr 2019 wurde eine Untersuchung für die drei „Kilianeen“ in Würzburg, Miltenberg und Bad Königshofen vorgestellt, die im Wesentlichen Fälle körperlicher Gewalt in den Knabenseminaren dokumentierte.<br />Im Zuge dieser Erhebungen, insbesondere der MHG-Studie, wurden somit alle verfügbaren Personalakten von Klerikern seit 1945 systematisch auf Hinweise auf sexualisierte Gewalt durchgesehen. Diese Prüfungen wurden durch externe Anwaltskanzleien durchgeführt. Ein Ergebnis ist jener Aktenbestand, der nun auch der unabhängigen Untersuchung von Professor Dr. Schneider zugrunde lag.&nbsp;<br />Alle genannten Akten mit Hinweisen auf sexualisierte Gewalt wurden in den Jahren 2018 und 2019 der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg zur Prüfung vorgelegt. Im Sinne einer transparenten Aufklärung hatte das Bistum Würzburg dabei auch solche Fälle vorgelegt, bei denen die Tat unterhalb der Schwelle der Strafbarkeit lag. Im Ergebnis wurden die weitaus meisten Fälle von den Staatsanwaltschaften umgehend geschlossen und nicht weiterverfolgt.<br />In der jüngeren Vergangenheit richtete sich eine größere Aufmerksamkeit auf das Handeln von Verantwortlichen im Zusammenhang mit Missbrauchstaten. Um auch diese Frage zu überprüfen, haben wir im Jahr 2022 der Generalstaatsanwaltschaft erneut eine große Zahl von Akten vorgelegt, insbesondere die Akten von verstorbenen Beschuldigten. Wir wollten damit auch mögliches strafbares Fehlverhalten von Verantwortungsträgern ermitteln lassen in Fällen, bei denen dies zuvor nicht in Betracht gezogen worden war. Auch diese Übersendung führte zu keinen weiteren Erkenntnissen.<br />Schließlich haben wir ebenfalls im Jahr 2022 in einem sehr umfangreichen Versand eine größere Zahl von Akten an das für Missbrauchsfälle zuständige Glaubensdikasterium nach Rom übergeben. Hinsichtlich des Umgangs der Kurienbehörde mit Fällen sexualisierter Gewalt darf ich Sie auf die Darstellung im Gutachten von Professor Dr. Schneider ab S. 250 hinweisen. Diese findet auch in den Handlungsempfehlungen der UKAM Niederschlag.<br />Im Ergebnis betone ich drei Feststellungen:<br />1.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Mit unserer systematischen Durchsicht der Personalakten nach Hinweisen auf sexualisierte Gewalt konnten wir einen Aktenbestand schaffen, der die ermittelbaren Fälle bestmöglich abbildet.&nbsp;<br />2.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Wir konnten damit zugleich einen Aktenbestand schaffen, der auch den Ansprüchen einer unabhängigen Aufarbeitung durch die UKAM genügte. Selbstverständlich werden wir Empfehlungen zur Weiterentwicklung in diesem Bereich konstruktiv aufgreifen.<br />3.&nbsp;&nbsp; &nbsp;Sämtliche uns bekannten Hinweise auf sexualisierte Gewalt wurden – zum Teil mehrfach – durch staatliche wie kirchliche Behörden geprüft.&nbsp;<br />Danke für Ihre Aufmerksamkeit!</p><h3><br /><strong>Teil 3 – Kerstin Schüller – Konsequenzen für die Interventionsarbeit</strong></h3><p><br />Sehr geehrter Damen und Herren,</p><p>als Leiterin der Stabsstelle Prävention und Intervention bin ich für die drei Themen Prävention, Intervention und Aufarbeitung verantwortlich.&nbsp;<br />Für die Aufarbeitung ist das von der UKAM in Auftrag gegebene Gutachten der zentrale Baustein, sowohl zur Einschätzung unseres Handelns in konkreten Fällen, als auch zur Weiterentwicklung unseres Vorgehens.<br />Durch das Gutachten haben wir neue Informationen zu einem Fall erhalten, die uns bislang nicht bekannt waren. Diese Informationen entstammen einer Strafakte, die der Gutachter im Zuge der Recherchen eingesehen hatte. Wir werden diesen neuen Informationen gemäß unseres Interventionsverfahrens nachgehen. Bereits unmittelbar nach Veröffentlichung des Gutachtens haben wir daher bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Einsicht in die Ermittlungsakte beantragt.<br />Wir werden auch die weiteren im Gutachten behandelten Fallbeispiele intensiv studieren. Sofern sich daraus neue Informationen ergeben, werden wir diesen konsequent nachgehen.<br />Für das Gutachten hatte die UKAM den Auftrag erteilt, Fälle mit einem „hinreichenden Tatverdacht“ auf sexualisierte Gewalt zu ermitteln. Es handelt sich hierbei um eine juristisch gut begründete, aber relativ enge Definition.&nbsp;<br />Ich möchte betonen, dass unserer Präventions- und Interventionsarbeit ein deutlich weiter gefasster Begriff zugrunde liegt. Wir haben das Ziel, eine sichere Kirche für alle Menschen zu sein. Unsere Nulltoleranz-Politik greift daher nicht erst bei Straftaten, sondern bei jeder sexualisierten Grenzverletzung – auch dann, wenn diese unterhalb der Grenze der Strafbarkeit liegt.<br />Entsprechend verpflichtet unsere Interventionsordnung alle haupt- und ehrenamtlich Tätigen dazu, jeden Verdacht auf sexualisiertes Fehlverhalten im dienstlichen Kontext unverzüglich zu melden – unabhängig davon, ob es sich um strafbares Verhalten handelt. Auch anonymen Meldungen wird nachgegangen.<br />Ein weiterer wichtiger Baustein unserer Interventionsarbeit ist die Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft und Polizei. Jeder Verdacht auf ein entsprechendes Fehlverhalten wird konsequent an die Staatsanwaltschaft übermittelt. Das Bistum nimmt hierbei keine eigene strafrechtliche Einordnung vor. Nur durch dieses transparente Vorgehen können wir sicherstellen, dass eine Vertuschung von Straftaten nicht möglich ist.&nbsp;<br />Ohne einen konsequenten und transparenten Umgang mit Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt ist keine nachhaltige Aufarbeitung möglich.<br />In den zurückliegenden Jahren wurde das Interventionsverfahren kontinuierlich weiterentwickelt. Wir beziehen heute Betroffene entsprechend ihrer Bedarfe aktiv in den Interventionsprozess ein. Zudem hat die traumasensible Begleitung von Betroffenen in unseren Verfahren eine hohe Bedeutung.<br />Bei allen Fortschritten ist uns bewusst, dass auch in diesem Bereich Evaluation und Anpassungen notwendig sind, um die Nachhaltigkeit unserer Arbeit sicherzustellen.&nbsp;<br />Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.</p><p><iframe src="https://bistumwuerzburg.podigee.io/158-folgen-aus-dem-ukam-gutachten/embed?context=external&amp;podigee_nocache=true&amp;id=1744875696721" style="border: 0" border="0" height="100" width="100%"></iframe></p><h3><br /><strong>Teil 4 – Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran – Auf dem Weg zur sicheren Kirche: Prävention im Bistum systematisch stärken</strong></h3><p><br />Neben der Interventionsarbeit haben wir in den vergangenen Jahren unsere Anstrengungen im Bereich der Prävention stetig verbessert. Im Jahr 2013 nahm Schwester Dagmar Fasel von den Missionsdominikanerinnen in Neustadt am Main als erste Präventionsbeauftragte im Bistum Würzburg ihre Arbeit auf.<br />In der Folge haben wir erkannt, dass es einer eigenen Interventionsbeauftragten bedarf. Diese neu geschaffene Stelle ist seit 1. Juli 2022 mit Frau Kerstin Schüller kompetent besetzt. Als eines der ersten Bistümer in Deutschland haben wir Prävention und Intervention gemeinsam in einer Stabsstelle zusammengeführt und mit 3,5 Vollzeitstellen ausgestattet.<br />Daneben leisten 54 Präventionsberaterinnen und -berater in den 43 Pastoralen Räumen wichtige Sensibilisierungsarbeit vor Ort. Diese engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten auf die konkreten Umstände des jeweiligen Bereichs angepasste Angebote auf einem hohen Niveau. Für die Qualität unserer Präventionsarbeit spricht nicht zuletzt die steigende Nachfrage nach Schulungen auch von nichtkirchlichen Organisationen.&nbsp;<br />In den Monaten Februar und März haben die Interventionsbeauftragte Kerstin Schüller, der Präventionsbeauftragte Michael Biermeier und ich alle neun Dekanate unseres Bistums besucht. Ziel war, alle haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden weiter zu sensibilisieren gegenüber jedweder Form sexualisierter Gewalt. Die Haltungsarbeit im Bistum Würzburg haben wir unter das Motto „Gemeinsam für eine sichere Kirche“ gestellt.&nbsp;<br />Ziel all unserer Anstrengungen ist es, im Bistum Würzburg eine Haltung zu implementieren, die hilft, in unseren Gemeinden und weiteren Kirchorten, wie beispielsweise Bildungshäusern oder Schulen sowie Verbänden und Gemeinschaften, für die Thematik des Missbrauchs zu sensibilisieren und dadurch schon jede&nbsp;<br />Grenzverletzung zu verhindern. Denn „wirksame Prävention ist ein Marathon und kein Sprint“, wie Professor Dr. Marcel Romanos bei der Vorstellung des UKAM-Gutachtens so treffend sagte.<br />Wie groß die Aufmerksamkeit für das Thema ist, zeigt schon die Zahl von 1400 Haupt- und Ehrenamtlichen, die wir mit den neun Dekanatsbesuchen erreicht haben. Wir haben viele positive Rückmeldungen erfahren, es wurden aber auch die Grenzen des bisher Erreichten sichtbar.<br />Wir müssen daher auch in Zukunft die zentrale Bedeutung unserer Präventionsmaßnahmen herausstellen. Insbesondere gilt es, Haupt- und Ehrenamtliche weiter zu motivieren, um damit die Akzeptanz zu erhöhen.&nbsp;<br />Es geht um nichts weniger als einen umfassenden Kulturwandel im Umgang mit dem Thema von sexualisierter Gewalt: Weg von jeder Tabuisierung, hin zu einer hohen Achtsamkeit.&nbsp;<br />Dies lässt sich nur mit einer Anstrengung aller verwirklichen.<br />Die Empfehlungen der UKAM helfen uns, unsere Arbeit konsequent weiter zu entwickeln: Dies betrifft sowohl die personelle Ausstattung als auch strukturelle Anpassungen im Bereich von Prävention, Intervention und Aufarbeitung. Im Mittelpunkt steht jedoch das Ziel, alle zu gewinnen für unsere Haltung: „Gemeinsam für eine sichere Kirche!“&nbsp;<br />Danke für Ihre Aufmerksamkeit!</p><h3><br /><strong>Teil 5 – Bischof Dr. Franz Jung – Ausblick auf die nächsten Schritte der Aufarbeitung</strong></h3><p><br />Abschließend stelle ich Ihnen unsere Timeline für die nächsten Monate vor. In enger Abstimmung mit dem Diözesanrat unter Vorsitz von Dr. Michael Wolf und unserer Mitarbeitendenvertretung unter Vorsitz von Dorothea Weitz werden wir die Aufgaben angehen, die uns mit dem Gutachten gestellt sind:<br />Am 14. Mai 2025 habe ich den Betroffenenbeirat und weitere Betroffene sexualisierter Gewalt im Bistum Würzburg zu einem Austausch über das Gutachten der UKAM eingeladen. Es ist mir wichtig, dass dieses Gespräch den Ausgangspunkt für die nächste Phase bildet.<br />Am 16. Mai 2025 werden wir mit der UKAM einen gemeinsamen Workshop abhalten. Dies ist der erste Schritt der Begleitung durch die UKAM bei der Umsetzung der Handlungsempfehlungen.<br />Anschließend werden wir bis zum Ende des 3. Quartals 2025 konkrete Maßnahmen aus den Empfehlungen der UKAM ableiten.&nbsp;<br />Im April 2026 werden wir dann – ein Jahr nach Veröffentlichung des Gutachtens – ein Update geben über die Fortschritte unserer Arbeit.<br />Erneut danke ich dem Betroffenenbeirat, der UKAM, Herrn Professor Dr. Schneider und seinem Team sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bischöflichen Ordinariat für ihre Unterstützung bei unseren Bemühungen um Aufarbeitung.<br />Ihnen allen danke ich für Ihre Aufmerksamkeit und stehe Ihnen nun für Fragen zur Verfügung.“<br />(1625/0385; E-Mail voraus)</p><p><em><strong>Hinweis für Redaktionen</strong>: Fotos abrufbar im Internet&nbsp;</em><br />&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Dokumentationen</category><category>Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Bischof Franz Jung</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-60445</guid><pubDate>Thu, 11 Jul 2024 12:36:56 +0200</pubDate><title>„Leidgeplagten Menschen als Christen begegnen“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/leidgeplagten-menschen-als-christen-begegnen/</link><description>Predigt von Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann bei der Kiliani-Pontifikalmesse für die Region Schweinfurt am Mittwoch, 10. Juli 2024, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>in diesem Jahr kommen wieder Gläubige aus allen Teilen unseres Bistums – und weit darüber hinaus – in diesen Dom, um an den Gebeinen der heiligen Frankenapostel sich ihres Glaubens und ihres Auftrages in dieser Zeit zu vergewissern. Heute sind Sie vornehmlich aus Schweinfurt gekommen. Herzlich willkommen!</p><p>Als ich vor 20 Jahren von Köln nach Würzburg kam, musste ich die Heiligen Drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar eintauschen gegen die Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Das heutige Wallfahrtsmotto bindet beide zusammen: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen.“ Und die drei Weisen aus dem Morgenland stehen als Großfiguren an den hinteren linken Pfeilern in diesem Kiliansdom.</p><p>Den Weisen aus dem Morgenland, Sterndeuter, die als Vertreter der damaligen drei bekannten Kontinente Afrika, Asien, Europa – und damit als Vertreter der gesamten Menschheit – gesehen wurden, erschien ein aufsehenerregender Stern, eine Sternkonstellation, die sie als Hinweis auf ein außergewöhnliches Ereignis verstanden. Durch ihren Besuch beim Kind von Betlehem wurde dann die Menschwerdung Gottes sozusagen öffentlich und als ein weltumspannendes Ereignis erkannt.</p><p>Papst Franziskus schreibt über die Weisen aus dem Morgenland: „Als diese weisen und reichen Herren aus dem Osten den Stern aufgehen sahen, machten sie sich auf den Weg nach Betlehem, um Jesus kennenzulernen und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben darzubringen. Diese Geschenke haben auch eine allegorische Bedeutung: mit dem Gold ehren sie das Königtum Jesu; mit dem Weihrauch seine Göttlichkeit; mit der Myrrhe sein heiliges Menschsein, dem Tod und Begräbnis sein sollte. … (Die Heiligen Drei Könige) stoßen sich nicht an der ärmlichen Umgebung; sie zögern nicht, die Knie zu beugen und es anzubeten. Als sie vor ihm stehen, begreifen sie, dass Gott, der in unumschränkter Weisheit den Lauf der Gestirne ordnet, ebenso den Lauf der Geschichte lenkt, indem er die Mächtigen erniedrigt und die Niedrigen erhöht.“ (Vom Staunen und Bewundern. Papst Franziskus und Bischof Rudolf, 21)</p><p>Himmlische und irdische Wirklichkeit werden in der Geburt des Gottessohnes unaufhebbar miteinander verknüpft, und die Dunkelheit irdischer Existenz wird durch das Licht göttlichen Seins erhellt.</p><p>Über 100 Mal wird in der Heiligen Schrift vom Licht und vom Glanz gesprochen. Licht hat über die Erfahrung innerweltlicher Freude und entsprechenden Wohlbefindens zugleich eine den Menschen über sich selbst hinausweisende Bedeutung.</p><p>So verwundert es auch nicht, dass viel über Lichtmetaphysik nachgedacht wurde, zumal die Heilige Schrift selbst vom Licht nicht nur als einer Metapher Gottes spricht.</p><p>Im Neuen Testament erfährt die Lichtmetaphysik eine tiefe, facettenreiche Bedeutung, die durchgängig auf Christus hinführt. Neben dem Völkerapostel Paulus nutzt erst recht Johannes die Rede vom Licht, wenn er schreibt: „Gott ist Licht und Finsternis ist nicht in ihm“ (Joh 1,5) und Jesus zitiert: „Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht im Finstern gehen, sondern das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12). Das war für unsere Frankenapostel Motivation, ihre Heimat zu verlassen und auf dem Kontinent, und besonders hier in Franken, den Glauben an Christus zu verkünden.</p><p>Unser Sankt Kiliansdom ist Zeuge dieser viele Jahrhunderte andauernden Wallfahrt. Ja, unser Dom ist selbst als eine Wegkirche sprechendes Zeugnis für die Suche nach dem Antlitz Gottes. Dieser unser Dom trägt sichtbar die Spuren jahrhundertealter Glaubenszeugnisse, Verletzungen und Zerstörungen, Neuaufbrüche und zeitgenössischer Werke. Wer sich hier umschaut, findet geronnenes Glaubensgut.</p><p>All das umschließt die Häupter der heiligen Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan, die im Vierungsaltar geborgen sind und jetzt während der Festtage vor den Altarstufen zur Verehrung aufgestellt sind.</p><p>Unser diesjähriger Leitsatz „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen“ wird bei Matthäus fortgeführt in „und sind gekommen, um ihm zu huldigen“. Das tun wir, liebe Schwestern und Brüder, mit der heutigen Wallfahrt, und geben damit auch ein sichtbares Zeichen unseres Glaubens an den menschgewordenen Gottessohn.</p><p>In der heutigen Zeit ist vieles ins Wanken geraten. Viele unserer Mitchristen haben das Vertrauen in die Kirche verloren. Es ist umso wichtiger, dass es Christen gibt, die ungeschmälert und unverdunkelt den Glauben an Jesus Christus leben. Nächstenliebe und Gastfreundschaft, die Sorge um die Gefangenen und Misshandelten, die Sorge um die christliche Ehe und die eigene Genügsamkeit stehen dabei im Licht des aufgehenden Sternes.</p><p>Nächstenliebe und Gastfreundschaft finden wir in der gemeinsamen Wallfahrt, in unseren Begegnungen und unserem Bemühen um eine menschenfreundliche Behandlung unserer Asylanten.</p><p>Uns ist es dann aufgetragen, den Gefangenen und Misshandelten Ohr und Stimme zu leihen. Gerade hat die Gemeinschaft Sant‘Egidio in einem ökumenischen Gottesdienst all derer gedacht, die auf der Suche, bei uns Heimat zu finden, auf schreckliche Weise umgekommen sind. Müssen wir nicht alles tun, um diesen leidgeplagten Menschen als Christen zu begegnen, die das Wort Jesu ernst nehmen: „Was ihr einem der Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“</p><p>Das alles Entscheidende ist das Vertrauen in Gottes Unter-uns-Sein, in sein Mitgehen in unserem Leben. Dessen vergewissern wir uns in dieser Kiliani-Wallfahrtswoche. Mit dem Blick auf unsere Frankenapostel dürfen wir Orientierung und Kraft finden, die eigenen Lebensentscheidungen auf Gott hin zu fällen und das Licht seines aufgehenden Sternes an unsere Kinder und Enkel weiterzugeben.</p><p>Möge uns diese Festwoche dazu stärken!</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Dom und Neumünster</category><category>Dokumentationen</category><category>Schweinfurt</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kiliani</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-59578</guid><pubDate>Thu, 09 May 2024 15:00:00 +0200</pubDate><title>„Lassen wir uns nun alle berühren von der Liturgie der Bischofsweihe“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/lassen-wir-uns-nun-alle-beruehren-von-der-liturgie-der-bischofsweihe/</link><description>Begrüßung von Domdekan Dr. Jürgen Vorndran zur Bischofsweihe von Paul Reder im Würzburger Kiliansdom am 9. Mai 2024</description><content:encoded><![CDATA[<p class="western">Liebe Festgemeinde,</p><p>herzlich darf ich Sie alle im Kiliansdom zur Feier der Bischofsweihe von Paul Reder willkommen heißen. Besonders grüße ich alle, die mit uns über die Sozialen Medien verbunden sind.</p><p>Schön, dass Sie da sind und unseren neuen Weihbischof Paul Reder bei seiner Bischofsweihe begleiten!</p><p>Mein erster Gruß gilt der Mutter und dem Bruder unseres Bischofsweihekandidaten! Liebe Frau Reder, lieber Herr Reder, liebe Familie Reder, herzlichen Glückwunsch zur Bischofsweihe Ihres Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels!</p><p>In gleicher Weise grüße ich die geistliche Familie unseres neuen Weihbischofs, die Priester und Diakone des Bistums Würzburg! Liebe Mitbrüder, herzlich willkommen!</p><p>Ich grüße die zahlreichen Ordensfamilien und Ordensleute aus unserem Bistum und begrüße stellvertretend für alle die Generaloberin der Schwestern des Erlösers, Schwester Monika Edinger, sowie die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Schwester Katharina Ganz, sowie Provinzialminister Bruder Andreas Murk von den Franziskanern sowie Abt Michael Reepen von der Abtei Münsterschwarzach.</p><p>Aus der Ökumene grüße ich zusammen mit allen Mitgliedern der ACK Frau Regionalbischöfin Gisela Bornowski aus Ansbach.</p><p>Heute sind Gruppen aus verschiedenen Teilen unseres Bistums angereist, in denen Paul Reder auf den Stationen seines Studiums, seiner pastoralen Ausbildung und seines Dienstes als Priester tätig war und die ich jetzt aufrufen möchte ‒ vielleicht können Sie sich jeweils zu erkennen geben, wo Sie hier im Dom sitzen, damit wir uns auch ein bisschen kennenlernen können:</p><p>Mein erster Gruß gilt seiner Heimatpfarrei Sankt Peter und Paul in Würzburg, der ich für das Gebet in der eucharistischen Anbetung in der vergangenen Nacht danke und schließe hier auch die Gläubigen aus der Pfarrei Sankt Adalbero und den anderen Würzburger Pfarreien mit ein.</p><p>Ich grüße die Gemeinden aus Rottendorf, Schondra/Oberleichtersbach, Bad Kissingen, Nordheim und Fladungen sowie aus Heiligkreuz, Sankt. Elisabeth und Sankt Burkard in Würzburg und natürlich besonders herzlich die Gemeinden Hirschfeld, Heidenfeld und Röthlein, die auch mit Ministrantinnen und Minstranten gekommen sind, und mit der Musikkapelle, die uns nachher auf dem Kiliansplatz noch aufspielen wird. Schon jetzt unseren herzlichen Dank dafür!</p><p>Natürlich grüße ich auch die zahlreichen Fahnenabordnungen und die Chargierten der Studentenverbindungen, namentlich der Unitas Hetania.</p><p>Es ist uns eine große Ehre, den Vertreter des Apostolischen Nuntius in Deutschland willkommen zu heißen, Herrn Nuntiaturrat Prälat John John Kallarackal, Bischof John Ndimbo aus unserer Partnerdiözese Mbinga, Bischof Johannes Bahlmann aus unserem Partnerbistum Óbidos, Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt, Bischof Heinrich Timmerevers aus Dresden-Meißen, und den emeritierten Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick.</p><p>Weitere deutsche Bistümer sind vertreten durch: Weihbischof Otto Georgens aus Speyer, Rupert Graf Stolberg aus München und Freising, Josef Graf aus Regensburg, Florian Wörner aus Augsburg, Christian Würz aus Freiburg, Thomas Maria Renz aus Rottenburg-Stuttgart, Jörg Michael Peters aus Trier, Reinhard Haucke aus Erfurt sowie Generalvikar Christof Steinert aus Fulda.</p><p>Ich grüße Frau Dr. Beate Gilles, die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz und Herrn Matthias Belafi, den Leiter des Katholischen Büros in Bayern.</p><p>Als Konkonsekratoren werden mit dem liturgischen Dienst gleich einziehen: unser emeritierter Diözesanbischof Friedhelm Hofmann sowie der Erzbischof von Bamberg, Herwig Gössl. Wir freuen uns über dieses besondere Zeichen der Verbundenheit des neuen Metropoliten mit dem Bistum Würzburg.</p><p>Wir vermissen heute schmerzlich unseren emeritierten Weihbischof Ulrich Boom. Wir danken ihm am Tag der Bischofsweihe seines Nachfolgers für sein 15-jähriges segensreiches Wirken als Weihbischof und Dompropst. Wir verbinden uns mit ihm in dieser Stunde im Gebet und wünschen ihm alles Gute und Gottes Segen für seinen Weg als Pilger der Hoffnung auch in der Zeit von Krankheit.</p><p>Nun wende ich mich den Ehrengästen zu aus den verschiedenen Bereichen unseres Bistums und grüße unseren Diözesanratsvorsitzenden Michael Wolf, alle Vertreterinnen und Vertreter unserer diözesanen Gremien und der Caritas, alle pastoralen und weiteren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Frau Dorothea Weitz von unserer MAV und alle, die in den Pfarreien, Verbänden und geistlichen Gemeinschaften in unserem Bistum die Kirche vor Ort gestalten.</p><p>Aus Politik und Gesellschaft grüße ich stellvertretend für alle namentlich unseren Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Bürgermeister Peter Gehring aus der Großgemeinde Röthlein, Landrat Florian Töpper aus Schweinfurt und weitere Landräte zusammen mit Professor Klaus Reder vom Bezirk Unterfranken, die Landtagsabgeordneten Kerstin Celina und Winfried Bausback mit allen weiteren Abgeordneten des Bayerischen Landtags sowie Staatssekretär Sandro Kirchner als Vertreter der Staatsregierung sowie die Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder und Andrew Ullmann.</p><p>Aus dem Kreis der Behörden und der Julius-Maximilians-Universität gilt mein Gruß Herrn Polizeidirektor Sven Schultheiß, Herrn Landgerichtspräsident Johannes Ebert, dem Präsidenten des Bayerischen Verwaltungsgerichts, Herrn Hubert Strobel, der Direktorin des Amtsgerichts Würzburg, Frau Petra Müller-Manger, sowie dem Kanzler der Universität, Herrn Uwe Klug und dem Dekan der theologischen Fakultät, Herrn Professor Matthias Reményi.</p><p>Eine besondere Freude ist es uns, dass die fränkische Tradition fortgesetzt wird und dem neuen Weihbischof Paul Reder bei der Gabenbereitung ein Weinfässchen von der fränkischen Weinkönigin Lisa Lehritter und dem Weinbauverbandspräsidenten Artur Steinmann überreicht wird.</p><p>Was wäre eine Bischofsweihe ohne musikalische Gestaltung? Ich freue mich, dass unser Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth und unserem Domorganisten Stefan Schmidt diese Feier gestaltet. Die Dommusik tut dies heute für den ehemaligen Domsingknaben und Domchorsänger Paul Reder, der selber über seine Zeit in der Dommusik unter Domkapellmeister Siegfried Koesler sagt: „Drei Dinge sind mir in Erinnerung geblieben: Achte auf den Dirigenten, bringe deine Stimme in den Gesamtklang ein, indem du auf die anderen hörst, wir singen nicht für uns selbst. Wenn ein Chor das beachtet, kann Großes entstehen und Schönes gestaltet werden, das Menschen wirklich berührt.“ (<em>Interview zur Ernennung</em>)</p><p>Lassen wir uns nun alle berühren von der Liturgie der Bischofsweihe und stimmen wir uns darauf ein in einem Moment des stillen Gebets, während wir dem Festtagsgeläut der Glocken von den Türmen des Kiliansdoms lauschen.</p>]]></content:encoded><category>Dom und Neumünster</category><category>Dokumentationen</category><category>Würzburg</category><category>Weihbischof Paul Reder</category><category>Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Weihbischof Ulrich Boom</category><category>Bischof Franz Jung</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-47905</guid><pubDate>Fri, 25 Jun 2021 16:15:00 +0200</pubDate><title>„Die Ehe ist kein Auslaufmodell“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/die-ehe-ist-kein-auslaufmodell-1/</link><description>Predigt von Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann beim Pontifikalgottesdienst für Ehepaare, die ihr goldenes, diamantenes oder eisernes Ehejubiläum feiern, am Mittwoch, 23. Juni 2021, im Kiliansdom in Würzburg</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>Liebe goldene, diamantene und eiserne Ehejubilare,</p><p>wir alle dürfen heute voll Freude miteinander die heilige Messe als Dankamt vor Gott feiern. „Wir aber wollen von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus ist das Haupt“ (Eph 4,15) lautet der diesjährige Leitsatz für unser Bistum Würzburg. Er ist die Mitte und der Lebensgrund Ihrer Liebe.</p><p>Wahrscheinlich hing damals, als Sie heirateten, der „Himmel voller Geigen“. Mit Sicherheit ist dies nicht so geblieben. Die Herausforderungen des Alltags, die Krisen in der Gesellschaft, in der Kirche wie in Ihrem persönlichen Leben haben ihre Spuren hinterlassen. Und gerade deswegen ist Ihr heutiges Kommen von besonderer Bedeutung.</p><p>Wir wissen alle um die Probleme in den Ehen. Je mehr jedoch die Ehe in unserer Gesellschaft angefragt wird und allzu oft scheitert, umso mehr sind die Ehepaare gefragt, die uns eine geglückte Liebes- und Lebensbeziehung vorleben.</p><p>Ich danke Ihnen allen für Ihr Zeugnis! Sie zeigen deutlich, dass die Ehe kein Auslaufmodell in unserer Gesellschaft ist, sondern im Gegenteil Grundlage eines prosperierenden Gemeinwohls ist. Ehe hat Zukunft!</p><p>Wirklich gelebte Liebe ist wie ein Frühlingserwachen im oft kalten Winter unserer Zeit. Sie, liebe Ehejubilare, machen beeindruckend deutlich, dass weder der Eheabschluss ein nur rein privates Geschehen ist, noch das Scheitern einer christlichen Ehe.</p><p>Auf manchen Hochzeitsfeiern wird ein sogenanntes Pärchenspiel gespielt, welches testen will, wie gut sich die Brautleute kennen. Dabei werden Fragen zu den jeweiligen Eigenschaften, Macken und Besonderheiten und Verhaltensweisen des anderen gestellt.</p><p>Das Paar antwortet darauf, ohne sich dabei anzuschauen. Je mehr Antworten übereinstimmen, desto zuversichtlicher schätzt man die Zukunft dieses Paares ein.</p><p>Wenn Sie sich heute einem solchen Spiel unterziehen würden, wie sähen Ihre Antworten aus?</p><p>Müsste nicht im Laufe der vielen Ehejahre die Kenntnis über den Ehepartner, die Ehepartnerin, gewachsen sein?</p><p>Vergessen wir dabei nicht: Das Ehepaar, das durch die Gemeinschaft mit seinen Kindern eine Familie wird, lebt eine christliche Berufung, die zu einem eindringlichen und beglückenden Zeichen der Liebe Gottes zu uns wird. Nicht ohne Grund verweist Jesus auf die Einheit von Weinstock und Reben.</p><p>Nicht zufällig wirkte Christus sein erstes öffentliches Wunder auf der Hochzeitsfeier zu Kana. Und nicht zufällig vollendet sich unsere christliche Hoffnung auf den Himmel im Bild des himmlischen Hochzeitsmahles.</p><p>Auf der Hochzeit zu Kana tritt Maria als Fürsprecherin an Christus heran und macht ihn auf die prekäre Situation des Brautpaares aufmerksam: „Herr, sie haben keinen Wein mehr.“ (vgl. Joh 2,3) Jesus bittet die Diener, die zum Reinigen und zum Erfrischen bereit gehaltenen Krüge mit Wasser zu füllen. Das Wunder der Verwandlung in Wein geschieht unspektakulär und wird von der Hochzeitsgesellschaft nicht wahrgenommen. Der Speisemeister, der kostet und nicht begreift woher der Wein kommt, schilt die in seinen Augen schlechte Dramaturgie des Bräutigams. Die Diener aber, so heißt es ausdrücklich, wussten, woher der Wein kam.</p><p>Für mich wird dieses Wunder auf der Hochzeit zu Kana auch zu einer grundlegenden Regel der Liebesbeziehung zwischen Gott und uns und untereinander. Christus fordert uns auf, unsere Lebenskrüge mit unserem guten Wollen, der Offenheit für Gottes Willen, mit der Bereitschaft zur Mitarbeit zu füllen. Er macht die Verbindung von Weinstock und Reben überdeutlich. Dann kann die Liebe fruchtbar werden, wenn sie mit Christus verbunden bleibt.</p><p>Papst em. Benedikt XVI. hat mit seinen Enzykliken wie „Deus caritas est“ – „Gott ist die Liebe“ und „Caritas in veritate“ – „Liebe in Wahrheit“, die mit großer theologischer Schärfe und akribischer Präzision geschrieben sind, große Aufmerksamkeit gefunden. Kaum ein Wort wird so oft ausgesprochen und besungen wie das Wort Liebe. Kaum ein Begriff ist aber auch so abgenutzt und missbraucht worden wie das Wort Liebe.</p><p>Zunächst entfaltete der Papst die Weite dieses Wortes in unserem Lebensumfeld, als er von „Vaterlandsliebe, von Liebe zum Beruf, von Liebe unter Freunden, von der Liebe zur Arbeit, von der Liebe zwischen den Eltern und ihren Kindern, zwischen Geschwistern und Verwandten, von der Liebe zum Nächsten und von der Liebe zu Gott“ sprach.</p><p>Dann aber präzisierte er: „In dieser ganzen Bedeutungsvielfalt erscheint aber doch die Liebe zwischen Mann und Frau, in der Leib und Seele untrennbar zusammenspielen und dem Menschen eine Verheißung des Glücks aufgeht, die unwiderstehlich scheint, als der Urtypus von Liebe schlechthin, neben dem auf den ersten Blick alle anderen Arten von Liebe verblassen.“</p><p>Bei der wirklichen Liebe geht es um die Entdeckung des anderen. „Liebe“; so der Heilige Vater; „will nicht mehr sich selbst – das Versinken in der Trunkenheit des Glücks -, sie will das Gute für den Geliebten: Sie wird Verzicht, sie wird bereit zum Opfer, ja sie will es.“ Liebe greift auf dem Weg der inneren Reinigung nach Endgültigkeit und Ausschließlichkeit aus. Papst Benedikt weiter: „Liebe zielt auf Ewigkeit. Ja, Liebe ist ,Ekstase‘ aber Ekstase nicht im Sinn des rauschhaften Augenblicks, sondern als Ekstase als ständiger Weg aus dem in sich verschlossenen Ich zur Freigabe des Ich, zur Hingabe und so gerade zur Selbstfindung, ja, zur Findung Gottes.“</p><p>So, liebe Ehepaare, liebe Schwestern und Brüder, führt die Erfahrung der echten Liebe zu Gott. Wir dürfen Gott als den Dreifaltigen Einen, als den Liebesaustausch in sich begreifen.</p><p>Von daher ist es auch wichtig, dies Ihren Kindern und Enkeln, Ihren Nachbarn und Freunden zu vermitteln.</p><p>Wir alle wissen um das vielfältige Scheitern heutiger Ehen. Papst Franziskus verweist immer wieder auf die damit verbundenen Leiden der Betroffenen. In seinem Schreiben „Amoris laetitia“ ruft er uns auf, verständnisvoll und barmherzig mit den Betroffenen umzugehen.</p><p>Mich erreichte der Brief eines Ehepaares, das Goldene Hochzeit gefeiert hatte. Darin konnte ich lesen: „Seit unserer Heirat begrüßen wir uns jeden Morgen, indem wir uns gegenseitig ein Kreuz auf die Stirn zeichnen. Das gleiche wiederholen wir vor dem Schlafengehen. Damit besiegeln wir stets erneut unsere gegenseitige Verbundenheit und Liebe.</p><p>Meine Eltern haben mir einmal gestanden: „Wir sind an keinem Abend zu Bett gegangen ohne uns – falls es nötig war – zu verzeihen.“</p><p>Ihr Ehejubiläum, liebe Eheleute, ist sozusagen der für uns sichtbare Katalysator der Liebe Gottes zu uns.</p><p>Von daher ist auch die sakramentale Ehe in das große Liebeswerben Gottes um die Menschheit eingebunden und wird im heutigen Tag in Ihrem auf Dauer und Ausschließlichkeit angelegten Liebeszeugnis für uns alle zu einem Bekenntnis an die Liebe Gottes.</p><p>Auf ihn können wir wahrhaft vertrauen. Er ist getreu und wird unsere Liebe einst in der Ewigkeit vollenden.</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kiliani</category><category>Dom und Neumünster</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-28754</guid><pubDate>Fri, 17 May 2019 10:07:50 +0200</pubDate><title>„Es ist unser Glaube an Jesus, der uns befreit“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/es-ist-unser-glaube-an-jesus-der-uns-befreit/</link><description>Predigt von Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann in der Totenmesse für Bischof em. Dr. Paul-Werner Scheele am Freitag, 17. Mai, in der Seminarkirche Sankt Michael in Würzburg</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>diese österlichen Wochen sind geprägt von der Freude an der spektakulären Auferstehung Jesu Christi. Wir werden nicht müde, die vielen Begegnungen mit dem Auferstandenen durch die Berichte der Zeuginnen und Zeugen und deren Konsequenzen zu bedenken. Von daher fällt der Tod unseres lieben Bischofs Paul-Werner in diese, von unserer Hoffnung auf die eigene Auferstehung, geprägte Zeit.</p><p>Für ihn, den Dogmatiker und Ökumeniker, den großen Kämpfer für das richtige Verstehen der Heiligen Schrift, war sein ganzes Leben auf diesen Grundpfeiler unseres Glaubens ausgerichtet. Das heutige Evangelium macht die Unsicherheit der Jünger Jesu deutlich, die nicht leicht verstehen konnten, was Jesus mit seinem Weggehen und Wiederkommen meinte. Thomas brachte es ins Wort: „Wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir den Weg kennen?“ Denken nicht auch heute viele unserer Mitmenschen so? Die Frage nach der Gottessohnschaft Jesu Christi, seiner Auferstehung von den Toten und unser Weiterleben nach dem Tode ist eine existentielle. Den Himmel können wir uns kaum vorstellen. Was also ist zu tun? Die Angst der Jünger vor einer ungewissen Zukunft und der Unsicherheit, den richtigen Weg zu finden, ist auch oft heute unsere Angst. Und die Antwort darauf lautet damals wie heute: „Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Es ist unser Glaube an Jesus, der uns befreit. Darum ist Vertrauen, das mit Hoffnung verbunden ist, eine unserer Hauptaufgaben, die Bischof Paul-Werner unermüdlich verkündet hat.</p><p>Er war der große Ökumeniker, der mit der Antwort Jesu darauf hingewiesen hat: „Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Er sah alle Christen durch die eine Taufe miteinander verbunden und drängte auf ein geschwisterliches Miteinander. Sein Einsatz war weltweit. Darüber ist in diesen Tagen schon vieles gesagt worden.</p><p>Ich möchte auf eine weitere, ebenfalls wesentliche Grundeigenschaft seines Lebens zu sprechen kommen: seine Liebe zur Kunst und Kultur. Er war nicht nur ein begeisterter Musikhörer, sondern auch ein aktiver Musiker. Gerne spielte er Klavier. Mit dem Würzburger Komponisten Berthold Hummel war er nicht nur befreundet, sondern mit ihm gestaltete er selbst das Oratorium „Der Schrein der Märtyrer.“ Er wusste, dass der heutige Weg der Evangelisation auch über Kunst und Kultur geht.</p><p>So beteiligte er sich immer aktiv an der Feier der Aschermittwoche der Künstler. In der Kunst werden die Fragen der Menschen gestellt, die von uns als Kirche auch Antworten erwarten. So etwa formulierte der französische Künstler Paul Gauguin auf dem Rahmen eines seiner Tahiti-Bilder: „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ – Die in der Frage der Jünger „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ schon implizierte Antwort war auch für Bischof Paul-Werner Motor seines Interesses an der Unterstützung unserer Kultur.</p><p>Mit dem westfälischen Künstler Heinrich Gerhard Bücker befreundet, pflegte er einen lebenslangen Austausch über die Kunst. So beriet er ihn auch in der Themenwahl der zu gestaltenden Kirche Sankt Michael, in der nun Bischof Paul-Werner aufgebahrt ist. Die nach dem Krieg wieder aufgebaute Seminarkirche wurde unter das große Thema der Offenbarung des Johannes gestellt. Bischof Scheele erstellte das theologische Gesamtkonzept, das der Künstler gestaltete.</p><p>Im Chorbereich sehen wir an der Altarwand Christus inmitten der sieben Leuchter und der sieben Sterne, dem Sinnbild der Gemeinden der Urkirche, und darüber die heilige Stadt Jerusalem, das Ziel unseres irdischen Pilgerweges.</p><p>Im Jahre 2003 eröffnete Bischof Scheele das Würzburger Diözesanmuseum „Museum am Dom“. Seine Offenheit zeitgenössischer Kunst gegenüber ließ ihn neben der Freundschaft zu Gerhard Heinrich Bücker viele weitere Kontakte zu lebenden Künstlern finden. Er erkannte die Chance, über die Auseinandersetzung mit der Kunst Glaubensfragen anzusprechen und damit Antworten auf die Fragen heutiger Menschen geben zu können.</p><p>Er wusste sehr wohl, dass sich auch in der Kunst die Transzendenz Gottes offenbart. Mit großem Einfühlungsvermögen machte er auf die Gerinnung des Göttlichen in der Kunst aufmerksam. Viele Bücher, die er akribisch geschrieben hat, zeugen von dieser Haltung.</p><p>Wir sind Bischof Paul-Werner zu großem Dank verpflichtet. Er hat über die aktiven Bischofsjahre in Würzburg hinaus Bleibendes hinterlassen. Möge Gott ihn nun das schauen lassen, auf das er gehofft und auf das er unermüdlich hingewiesen hat. Amen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>]]></content:encoded><category>Dokumentationen</category><category>Bischof em. Paul-Werner Scheele</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-1888</guid><pubDate>Fri, 21 Jul 2017 11:24:46 +0200</pubDate><title>„Liebe zielt auf Ewigkeit“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/liebe-zielt-auf-ewigkeit/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann bei den Gottesdiensten für Gold- und Diamant-Ehejubilare am Donnerstag 6.Juli 2017, 10.30 Uhr, und Freitag 7. Juli 2017, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,<br/>liebe Ehejubilare,</p><p>Wir alle dürfen heute voll Freude miteinander die heilige Messe als Dankamt vor Gott feiern. „Nahe ist der Herr allen, die ihn rufen“ (Ps.  145,18) lautet der diesjährige Leitsatz für unser Bistum Würzburg. Ich denke, Sie haben wohl alle auf irgendeine Weise diese Nähe spüren dürfen, seit Sie verheiratet sind.</p><p>Wahrscheinlich hing damals, als Sie heirateten, der ‚Himmel voller Geigen’. Mit Sicherheit ist dies nicht so geblieben. Die Herausforderungen des Alltags, die Krisen in der Gesellschaft wie in Ihrem persönlichen Leben haben ihre Spuren hinterlassen. Und gerade deswegen ist Ihr heutiges Kommen von besonderer Bedeutung.</p><p>Wir wissen alle um die Probleme in den Ehen. Je mehr jedoch die Ehe in unserer Gesellschaft angefragt wird und allzu oft scheitert, umso mehr sind die Ehepaare gefragt, die uns eine geglückte Liebes- und Lebensbeziehung vorleben.</p><p>Ich danke Ihnen allen für Ihr Zeugnis! Sie zeigen deutlich, dass die Ehe kein Auslaufmodell in unserer Gesellschaft ist, sondern im Gegenteil Grundlage eines prosperierenden  Gemeinwohls ist. Ehe hat Zukunft!</p><p>Wirklich gelebte Liebe ist wie ein Frühlingserwachen im oft kalten Winter unserer Zeit. Sie, liebe Ehejubilare, machen beeindruckend deutlich, dass weder der Eheabschluss ein nur rein privates Geschehen ist, noch das Scheitern einer christlichen Ehe.</p><p>Auf manchen Hochzeitsfeiern wird ein sogenanntes Pärchenspiel gespielt, welches testen will, wie gut sich die Brautleute kennen. Dabei werden Fragen zu den jeweiligen Eigenschaften, Macken und Besonderheiten und Verhaltensweisen des anderen gestellt. Das Paar antwortet darauf, ohne sich dabei anzuschauen. Je mehr Antworten übereinstimmen, desto zuversichtlicher schätzt man die Zukunft dieses Paares ein. Wenn Sie sich heute einem solchen Spiel unterziehen würden, wie sähen Ihre Antworten aus? Müsste nicht im Laufe der vielen Ehejahre die Kenntnis über den Ehepartner, die Ehepartnerin, gewachsen sein?</p><p>Vergessen wir dabei nicht: Das Ehepaar, das durch die Gemeinschaft mit seinen Kindern eine Familie wird, lebt eine christliche Berufung, die zu einem eindringlichen und beglückenden Zeichen der Liebe Gottes zu uns wird. Nicht zufällig wirkte Christus sein erstes öffentliches Wunder auf der Hochzeitsfeier zu Kana. Und nicht zufällig vollendet sich unsere christliche Hoffnung auf den Himmel im Bild des himmlischen Hochzeitsmahles.</p><p>Auf der Hochzeit zu Kana tritt Maria als Fürsprecherin an Christus heran und macht ihn auf die prekäre Situation des Brautpaares aufmerksam: „Herr, sie haben keinen Wein mehr.“ (vgl. Joh 2,3). Jesus bittet die Diener, die zum Reinigen und zum Erfrischen bereit gehaltenen Krüge mit Wasser zu füllen. Das Wunder der Verwandlung in Wein geschieht unspektakulär und wird von der Hochzeitsgesellschaft nicht wahrgenommen. Der Speisemeister, der kostet und nicht begreift woher der Wein kommt, schilt die in seinen Augen schlechte Dramaturgie des Bräutigams. Die Diener aber, so heißt es ausdrücklich, wussten, woher der Wein kam.</p><p>Für mich wird dieses Wunder auf der Hochzeit zu Kana auch zu einer grundlegenden Regel der Liebesbeziehung zwischen Gott und uns und untereinander. Christus fordert uns auf, unsere Lebenskrüge mit unserem guten Wollen, der Offenheit für Gottes Willen, mit der Bereitschaft zur Mitarbeit zu füllen.   </p><p>Unser Heiliger Vater, Papst em. Benedikt XVI., hat mit seinen Enzykliken wie Deus caritas est – Gott ist die Liebe und Caritas in veritate – Liebe in Wahrheit, die mit großer theologischer Schärfe und akribischer Präzision geschrieben sind, große Aufmerksamkeit gefunden. Kaum ein Wort wird so oft ausgesprochen und besungen wie das Wort Liebe. Kaum ein Begriff ist aber auch so abgenutzt und missbraucht worden wie das Wort Liebe.</p><p>Zunächst entfaltete der Papst die Weite dieses Wortes in unserem Lebensumfeld, als er von „Vaterlandsliebe, von Liebe zum Beruf, von Liebe unter Freunden, von der Liebe zur Arbeit, von der Liebe zwischen den Eltern und ihren Kindern, zwischen Geschwistern und Verwandten, von der Liebe zum Nächsten und von der Liebe zu Gott.“ sprach.</p><p>Dann aber präzisierte er: „In dieser ganzen Bedeutungsvielfalt erscheint aber doch die Liebe zwischen Mann und Frau, in der Leib und Seele untrennbar zusammenspielen und dem Menschen eine Verheißung des Glücks aufgeht, die unwiderstehlich scheint, als der Urtypus von Liebe schlechthin, neben dem auf den ersten Blick alle anderen Arten von Liebe verblassen.“(Ebd. 2)</p><p>Bei der wirklichen Liebe geht es um die Entdeckung des anderen. „Liebe“ so der Heilige Vater „will nicht mehr sich selbst – das Versinken in der Trunkenheit des Glücks –, sie will das Gute für den Geliebten: Sie wird Verzicht, sie wird bereit zum Opfer, ja sie will es.“ Liebe greift auf dem Weg der inneren Reinigung nach Endgültigkeit und Ausschließlichkeit aus. Papst Benedikt weiter: „Liebe zielt auf Ewigkeit. Ja, Liebe ist ‚Ekstase’, aber Ekstase nicht im Sinn des rauschhaften Augenblicks, sondern als Ekstase als ständiger Weg aus dem in sich verschlossenen Ich zur Freigabe des Ich, zur Hingabe und so gerade zur Selbstfindung, ja, zur Findung Gottes.“</p><p>So, liebe Ehepaare, liebe Schwestern und Brüder, führt die Erfahrung der echten Liebe zu Gott. Wir dürfen Gott als den Dreifaltigen Einen, als den Liebesaustausch in sich begreifen.  Von daher ist es auch wichtig, dies Ihren Kindern und Enkeln, Ihren Nachbarn und Freunden  zu vermitteln.</p><p>Wir alle wissen um das vielfältige Scheitern heutiger Ehen. Papst Franziskus verweist immer wieder auf  die damit verbundenen Leiden der Betroffenen. In seinem Schreiben amoris laetitia ruft er uns auf, verständnisvoll und barmherzig mit den Betroffenen umzugehen.</p><p>Mich erreichte der Brief eines Ehepaares, das Goldene Hochzeit gefeiert hatte. Darin konnte ich lesen: „Seit unserer Heirat begrüßen wir uns jeden Morgen, indem wir uns gegenseitig ein Kreuz auf die Stirn zeichnen. Das gleiche wiederholen wir vor dem Schlafengehen. Damit besiegeln wir stets erneut unsere gegenseitige Verbundenheit und Liebe.“ Meine Eltern haben mir einmal gestanden: „Wir sind an keinem Abend zu Bett gegangen ohne uns – falls es nötig war – zu verzeihen.“</p><p>Ihr Ehejubiläum, liebe Eheleute, ist sozusagen der für uns sichtbare Katalysator der Liebe Gottes zu uns. Von daher ist auch die sakramentale Ehe in das große Liebeswerben Gottes um die Menschheit eingebunden und wird im heutigen Tag in Ihrem auf Dauer und Ausschließlichkeit angelegten Liebeszeugnis für uns alle zu einem Bekenntnis an die Liebe Gottes.  Auf ihn können wir wahrhaft vertrauen. Er ist getreu und wird unsere Liebe einst in der Ewigkeit vollenden. Amen.</p><p> </p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kiliani</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-6734</guid><pubDate>Fri, 21 Jul 2017 11:22:23 +0200</pubDate><title>„Danke für Ihr Zeugnis der Treue“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/danke-fuer-ihr-zeugnis-der-treue/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim Pontifikalgottesdienst für Silberehejubilare am Freitag, 7. Juli 2017 im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Ehejubilare,</p><p>liebe Schwestern und Brüder,</p><p>Danke sagen möchte ich Ihnen, liebe Eheleute, dass Sie in unseren Dom gekommen sind, um in der Gemeinschaft vieler Ehepaare Gott für die gemeinsame Zeit zu danken. Über Ihren persönlichen Dank hinaus stellen Sie sich so in die große Gemeinschaft der hier anwesenden Eheleute. Dabei ist mit dem heutigen Festtag Ihr Bemühen um eine gute Ehe nicht abgeschlossen. Sie wissen am allerbesten, dass Lieben zu lernen ein lebenslanger Prozess ist.</p><p>Viele denken heute, dass Ehe ein auslaufendes Modell sei. Wir hören oft vom Scheitern der Liebe, von Scheidungen, von Patchwork-Familien. Dabei ist die Sehnsucht nach gelingender Liebe, Ehe und Familie ganz oben auf der Erwartungsliste junger Menschen. Und auch die überwältigende Zahl der Kinder sehnt sich nachweislich danach. Es lässt aufhorchen, dass rund 92 Prozent der Kinder in Deutschland ihre Eltern für die besten halten,  aber fast jedes dritte Kind sich von seinen Eltern nicht beachtet fühlt.</p><p>Vor zwei Jahren fand schon zum zweiten Male in Rom eine Synode zu Ehe und Familie statt. Papst Franziskus hat dieses wichtige Thema in den Mittelpunkt gestellt, weil das katholische Ehe- und Familienbild gefährdet ist und dringend profiliert dargelegt werden muss. Denn schon seit nunmehr mehreren Jahrzehnten wird der gesellschaftliche Konsens zu Ehe und Familie gezielt unterlaufen. Offen geschieht dies durch die Änderung rechtlicher Rahmenbedingungen (wie beispielsweise die Abschaffung des Schuldprinzips im Scheidungsfall und die Änderung des Unterhaltsrechtes.)</p><p>Subtiler geschieht dies durch die Vorgehensweise des „Gender Mainstreaming“. Es ist zu befürchten, dass diese Ideologie zur Beseitigung der Zweigeschlechtlichkeit antritt und die Schöpfungsordnung schleifen möchte. Die Gefahr besteht darin, dass dabei die biologischen Unterschiede von Mann und Frau geleugnet werden und die Unterschiede zwischen Männlichem und Weiblichem als bloß anerzogen gedeutet werden.</p><p>Damit solche Fehlentwicklungen nicht die Oberhand gewinnen, ist es wichtig, eine klare Definition von Ehe und Familie zu geben. Nach unserem christlichen Verständnis ist eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich. In diese Gemeinschaft ist die Weitergabe des Lebens angelegt. Damit wird nicht der Stab über andere Lebensentwürfe gebrochen, wohl aber der Weg christlichen Eheverständnisses eindeutig beschrieben.</p><p>Eine neu hinzugekommene Gefahr für Ehe und Familie besteht in der Sexualisierung einer ganzen Gesellschaft. Nicht nur dass selbst Kinder und Jugendliche via Internet leicht an Pornographie herankommen, sondern auch dass Sex als allgemeines Konsumgut propagiert wird, öffnet der Enthemmung Tür und Tor.  Denn „Voraussetzung für Ehefähigkeit sind ja innere Freiheit und Selbstbeherrschung, um Verantwortung für den Ehepartner und Kinder übernehmen zu können.“   </p><p>Sicherlich müssen wir heute verstärkt das Spezifikum der sakramentalen Ehe als ein Stück des Evangeliums wieder bewusster machen.  Wenngleich wir Ehe und Familie als Lebensform nicht überzeichnet idealisieren sollten, dürfen wir doch nicht vergessen, dass zwei Menschen, die sich das Sakrament der Ehe spenden, auch teilnehmen am Sakrament der Kirche, so dass sie selbst im Vollzug Ihrer Ehe Kirche sind.</p><p>„In ... (dieser) Gemeinschaft bleibt Gott in Treue gegenwärtig, auch wenn ... (die Eheleute) schwach sind und straucheln.“ Von daher ist die Verkündigungsaufgabe in den Familien ein brennendes Thema. Jede Familie sollte eine Hauskirche sein. Hier erfahren die Kinder durch die Liebe der Eltern konkret von der Liebe Gottes zu uns. Hier hören sie zum ersten Male von Gott. Hier werden die ersten Gebete gesprochen und das Vertrauen in Gottes Führung ermöglicht. Sie haben das alles selbst erlebt. Nun sind viele Ihrer Kinder schon erwachsen und bereits selbst auf der Suche nach einem Ehepartner.</p><p>Papst Franziskus hat jüngst im Zusammenhang mit der Würdigung der Ehe darauf hingewiesen, dass die Wertschätzung für alte Menschen wieder zunehmen müsse. „Weil die Gesellschaft die Stimme der Alten nicht mehr höre, habe man den Erfahrungsschatz dieser Generation verloren und auch das Zeugnis von Ehepaaren, die ihr Leben lang zusammengeblieben seien.“ Und nun der Papst wörtlich: „Dieser Mangel an Vorbildern, an Zeugnissen, dieser Mangel an Großeltern, an Vätern, die fähig sind, von Träumen zu erzählen, erlaubt der jungen Generation nicht Visionen zu haben.“  </p><p>Junge Menschen brauchen Vorbilder, brauchen Hilfen. Wenn Sie mit Ihren heranwachenden Kindern, mit Jugendlichen über ihre Zukunft in Kontakt kommen, wovon sprechen Sie zuerst? Natürlich von der Liebe.   Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe. Jeder will geliebt werden und Liebe schenken. Ein Kernsatz lautet: Liebe möchte sich weiterschenken.</p><p>Liebe braucht den Raum der Intimität und Geborgenheit. Liebe will und braucht Dauer. Liebe hat kein Verfallsdatum. In dieser von Gott getragenen Gemeinschaft können Kinder Vertrauen in das Leben fassen und zu mündigen Menschen heranreifen.</p><p>In der Ehe, die das wechselseitige Versprechen braucht und sucht,  ist Gottes Liebe anwesend und erfahrbar. Denn Gott spricht sich im Sakrament der Ehe den beiden Liebenden zu. Er verspricht sein Mitgehen - verlässlich und auf Dauer. Er schafft die Ermöglichung, dass trotz all unserer menschlichen Schwächen der gute Wille am Beginn der gegenseitigen Liebe auch bis zur Vollendung durchträgt.</p><p>Sie haben erfahren, dass Sie die Glut der Liebe nähren, aber sich nicht grenzenlos glücklich machen können. Der je größere Gott muss immer wieder neu von Ihnen aus in diese Liebe hinein genommen werden.</p><p>In einer Handreichung der deutschen Bischöfe mit dem Titel „Zehn Gründe für die Ehe“ (2014) heißt es: „Ehe ist ein Versprechen mit Leib und Seele. Es bezieht auch Eros und Sexualität mit ein. Die Liebe zwischen Mann und Frau sucht das erotische Begehren genauso wie die liebevoll-fürsorgliche Zuneigung. Dieses Spannungsfeld aus Lust, Hingabe und Herzensnähe eröffnet den ureigenen Raum für die Zeugung neuen Lebens.“</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>danke für Ihr Zeugnis der Treue, Verlässlichkeit und des Gelingens. Damit öffnen Sie jüngeren Menschen einen Raum zum Staunen, zum Nachfragen, zum Mut gewinnen für die eigenen Entscheidungen.  Unter uns sind auch Ehepaare unterschiedlicher Konfessionen. Sie haben in ihrer Ehe die oft nicht einfachen Situationen des Glaubenslebens im Alltag erfahren. Es war für Sie sicherlich nicht immer leicht, daraus erwachsende Spannungen auszuhalten. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin in einer solchen Familie aufgewachsen. </p><p>Danke, dass Sie zueinander stehen. Die Achtung vor der Glaubensüberzeugung des je anderen ist unserem christlichen Grundverständnis zutiefst eingeprägt und erfährt in einer solchen Ehe die Nagelprobe.</p><p>Natürlich denken wir heute ebenso an die Ehepaare, die auseinandergegangen sind, deren Liebe gescheitert ist. Auch sie brauchen unsere Aufmerksamkeit, Anteilnahme und Hilfe.</p><p>Denken möchte ich in dieser Stunde aber auch an alle Witwen und Witwer, die so gerne hier mit uns ein Ehejubiläum gefeiert hätten. Sie dürfen wir ebenfalls nicht allein lassen, sondern vielmehr in unsere Gemeinschaft so einbeziehen, dass sie nicht einsam und verlassen sind.</p><p>Für die verstorbenen Ehepartner wollen wir Gott bitten, dass sie im Himmel die Vollendung ihrer Liebe auf Erden erfahren. Irdische Liebe, eheliche Liebe, ist nur ein Vorgeschmack auf den Himmel. Vor dem Empfang der heiligen Kommunion hören wir oft: „Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.“ Bleiben wir im Bewusstsein unserer Schwächen mit beiden Füßen auf der Erde, lassen wir unser Herz aber jetzt schon teilhaben an der uns verheißenen Vollendung im Himmel. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kiliani</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15550</guid><pubDate>Thu, 06 Jul 2017 09:30:14 +0200</pubDate><title>Gedanken zum Tode von Joachim Kardinal Meisner am 5. Juli 2017</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/gedanken-zum-tode-von-joachim-kardinal-meisner-am-5-juli-2017/</link><description>Stellungnahme von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in den Morgenstunden des 5. Juli 2017 die Nachricht: Kardinal Meisner ist verstorben.</p><p>Ich erinnere mich noch gut an seine Ankunft vor seiner Amtseinführung am 12. Februar 1989 auf dem Konrad-Adenauer-Flugplatz in Köln. Nur eine kleine Gruppe hatte sich zur Begrüßung eingefunden. Ohne Umzugswagen – nur mit Handgepäck – begann er diesen neuen Lebensabschnitt.</p><p>Er wusste um die Turbulenzen der Kölner Bischofswahl. Seine katholische Prägung, die er unter dem Druck eines atheistischen kommunistischen Systems erfahren hatte, war der Glaubenshaltung der Rheinländer zunächst fremd.</p><p>Doch die Menschen, die ihm persönlich begegneten, freuten sich über seine offene, unkomplizierte Art, seinen schlesischen Humor und seine zupackende Menschlichkeit.</p><p>Aus einer tiefen Christusliebe heraus, die auch gespeist wurde von seiner marianischen Frömmigkeit, die das tägliche Rosenkranzgebet einschloss, stellte er sich den Problemen der Zeit. Sein Wahlspruch spes nostra firma (Unsere Hoffnung ist stark) war auch zugleich sein Programm. Er besaß den unerschütterlichen Glauben an Gottes Mitten-unter-uns-sein. Aus dieser inneren Mitte heraus kämpfte er kompromisslos für klare Grundhaltungen des Glaubens.</p><p>Kardinal Meisner war eine spannungsreiche Persönlichkeit. Er begeisterte und eckte an. Seine Begeisterung für die Schöpfung, seine Liebe zur Kunst und seine unerschöpfliche Kreativität in der Hinwendung zum Nächsten, forderten ihn ganz.</p><p>Für Osteuropa, für die Aussöhnung mit den Polen, für Kirche im Untergrund steht er als eine Persönlichkeit, an der man im 20. Jahrhundert nicht vorbei kommt. Das Erzbistum Köln, die Weltkirche – und auch ich – haben ihm viel zu verdanken.“</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13499</guid><pubDate>Sun, 04 Jun 2017 12:06:03 +0200</pubDate><title>„Das Lebensprinzip der ganzen Schöpfung“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/das-lebensprinzip-der-ganzen-schoepfung/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Pfingstsonntag, 4. Juni, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>unter dem Begriff Schlaglichter stand vor wenigen Tagen in einer Zeitung folgende Notiz: „Wertvolles Bild vergessen: Ein schusseliger Vermögensverwalter hat in Paris ein wertvolles Bild im Kofferraum eines Taxis vergessen. Der Vermögensverwalter wollte vergangene Woche einen Kunsthändler in der Pariser Innenstadt treffen. Das auf einen Wert von 1,5 Millionen Euro geschätzte Gemälde des italienischen Malers Lucio Fontana packte er in den Kofferraum eines Taxis. Dort habe er es aber beim Aussteigen vergessen. (... )“</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>sicherlich fragen Sie sich jetzt, was hat diese Nachricht mit Pfingsten zu tun?</p><p>Mir scheint, dass dieses Schlaglicht uns sehr wohl etwas deutlich machen kann, was mit Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, zu tun hat.</p><p>Obwohl der Heilige Geist nicht nur der Lebensspender, der lebendige Atem des ganzen Kosmos ist, sondern auch derjenige, der bewirkt, dass wir unser Leben, die Frohe Botschaft, das Evangelium verstehen können, vergessen wir ihn allzu oft. Im Großen und Ganzen bleibt er der Unbekannte und Ungefragte. Wie der schusselige Vermögensverwalter in Paris, so verhalten wir uns als Christen oft genug, wenn wir die entscheidenden Situationen unseres Lebens durch ein In-Anspruch-nehmen des Heiligen Geistes verstreichen lassen. Wie der schusselige Vermögensverwalter in Paris verhalten wir uns, wenn wir diese große Kostbarkeit in unserem Leben unbeachtet lassen – eben in unserem „Lebenstaxi“ vergessen.</p><p>Dabei wäre ohne sein Wirken die Frohbotschaft im Weltgetriebe längst untergegangen. Nicht nur die Apostel sowie die Frauen und Männer der ersten Stunde bedurften des Heiligen Geistes, damit sie die Zusammenhänge um Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi verstehen konnten und den Mut erhielten, diese Botschaft unter Einsatz ihres Lebens weiterzugeben. Auch wir brauchen ihn dringend!</p><p>Die vielen Probleme in unseren Tagen, der gesellschaftliche Umbruch und die vielen täglich in den Medien berichteten Katastrophen treiben uns um. Wie können wir uns sinnvoll einbringen und an einer besseren Welt mitarbeiten?</p><p>Papst Franziskus beklagte in einer Generalaudienz, dass „Der Heilige Geist: der große Vergessene in unseren Gebeten“ sei. Wörtlich sagte er: „Wir beten häufig zu Jesus; wir beten zum Vater, vor allem im Vaterunser, doch wir beten nicht so häufig zum Heiligen Geist, nicht wahr? Er ist der Vergessene.“ Und er fuhr fort: „Der Heilige Geist, der das Leben und den Dienst Jesu beseelt hat, ist derselbe Geist, der heute das christliche Leben lenkt, das Leben des Mannes und der Frau, die sich Christen nennen und Christen sein wollen.“</p><p>Hier finden wir wahrhaft den Schlüssel zu einer uns selbst und damit zu einer die Welt verbessernden Grundhaltung.</p><p>Der Heilige Geist ist die Lebensmitte Gottes. Er ist in der Trinität der lebendige Liebesaustausch zwischen Vater und Sohn. Er ist das Lebensprinzip der ganzen Schöpfung. Er bewirkt die Menschwerdung Jesu. Ohne ihn können wir Jesu Leben, Sterben und Auferstehen nicht begreifen. Ohne den Heiligen Geist erstarrt die Liebe, greift Todeskälte um sich, ereignet sich Chaos, Zerstörung und Tod.</p><p>Im Katechismus für junge Menschen, dem Youcat, steht als Antwort auf die Frage „Was heißt: Ich glaube an den Heiligen Geist?“: „An den Heiligen Geist glauben heißt, ihn ebenso als Gott anzubeten wie den Vater und den Sohn. Es heißt daran glauben, dass der Heilige Geist in unser Herz kommt, damit wir als Kinder Gottes unseren Vater im Himmel erkennen. Vom Geist Gottes bewegt, können wir das Angesicht der Erde verändern.“</p><p>Der Heilige Geist ist der Motor der Kirche. Er wirkt in und durch die Sakramente. Durch Taufe und Firmung wohnt er in uns und belebt uns. Er ermöglicht, dass wir in seiner Kraft die Osterbotschaft verstehen, leben und verkünden.</p><p>Gestern konnten hier im Dom zwei junge Männer zu Priestern geweiht werden. Woher sollten sie den Mut zu einer solch gewichtigen Lebensentscheidung nehmen, wenn nicht durch das Vertrauen auf den Heiligen Geist, der sie beseelt und begleitet?</p><p>Der heilige Augustinus nennt den Heiligen Geist „den stillen Gast unserer Seele“.</p><p>Das Geheimnis des Heiligen Geistes ist überall erlebbar: in der Natur, in der Kultur, in unserem Leben und in uns selbst. Er drängt sich aber nicht auf. Er ist geduldig und still.</p><p>In der eingangs erwähnten Zeitungsnotiz vom vergessenen wertvollen Bild lautete der Schluss: „Glücklicherweise konnte das Taxi ausfindig gemacht und das Gemälde zurückgebracht werden, wie ein Polizeisprecher berichtete.“</p><p>Möge das im übertragenen Sinn auch uns geschehen. Möge uns der Heilige Geist nicht der große Unbekannte bleiben, sondern als die göttliche Gabe, das große, wertvolle Geschenk, als die belebende und inspirierende personale Kraft erfüllen und antreiben, die Frohe Botschaft zu verstehen und zu leben.</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-3169</guid><pubDate>Fri, 19 May 2017 12:32:07 +0200</pubDate><title>„Liebe, von der Jesus spricht, nicht nur Gefühl, sondern Tat“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/liebe-von-der-jesus-spricht-nicht-nur-gefuehl-sondern-tat/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Sonntag, 21. Mai, in der Würzburger Karmelitenkirche beim Gottesdienst mit Segnung der Theresienkapelle</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Pater Provinzial Dr. Dobhan, liebe Präsidentin der Edith-Stein-Gesellschaft, Frau Dr. Seifert, lieber Pater Dennebaum, liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder im Herrn,</p><p>wir sind hier in einer besonderen Kirche, der Karmelitenkirche, die von dem rheinischen Künstler Paul Nagel einheitlich ausgestaltet wurde. Er hat bis zu seinem Tod am 24. März 2016 über 40 Jahre hinweg den gesamten Kirchenraum mit Altar und Baldachin, mit den Figuren und Gemälden, mit den Schriftzügen und Gittern gestaltet.</p><p>Es war ihm dabei immer ein besonderes Anliegen, uns im Blick auf die Heiligen als pilgerndes Gottesvolk, das auf dem Weg zur Vollendung ist, einzubeziehen. Weil ich mit ihm befreundet war, erlebte ich seine tiefe Gläubigkeit, die in dem bekannten Zitat ihren treffenden Ausdruck fand: „Die Welt ist wunderbar erschaffen, aber noch wunderbarer erneuert worden.“</p><p>Der faszinierend schöne Altar mit dem ihn überwölbenden Baldachin und mit dem in der Mitte des großen Altarwandbildes befindlichen Tabernakel bilden das Herzstück: sozusagen das Angeld auf das himmlische Jerusalem. Aber es hatten ihm auch Thérèse von Lisieux und Teresia Benedicta a Cruce – die heilige Edith Stein – angetan.</p><p>Heute wird die Theresienkapelle, die der heiligen Thérèse von Lisieux gewidmet ist, gesegnet. Zunächst war diese erste rechte Seitenkapelle nur mit der Bronzefigur der heiligen Thérèse vor einem rotfarbenen Marmorretabel mit stilisiertem Laubwerk gestaltet. Sie war mit dem programmatischen Satz „Ave crux, decor Carmeli“ überschrieben.</p><p>Gegenüber den später gestalteten Kapellen der heiligen Edith Stein und des Prager Jesuleins fiel sie ab – oder besser gesagt – war sie noch nicht endgültig ausgestaltet. Deshalb hat der Künstler das Wandbild über der Bronzestatue entworfen, das nach seinem Tode der französische Künstler Alain Creunier, der schon maßgeblich mit an dem großen Altarwandgemälde und der Edith-Stein-Kapelle gearbeitet hatte, ausgeführt.</p><p>Die von Paul Nagel entworfene malerische Konzeption zeigt oberhalb der Theresien-Statue in der Mitte Christus als den Pantokrator, von uns aus gesehen zu seiner Rechten die heilige Thérèse von Lisieux mit ihren Eltern und auf der anderen Seite ihre leiblichen Schwestern: Agnes, Marie und Genoveva, die ebenfalls in den Karmel von Lisieux eingetreten waren. In der Mitte ist ihre Schwester Leonie zu sehen, die Heimsuchungsschwester geworden war. Zu Füßen des Pantokrators spielen die verstorbenen Geschwister der heiligen Thérèse.</p><p>Rechts und links des mittleren Retabels hält je ein Engel Buchrollen mit Texten aus ihrer Selbstbiografie. Wir dürfen mit großer Dankbarkeit sagen, dass hiermit nach 40 langen Jahren das Lebenswerk des Künstlers Paul Nagel abgeschlossen ist. Nur ganz selten erleben wir ein Gesamtkunstwerk, das über einen solch langen Zeitraum aus einer künstlerischen Hand geschaffen wurde.</p><p>Dank gilt es aber auch den Karmeliten der Reuererkirche zu sagen, die ebenfalls diesen langen Atem hatten und ein solches Werk gedeihen ließen. Dankbar sein dürfen wir auch dafür, dass ebenfalls die Philosophin und spätere Heilige Edith Stein hier eine eigene Kapelle – gegenüber der Kapelle der Thérèse von Lisieux – gewidmet bekommen hat. Hier sehen wir die heilige Teresia Benedicta a Cruce, wie sie mit dem Kreuz und der Thorarolle in den Händen beherzt auf die Gaskammern von Auschwitz zugeht. Eine ähnliche Statue des Künstlers Paul Nagel – allerdings nicht aus Bronze, sondern aus Carraramarmor - steht in einer Außenwandnische an Sankt Peter in Rom.</p><p>Auf dem letzten Kassiber, das die heilige Edith Stein aus dem Auffanglager für jüdische Christen in Westerbork, den Niederlanden, an ihre Priorin im Karmel zu Echt geschickt hatte, stand: „Ave crux – spes unica – Sei gegrüßt Kreuz – einzige Hoffnung“. Diesen Satz habe ich mir bei meiner Bischofsweihe vor 25 Jahren als Leitsatz gewählt.</p><p>Edith Stein, von Hause aus Jüdin, sensibel und wissensdurstig, ging schon in früher Jugend ihre eigenen Wege. Sie entzog sich, sicherlich zum Leidwesen von Frau Stein, schon als junges Mädchen der mütterlichen Erziehung. Besonders muss die Mutter geschmerzt haben, dass sie schon früh den ererbten Glauben verloren hatte. Ihr wacher Geist, der sie umtrieb und in der Wissenschaft die tiefere Wahrheit suchen ließ, führte sie zum Studium der Phänomenologie bei Professor Edmund Husserl. Als seine Assistentin erlernte sie nicht nur das wissenschaftliche Grundmaterial, sondern auch das Rüstzeug zur Wahrheitssuche. Die Begegnung mit christlichen Kommilitoninnen und Kommilitonen führte sie auf die Spur des christlichen Glaubens, mit dem sie sich genauso ernst auseinandersetzte wie mit ihrem wissenschaftlichen Studium. Überzeugt hat sie das im Alltag erprobte christliche Lebenszeugnis ihrer evangelischen und katholischen Freundinnen und Freunde, besonders aber auch das ungewöhnliche Lebenszeugnis der heiligen Theresa von Avila.</p><p>Der überaus spannungsreiche Weg zur Konversion und zum Eintritt in den Kölner Karmel – der sie auch mehrmals mit Würzburg in Berührung brachte – hat sie ihre jüdischen Wurzeln nie vergessen lassen. Sie blieb ihrer Mutter, der sie mit der Taufe und erst recht mit dem Eintritt ins Kloster große Schmerzen bereitete, auf das herzlichste verbunden.</p><p>Das Bewundernswerte an dieser Frau ist für mich der ungebrochene Wille, die eigenen Talente trotz vehementer Beschränkung auszuschöpfen und konsequent für andere einzusetzen. Dazu gehörte sicherlich der starke Wille, sich als Christin und Ordensfrau mit der Kreuzestheologie zu beschäftigen, ein Thema, das gerade für sie als christliche Jüdin eine besondere Herausforderung darstellte. Sie übersetzte nicht nur die entsprechenden Schriften des heiligen Johannes vom Kreuz aus dem Spanischen in das Deutsche, sondern ging auch konsequenterweise den eigenen Kreuzweg in die Gaskammer von Auschwitz mit den Worten an ihre ebenfalls katholisch gewordene Schwester Rosa: „Komm, wir gehen für unser Volk!“ Das Evangelium des heutigen Sonntags verweist uns darauf, dass Liebe, von der Jesus spricht, nicht nur Gefühl ist, sondern Tat. Die heilige Edith Stein hat dies auf dem Weg in die Gaskammern überzeugend vorgelebt.</p><p>Uns wird hoffentlich ein so schwieriger Nachfolgeweg erspart. Aber auch wir werden aufgefordert, im Blick auf den Heiligen Geist auf Gottes Vorleistung mit Liebe zu antworten. Eine Liebe, die nicht nur Erfüllung von Pflichten ist, sondern die uns befähigt, die Früchte des Heiligen Geistes zu empfangen. Das sind: Freude und Kraft Gottes sowie die Weite und Fülle Gottes. </p><p>Die heiligen Karmel-Frauen haben dies uns vorgelebt. Lasst auch uns die Gaben Gottes dankbar annehmen. Amen. </p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-5263</guid><pubDate>Thu, 13 Apr 2017 12:27:46 +0200</pubDate><title>„Jesus ist leibhaft aus dem Grab auferstanden“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/jesus-ist-leibhaft-aus-dem-grab-auferstanden/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Ostersonntag, 16. April, im Würzburger Dom </description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>Ostern bleibt das herausfordernde Fest! Es ist Grund und Prüfstein unseres Glaubens an die Gottessohnschaft Jesu Christi.</p><p>Beim Ostereiersuchen - was ja ganz nett sein kann - stehen zu bleiben wäre die banalste und einfallsloseste Form, dieses Fest zu feiern. Und sind uns CO2-Ausstoß und Mülltrennung wichtiger als die Fakten rund um die Auferstehung Jesu?</p><p>„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Lk 24,5) fragten zwei Männer in leuchtenden Gewändern die Frauen, die zum Grab gekommen waren, um den Leichnam Jesu – wie es damals üblich war –  zu salben. Suchen wir den Auferstandenen oder tun wir diese Botschaft als eine sentimentale Wirklichkeitsschönung ab?</p><p>Der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi ist die große Herausforderung. „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“ (1 Kor 15,17) schreibt Paulus im ersten Korintherbrief in aller Deutlichkeit zu recht. Und er schreibt dies zu einer Zeit, in der – nach seinen eigenen Worten – noch die meisten der 500 Zeuginnen und Zeugen leben, die dem Auferstandenen selbst begegnet sind.</p><p> Was gehört zu den grundlegenden Fakten der Osterbotschaft? Das Grab war leer als Maria von Magdala kam, um den Leichnam Jesu zu salben. Petrus und Johannes überzeugten sich selbst davon. Dann erschien der Auferstandene einer Vielzahl von Frauen und Männern, darunter allen Aposteln. Er offenbarte nach seiner Auferstehung an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten seine Göttlichkeit durch zahlreiche Wunder.</p><p>Schließlich sandte er den versprochenen Heiligen Geist, der erst die oft verborgenen Zusammenhänge verstehen ließ und die Begeisterung für diese Glaubensbotschaft weckte. Ostern bedeutet Explosion der Freude.</p><p>Mit dem Glauben an die leibhafte Auferstehung Jesu steht und fällt das Christentum. (Auch in der Auseinandersetzung mit dem Islam ist dies heute ein zentraler Punkt.) Wir können diesen Glaubenssatz „Auferstanden von den Toten“ nicht einfach beiseite lassen, auch wenn uns der Glaube daran zunächst schwer fallen mag. Mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu ist ebenfalls unser Glaube an das Weiterleben nach dem Tode verbunden.</p><p>Schon die heilige Therese von Lisieux hatte in den letzten anderthalb Jahren ihres jungen Lebens mit diesem Glaubensbekenntnis gerungen. Sie hatte große Anfechtungen und schrieb in ihre Lebensaufzeichnungen: „Alles ist verschwunden! Mein Herz wird matt von der Finsternis um uns herum. Wenn ich es aber ausruhen lassen will, indem ich mich an das lichterfüllte Land nach dem ich strebe, erinnere, dann verdoppelt sich nur meine Qual. Dann kommt es mir vor, als ob die Finsternis die Stimme der Sünder annimmt und mich verspottet: ‚Du bildest dir das Licht ein, eine Heimat von süßem Duft durchweht. Du bildest dir ein, auf ewig den Schöpfer all dieser Wunder zu besitzen. Du meinst eines Tages aus den Nebeln um dich herum herauszutreten! Weiter so, weiter, freu dich nur auf den Tod, der dir nicht das geben wird, was du erhoffst, sondern nur eine noch tiefere Nacht des Nichts.“</p><p>Es war für sie eine so schmerzliche Glaubensprüfung, dass sie alle Osterevangelien zusammenstellte, sie miteinander verglich und prüfte, wie sie zusammenpassten. Sie wollte die Gewissheit haben, dass die Evangelien die Wahrheit enthielten und sie im Tode nicht in ein Nichts sondern in die Arme Gottes fallen würde. Vor ihrem Sterben bekannte sie: „Ich sterbe nicht, ich gehe ins Leben ein.“  Mit dem Tod ist unser Leben eben nicht zu Ende, sondern dank Ostern dürfen wir bekennen, dass auch wir ins Leben Gottes eingehen. Wir dürfen die Gewissheit haben, dass es eine andere Welt gibt.</p><p>Gleich ob wir sie als Himmelreich, als Reich Gottes oder als Paradies bezeichnen. Unser Leben ist der Weg dahin, nicht das Ziel. „Es ist Bewährung nicht Erfüllung. Es ist Nachfolge Christi, nicht Jagd nach möglichst großer Befriedigung.“ Diese über diese irdische Welt hinaus gehende Wirklichkeit ist unser Ziel. Mit Ostern ist der Durchbruch des Diesseits zum Jenseits gekommen. Waren bis dahin die Vorstellungen von der Auferstehung nebulös, so gewinnen sie jetzt an Farbe.</p><p>Heute füllen Spiritualität und Esoterik eine Marktlücke, wobei Gott nur als ein Gebrauchsgut erscheint. Man sucht sich nach Belieben Glaubensversatzstücke aus, weicht aber dem innersten Kern des Glaubens, der Provokation von Ostern, aus. Jesus ist leibhaft aus dem Grab auferstanden. Dies ist die frohe Botschaft, für die die Zeuginnen und Zeugen des Auferstandenen in alle Welt gezogen sind und den eigenen Tod auf sich genommen haben.</p><p>Freuen wir uns. Auch jetzt ist der Auferstandene mitten unter uns. Halleluja!</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kar- und Ostertage</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-4370</guid><pubDate>Thu, 13 Apr 2017 12:10:12 +0200</pubDate><title>„Der Grund für unsere Hoffnung“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/der-grund-fuer-unsere-hoffnung/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann in der Osternacht am 15. April 2017 im Würzburger Kiliansdom </description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder – hier im Dom oder wo immer Sie mit uns verbunden sind,</p><p>die Osternacht ist eine heilige Nacht. Die vielen Texte, die wir hören konnten, führen uns hin zum langen Atem Gottes. Wir wurden aus der Finsternis in das Licht geführt. Osterfeuer, Kerzen, Musik und Taufwasser innerhalb der gefeierten Liturgie eröffnen uns den Rahmen, durch den wir in das Geheimnis dieser heiligen Nacht eintreten können.</p><p>Allzu sehr ist uns der Kern dieser Nacht aus dem Blick geraten. Für viele ist Ostern nur noch ein gefühlvolles Frühlingsfest, in dem der Osterhase eine Hauptrolle spielt. Und selbst für Christen sind die grundlegenden Fakten dieses wahrhaft revolutionären Geschehens nicht mehr greifbar. Allzu leicht werden nach dem Motto, dass „nicht sein kann, was nicht sein darf“, die in den Evangelien überlieferten Ereignisse relativiert.</p><p>Aber diese Osternacht ist der Schlüssel zu einem revolutionierenden Weltverständnis. Uns ist durch Augen- und Ohrenzeugen übermittelt, dass in der ersten Osternacht Jesus von Nazareth von den Toten auferstanden ist, dass in dieser Nacht die Zusage Gottes an den Menschen nach einem neuen und ewigen Leben in seiner Herrlichkeit konkrete Gestalt angenommen hat!</p><p>Keiner ist bei der Auferstehung selbst dabei gewesen. Aber die Verkünder der Auferstehung Jesu sind ihm selbst begegnet! Ich erwähne nur wenige Begegnungen:</p><p>Maria von Magdala hat morgens in der Frühe am leeren Grab mit dem Auferstandenen gesprochen, die zweifelnden Apostel sind ihm am Ostersonntagabend im Abendmahlssaal und dort eine Woche später zusammen mit Thomas, dem Zweifler, begegnet. Die enttäuschten Jünger auf dem Weg nach Emmaus redeten mit ihm ‚mit brennendem Herzen’.</p><p>Die Apostel haben mit dem Auferstandenen verschiedene Begegnungen gehabt. Am See von Gennesaret haben sie sogar mit ihm zusammen gegessen und getrunken. Diese Begegnungen waren auch für die Apostel, die schon in langjähriger Gefolgschaft mit Jesus gelebt hatten, unerwartet und neu. Haben sie sich die Auferstehung Jesu nur eingebildet? Waren sie nur religiöse Phantasten, die mit den Realitäten des natürlichen Sterbens und dem weltlich gesehen ‚Scheitern Jesu’ nicht zurechtgekommen sind?</p><p>Abgesehen davon, dass die Berichte über die Begegnungen mit dem Auferstandenen von den unterschiedlichsten Leuten stammen und zu ganz unterschiedlichen Zeiten stattfanden – eine Massenpsychose scheidet damit aus – lässt dies auch die Psyche der Apostel nicht zu. Sie waren gestandene Männer, Familienväter, Realisten, die klar denken konnten und mit Paulus sogar fanatisch bekennende Ablehner dieser Auferstehungsbotschaft.</p><p>Hätten sie nur in einem Anfall von trotzigem Lebenswillen die Auferstehung Jesu erfunden, dann hätten sie wohl kaum dafür ihr ganzes Leben eingesetzt. Wie viele sind aufgrund dieser Botschaft verfolgt, vertrieben und schließlich sogar umgebracht worden? Alle Apostel - und auch eine Reihe von Frauen - waren von den Begegnungen mit dem Auferstandenen so elektrisiert, dass sie gar nicht anders konnten als diese Botschaft, die ja auch die Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung einschließt, weiter zu geben.</p><p>So ist die Osternacht für uns die Nacht aller Nächte. Sie ist der Grund für unsere Hoffnung auf die eigene Auferstehung und damit auf das Weiterleben nach dem Tode. „Tod wo ist dein Sieg, Tod, wo ist dein Stachel?“ dürfen wir seit jener Nacht voll Freude fragen. Sicherlich sollten wir die vielen Präludien vor der großen Auferstehung am Ende der Tage - wie der verstorbene Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher gesagt hatte - in den durch die Auferstehungsbotschaft veränderten Menschen wahrnehmen – und auch in uns.</p><p>Da, wo wir unser Denken und Verhalten im Blick auf den Auferstandenen und in ihm auf das kommende ewige Leben positiv verändern, macht sich schon jetzt Auferstehung bemerkbar. Es nützt uns nichts, das Elend der Welt zu konstatieren und zu beweinen, es hilft vielmehr, es weg zu lieben.</p><p>Deshalb zünden wir die Osterkerze an, tragen mit ihr Licht des Glaubens in die dunkle Kirche, damit diese Osterbotschaft aufglüht und die scheinbar immer dunkler werdende Welt im Innersten erhellt. Deshalb weihen wir in dieser Nacht das Taufwasser, und taufen gleich darin zwei Erwachsene: Rehema Eunice Nduati und Dr. Meik Kunz. Und nicht zuletzt dürfen wir Christen deshalb erhobenen Hauptes, aber mit demütigem Sinn unseren Glauben an die Auferstehung feiern, verkünden und leben!</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kar- und Ostertage</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-7802</guid><pubDate>Thu, 13 Apr 2017 11:54:40 +0200</pubDate><title>„Gott geht den Weg der Barmherzigkeit“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/gott-geht-den-weg-der-barmherzigkeit/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Karfreitag, 14. April 2017, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>der Karwoche liegt eine innere Stille und Dichte zugrunde, die weder alle erschreckenden weltweiten Ereignisse noch die bei uns immer schriller werdende areligiöse Szene zerstören kann. Das in diesen Tagen aufgerufene Erlösungsgeschehen vermag uns im Innersten zu erreichen. Raum und Zeit werden in unseren liturgischen Feiern überwunden und Gottes Liebeshandeln an uns existentiell.</p><p>Kein Wunder – oder sollte man besser sagen: erstaunlicherweise – beschäftigen sich auch säkulare Medien mit diesem Geschehen – aber nicht immer zur Erhellung.</p><p>Vor zwei Jahren wurde der Film „Killing Jesus“<strong></strong>am Palmsonntag zum ersten Male ausgestrahlt. Er lief über Ostern in 171 Ländern und brachte dem Fernsehsender die höchsten Einschaltquoten seiner Geschichte ein.</p><p>Welches Jesusbild aber transportiert dieser Film?</p><p>Obwohl einige Wundertaten Jesu – wie die Auferweckung eines Jungen von den Toten oder der wunderbare Fischfang – gezeigt wurden, vermittelte der Film nicht die sich darin äußernde Messianität Jesu, sondern ließ innerweltliche Erklärungen zu, die auf die Kraft des positiven Denkens setzten, statt auf den Einbruch des Göttlichen in unser Dasein.</p><p>Gerade weil die Verfasser (Bill O’Reilly und Martin Dugard; Drehbuchautor: Walon Green) - wie sie selbst von sich sagten – als „Historiker und Investigationsjournalisten“ an den Film herangingen, wird das Wunderbare, Mystische zugunsten „aufgeklärter Selbstdisziplin“ ausgeklammert.</p><p>Aber liegt nicht gerade darin die Crux unseres Glaubensverlustes?</p><p>Eine bibelkritische Methode allein genügt nicht, um den Zusammenhang von göttlichem Heilshandeln aufleuchten zu lassen. Gerade die eingesetzten „alltagsrationalistischen Waffen“ zerstören die Erlösungsdimension. Den Gläubigen wird vielmehr ein „innerweltlicher, politischer Jesus“ zugemutet, der – übertrieben gesagt – getötet wurde, „weil er die frohe Botschaft der Tea-Party verkündete?“</p><p>Das, liebe Schwestern und Brüder, reißt uns nicht vom Hocker!</p><p>Dem Geheimnis dieses Karfreitages können wir uns nur annähern, wenn wir Gott sein Anderssein und sein Andershandeln zutrauen. Es geht beim Tod Jesu um die das Weltall wie die ganze Weltgeschichte umfassende Heilsdimension. Gott geht den Weg der Barmherzigkeit uns gegenüber über die Menschwerdung und das freiwillige aufopfernde Sterben Jesu am Kreuz. Immer wieder blitzte im Leben Jesu seine Gottessohnschaft in seinen Predigten und Wundern auf und erleben wir nicht auch heute sein unser Denken übersteigendes Wirken?</p><p>Das Karfreitagsgeschehen sollte uns nicht nur zum Mitleiden und zu konsequenzloser Anteilnahme führen, sondern zum Erahnen der unendlichen göttlichen Liebe. Christus ist für uns, für jede und jeden Einzelnen von uns gestorben. Er ermöglicht uns Vergebung und Zukunft. Sein Erlösungstod erreicht uns auch hier und jetzt. Öffnen wir ihm unser Herz!</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kar- und Ostertage</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-7754</guid><pubDate>Thu, 13 Apr 2017 11:49:52 +0200</pubDate><title>„Die Kirche lebt vom Geheimnis“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/die-kirche-lebt-vom-geheimnis/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Gründonnerstag, 13. April 2017, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>mit dem heutigen Abend treten wir in die drei österlichen Tage vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi ein.</p><p>Es ist nicht einfach nur ein Zurückerinnern an etwas, was vor fast 2000 Jahren geschehen ist. Es ist vielmehr ein in die Gegenwart, in unser Zusammensein Hineinholen eines unglaublichen Liebeshandeln Gottes an uns.</p><p>Der berühmte Autor von <em>Der kleine Prinz</em>, Antoine de Saint-Exupéry, bekannte einmal zu Recht: <em>„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“</em></p><p>Wenn jetzt jemand ahnungslos und ohne Kenntnisse unseres Glaubens in den Dom käme und uns hier sähe, könnte er denken: Hier ist eine Versammlung, eine Konferenz, ein – modern ausgedrückt – „Meeting“. Erstaunlich folgenlos. Auf Grund unseres Betens und Singens könnte er vielleicht sogar denken, dass hier eine rein zwischenmenschliche Feier, ein Volksfest stattfindet. Aber könnte er erahnen, was hier wirklich unter uns geschieht? Ich denke nein. Und wir?</p><p>Immer wieder wird beklagt, dass wir Christen zu wenig von unserem Glauben wüssten und ihn deshalb weder vernünftig weitergeben noch adäquat leben würden. Deshalb möchte ich kurz und bündig das Wesentliche dieser Tage und dieses Abendmahlsgeschehens aufrufen.</p><p>Schauen wir zunächst auf das Paschafest der Juden, in dem auch unsere heutige Feier ihren Ursprung hat. Es wurde als Fest des Vorübergangs des Herrn und als Hirtenfest zusammen mit dem Fest der Ungesäuerten Brote zur Erinnerung an die Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft gefeiert. Im Grunde geschieht dies noch heute so bei den Juden.</p><p>Jesus hat ganz bewusst das Abendmahl in diese Feier des Pascha hinein gestellt. Die frommen Juden wussten: Wenn sie das Paschamahl begingen, erinnerten sie sich nicht nur an die Heilstaten Gottes bei der Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens und bei der 40-jährigen Wüstenwanderung auf dem Weg in das gelobte Land, sondern Gott wandte ihnen seine Liebe  jetzt – wie damals – in der Feier des Pascha, des Vorübergangs des Herrn, zu.</p><p>Was war damals in Ägypten geschehen? Gott hatte sein Volk, das der Pharao nicht ziehen lassen wollte, aufgefordert, stehenden Fußes ein einjähriges fehlerloses Lamm zu schlachten und zu verzehren. Die Türpfosten sollten mit dem Blut bestrichen werden. Das war für den Engel, der in den ägyptischen Häusern den jeweiligen Erstgeborenen tötete, das Zeichen,  diesem Haus kein Leid zuzufügen. In dieser Nacht rettete Gott sein Volk aus der elenden Gefangenschaft, ja Sklaverei.</p><p>Jesus hat bewusst in diese auch liturgisch geprägte Feier das Sakrament der Eucharistie als bleibenden Auftrag und Vermächtnis gestiftet. Er selbst hat sich anstelle des Lammes geopfert, zur Speise gemacht, damit wir durch ihn von der Knechtschaft des Bösen befreit werden und Leben und Freiheit haben.</p><p>In seinem Blut wird der Neue Bund begründet. Die Teilnahme an diesem Mahl bedeutet Gemeinschaft mit ihm und allen, die daran teilnehmen. Man müsste diese Worte Jesu in unsere Herzen einmeißeln, damit sie ihre Bedeutung offen halten.</p><p>Der heilige Paulus – wir hörten es eben in der zweiten Lesung – hat detailliert diese Feier, die an vier Stellen im Neuen Testament überliefert ist, geschildert. Er hat uns gleichsam mit dem Blut Jesu dessen bleibendes Vermächtnis aufgeschrieben. Unüberhörbar und unvergesslich klingen Jesu Worte nach: <em>„Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“</em>  Jesus hat dieses Heilsgeschehen den Aposteln und ihren Nachfolgern anvertraut, damit sein in die Feier des Abendmahles hinein reichendes, uns erlösendes Sterben in jeder zukünftigen heiligen Messe vergegenwärtigt wird.</p><p>So wie Jesu Sterben zwar erst am nächsten Tag, am Karfreitag geschah, so hat Jesus es schon am Tag vorher, am Gründonnerstagabend, in die Stiftung der Eucharistie einbezogen. Das geht uns auf, wenn wir seine Worte hören: „<em>Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. ... Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ </em>Die uns aus seinem freiwilligen Sterben geschenkte Erlösung greift, wenn wir uns auf dieses Geheimnis einlassen.</p><p>Die Konsequenz dieses Geschehens ist, dass wir in der heiligen Kommunion wahrhaft Jesu Fleisch und Blut empfangen. Es ist nicht einfach ein Stückchen Brot oder ein Schluck Wein. Es ist der Herr, der am Kreuze gehangen hat und am Ostermorgen auferstanden ist.</p><p>Was in diesen Tagen unter uns geschieht, ist das uns Hineinholen in die Liebe Gottes. Vielleicht fasst das Stichwort <em>Barmherzigkeit</em> das hinter und in den gefeierten Riten liegende Geheimnis zusammen: Jesus ist als das Wort Gottes aus <em>Barmherzigkeit</em> zu uns Mensch geworden. Er hat aus <em>Barmherzigkeit</em> unser Leben bis in die tiefsten Abgründe hinein geteilt. Er hat aus <em>Barmherzigkeit</em> den Jüngern die Füße gewaschen. Papst Franziskus hat die darin liegende Sinnspitze geweitet als demütigen Dienst nicht nur an den Aposteln, sondern an allen Schwestern und Brüdern. So geschieht dies heute auch bei uns. Er hat aus <em>Barmherzigkeit</em> seine bleibende Gegenwart in dieser Weltzeit in seinem Wort, dem Sakrament der Eucharistie und der gelebten Nächstenliebe ermöglicht.</p><p>Die Kirche lebt vom Geheimnis, vom Mysterium, nicht von Paragrafen, Vorschriften und Gesetzen. Diese Aura des langen göttlichen Atems kann uns besonders in diesen Tagen berühren und – verwandeln. Haben wir Mut dazu, darin einzutauchen und davon geprägt zu werden.</p><p>Amen. </p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kar- und Ostertage</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-2647</guid><pubDate>Fri, 07 Apr 2017 08:27:55 +0200</pubDate><title>Ein Beispiel für glaubende Offenheit</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/ein-beispiel-fuer-glaubende-offenheit/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Samstag, 8. April 2017, bei der heiligen Messe im Kiliansdom für den 1979 verstorbenen Bischof Josef Stangl</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitbrüder,</p><p>liebe Angehörige von Bischof Josef Stangl,</p><p>wir stehen mitten in der Passionszeit, am Vortag des Palmsonntages und gedenken unseres Bischofs Josef Stangl, der heute vor 38 Jahren verstorben ist. Morgen rufen wir in der Liturgie wieder den umjubelten Einzug Jesu in Jerusalem auf – wohl bedenkend, dass wenige Tage später das Volk schrie: <em>Kreuzige</em><em>ihn!</em></p><p>Der Weg der Menschheit durch die Geschichte ist – wenn auch teilweise unbewusst – ein Weg auf der Suche nach Gott. Das Volk Israel versteht sich bis in unsere Tage als das von Gott berufene Volk, das sich seiner Liebe und Fürsorge verdankt. Zwar hat es sich manches Mal treulos von ihm abgewandt und manches Mal beinahe den Mut am Leben verloren. Aber immer wieder hat Gott seine Liebe bekundet.</p><p>In der heutigen Lesung spricht der Prophet Ezechiel dem Volk Mut zu. Gott werde mit ihm einen neuen und ewigen Bund schließen. Wir sehen diese Verheißung in dem Erlösungstod Jesu Christi erfüllt und eigentlich schon vollendet. Die eben im Evangelium vorausgegangene Schilderung der Auferweckung des Lazarus war das letzte große Zeichen, durch das viele zum Glauben an Jesus als den Messias und Sohn Gottes kamen. Aber dieses Wunder brachte auch die führenden jüdischen Kreise zum Entschluss, Jesus zu töten. Diese menschliche Kurzsicht hatte nicht erfasst, dass dieser Erlösungstod Jesu am Kreuz erst die Menschheit aus allem Verstricktsein in Sünde und Tod zum ewigen Leben herausführte.</p><p>Bischof Josef Stangl war ein Bischof, der um diese Zusammenhänge wusste, sie predigte und in seinem Leben bezeugte. Er hatte sein Hirtenamt unter den Leitspruch gestellt: <em>Domino plebem perfectam – dem Herrn ein bereites Volk.</em> Genau das wollte unser Herr mit seinem Tod am Kreuz erreichen: sich ein bereites Volk erwerben.</p><p>Bei allen Versuchen der Menschen, sich in den unterschiedlichsten Epochen Gott zu nähern, ist der Gedanke des Erlösungstodes Jesu die entscheidende Glaubensaussage. Die frommen Juden erwarten bis heute den kommenden Messias in einer alle Menschen überwältigenden Weise. Auch wir sprechen von der Wiederkunft Christi als von einem Kommen in Herrlichkeit: „<em>Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben“</em> (Offb 1,7) schreibt Johannes in der Geheimen Offenbarung. Das meint nichts anderes, als beeindruckend sichtbar für alle Menschen!</p><p>Gott wählte bei seinem ersten Kommen diesen unscheinbaren, von kaum einem Menschen zu erkennenden Weg der Menschwerdung in der Abgeschiedenheit und Bedeutungslosigkeit von Nazareth. Gott fragt an. Er befiehlt nicht. Er erwartet das freiwillige „Ja“. Was wäre gewesen, wenn Maria sich verweigert hätte? – Sie hat sich nicht verweigert. So konnte dieser atemberaubende Weg Gottes in unsere Geschöpflichkeit vonstatten gehen.</p><p>Bischof Josef glaubte und bekannte diesen Glauben nicht nur in Worten, sondern auch durch sein Leben. Ob als Kaplan, als Religionslehrer, Jugendseelsorger oder als Leiter des Seelsorgeamtes und schließlich als Regens des Priesterseminars – immer mühte er sich darum, die Menschen auf Gott hin zu öffnen und für Christus zu begeistern. Er selbst lebte diese glaubende Offenheit.</p><p>Im Rosenkranzgebet verband er sich mit Maria in der Ausrichtung auf Christus. Ihm wollte er in seinem ganzen Leben nachfolgen – auch als 86. Bischof von Würzburg. So traf man ihn fast wöchentlich auf dem Kreuzweg zum Käppele, wohin er die Sorgen um das Bistum hinauftrug. Und Sorgen und Prüfungen hatte er genug zu tragen. Dem Herrn ein bereites Volk anzuvertrauen, war seine Maxime.</p><p>Aber auch viele Höhepunkte durfte er erleben: Seine Bischofsweihe, die Vollendung des Wiederaufbaus unseres Sankt-Kilians-Domes, das Zweite Vatikanische Konzil und die Seligsprechung des Märtyrerpriesters Liborius Wagner – um nur einiges zu nennen.</p><p>In den Exequien für Bischof Josef charakterisierte ihn der damalige Kardinal Ratzinger und jetzige emeritierte Papst Benedikt XVI.: „<em>Er war kein Mann des Schreibtischs, sondern ein Mann der menschlichen Nähe, der seine Diözese vor allem durch das Beispiel seines Glaubens und durch seine große, überzeugende Güte gelenkt hat, der sich eigentlich niemand entziehen konnte, der ihm begegnet ist.“</em> (In memoriam Dr. Josef Stangl Bischof von Würzburg. Echter 1979, 4)</p><p>Mit Blick auf die Gottesmutter, die Bischof Josef sehr verehrte, wollte er – wie sie – offen sein für den Willen Gottes. Sein ganzes seelsorgliches Bemühen zielte darauf hin, dem Herrn ein bereites Volk zu übergeben. Möge er nun für unser Bistum als Fürsprecher im Himmel eintreten.</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-18027</guid><pubDate>Fri, 27 Mar 2015 11:26:13 +0100</pubDate><title>„Dem Schmerz wird der Stachel genommen“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/dem-schmerz-wird-der-stachel-genommen/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Palmsonntag, 29. März 2015, im Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitbrüder,</p><p>vor wenigen Tagen, am 24.März 2015, erschütterte uns das Flugzeugunglück des Airbus A320 über den Alpen in Südfrankreich. 144 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben. Die Maschine war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Des Öfteren hören wir von Flugzeugabstürzen. Aber dieses Mal berührte es uns unmittelbar, weil eine große Anzahl Deutscher an Bord waren und das Leid der Angehörigen für uns greifbarer wird. Wir fühlen uns dabei so hilflos. Fragen werden gestellt: Wie konnte das geschehen? Wie gefährdet ist unser Leben täglich? Was kann uns alles noch passieren?</p><p>Über diese Fragen wird die Hinfälligkeit und Zerbrechlichkeit unseres Lebens deutlich. Wer nur auch ein wenig an den Vorgängen in unserer Welt teilnimmt, kann angesichts des Leides der im Nahen Osten verfolgten Christen, der Verbrechen von IS-Terror in Syrien und Boko Haram in Nigeria und weiterer weltweiter Probleme nicht ruhig bleiben. Die immer mehr werdenden Asylsuchenden auch bei uns in Bayern, die aus Krisen- und Kriegsgebieten zu uns kommen, stehen vor unserer Haustür.</p><p>In diese konkrete Situation hinein fordert uns die heutige beginnende Karwoche. Sie stellt uns immer wieder neu die Leidenspassion unseres Herrn vor Augen. Was hat sein Leiden mit den heutigen Problemen und Schmerzen zu tun?</p><p>Nachdem wir soeben am heutigen Palmsonntag durch den orientalischen und stimmungsvollen Einzug Jesu in Jerusalem auf ein frohes Ereignis eingestimmt wurden, folgt nun sogleich die ernüchternde und erschütternde Passion Jesu.</p><p>Der Evangelist Markus hat sie uns überliefert. In großer Detailtreue schildert er uns den Vorgang des letzten Weges Jesu, der eingebettet ist in das jüdische Paschafest zum Gedenken an Gottes heilsmächtiges Wirken beim Auszug aus Ägypten und in das sieben Tage lang gefeierte Fest der Ungesäuerten Brote, das ursprünglich in das neue Erntejahr einleitete.</p><p>Betrachten wir Jesu Tun und Leiden vor diesem Hintergrund, so erschließt sich die Einsetzung der heiligen Eucharistie beim Abendmahl als aktuelles Heilshandeln Gottes im Neuen Bund. Christus opfert sich aus Liebe und nimmt so den Kreuzweg auf sich. </p><p>Beides: die Einsetzung der Eucharistie und Jesu Leiden und Sterben gehören untrennbar zusammen. Aus Liebe zu uns nimmt Jesus das Leiden auf sich und stirbt wie ein Verbrecher am Kreuz. Und genau diese Liebe ist es, die sich an uns im Sakrament der Eucharistie verschenkt. Sein Liebestod bleibt nicht einfach eine historische Erinnerung – so wenig wie der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten nur erinnernd gefeiert wurde – und die Wandlung von Brot und Wein in Jesu eigenes Fleisch und Blut bleibt nicht auf das Geschehen im Abendmahlssaal beschränkt, sondern geschieht in jeder heiligen Messe mitten unter uns und bleibt so ein fortdauerndes Erntedankfest der Liebe Gottes.</p><p>Aber das ist nur die eine Seite des aufrüttelnden Geschehens. Die andere Seite führt uns Paulus im Philipperbrief vor Augen, wenn er uns auffordert: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:“ Und dann legt er los: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ Jesu Leiden und Sterben geschieht nicht orts- und geschichtslos. Es hat seinen zentralen Platz im Heilshandeln Gottes an uns und bindet uns in dieses Geschehen so ein, dass auch wir diese göttlichen Maßstäbe akzeptieren sollen. Das ist wahrhaft leichter gesagt als getan. Aber auch für unser Leben in der Nachfolge Jesu Christi gilt:</p><p>„Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ‚Jesus Christus ist der Herr’ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (6,9-11)</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>die Brüchigkeit unseres irdischen Lebens verweist uns auf das durch Christus ermöglichte ewige Leben. Natürlich müssen wir alles Erdenkliche tun, um das Leid in der Welt zu lindern. Wenn wir aber nur alles Geschehen auf dieser Welt aus der begrenzten irdischen Sicht betrachten, greifen wir zu kurz. Vieles bleibt uns - wie der Flugzeugabsturz in Südfrankreich - unerklärlich und verschlossen. Aber wenn wir die übergreifende Dimension des Leidens und Sterbens Christi als Durchbruch zu einem beständigen, in Gott verankerten Leben erkennen, wird dem Schmerz der tödliche Stachel genommen und unser Einsatz, das Leid zu mindern, vehement gestärkt. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Kar- und Ostertage</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-4797</guid><pubDate>Wed, 18 Mar 2015 12:29:30 +0100</pubDate><title>Menschen zu einem besseren Leben verhelfen</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/menschen-zu-einem-besseren-leben-verhelfen/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Mittwoch, 18. März, beim Gottesdienst zum 70. Jubiläum der Fachakademie Sankt Hildegard in Würzburg und der Segnung des nach dem Brand wieder errichteten Gebäudes </description><content:encoded><![CDATA[<p>Eine ganz aktuelle Allensbach-Umfrage belegt, dass Eltern ganz konkrete Erwartungen an Schulen und Lehrer haben; diese gelten auch für Kindergärten und Erzieherinnen. Die Eltern legen wieder mehr Wert auf Höflichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit und gutes Benehmen.</p><p>Im Rahmen einer Umfrage, was Kinder lernen sollten, gaben 89 Prozent der befragten jungen Eltern <em>„Höflichkeit und gutes Benehmen“</em> an, 85 Prozent <em>„Verantwortungsbewusstsein“</em> und 84 Prozent <em>„Ehrlichkeit“</em>.</p><p>Die meisten von uns erinnern sich noch gut, dass vor wenigen Jahren gerade auch Höflichkeit, gutes Benehmen usw. als <em>„Sekundärtugenden“</em> lächerlich gemacht und abgetan wurden. In einem Kommentar stand zu lesen: <em>„Kehren die ‚Sekundärtugenden’ an die erste Stelle zurück?“</em> – Ich meine, es wäre zu wünschen!</p><p>Dabei denke ich jetzt durchaus nicht nur an das Verhalten der jüngeren Generation etwa im Straßenverkehr; sie brauchen nur einmal Menschen in einer Warteschlange vor einer Ladenkasse im Supermarkt oder im Wartezimmer beim Arzt zu beobachten. Ich denke hierbei auch an die erschreckenden Nachrichten, die uns fast täglich erreichen, etwa über den Missbrauch von Handys, über die Verbreitung von Gewalt- und Pornodarstellungen unter Kindern und Jugendlichen, oder auch an die Schändung von Kindern. Dieser perverse, pervertierte, also auf den Kopf gestellte Umgang miteinander beginnt schon bei der Höflichkeit, dem Respekt und dem guten Benehmen bei unseren alltäglichen Begegnungen.</p><p>Verantwortungsbewusstsein, Höflichkeit, gutes Benehmen wären deshalb wirklich ein Gewinn für das Zusammenleben. Aber dabei kommt es eben auch ganz entscheidend auf das Vorbild an, das Kinder und Jugendliche in den Erwachsenen sehen.</p><p>Es ist gut, dass mehr und mehr Menschen aufwachen und erkennen, dass das Zusammenleben in unserer Gesellschaft immer härter und unmenschlicher wird, dass es unter der menschlichen Würde ist, wenn drei Halbwüchsige zur Freude von Tausenden von jugendlichen Zuschauern am Handy oder per Internet Sex mit einer 16-Jährigen haben.</p><p>Wie viele Hochkulturen in der Geschichte der Menschheit haben einen erschreckenden Niedergang erlebt. Der Untergang hatte seine Wurzeln jeweils in der moralischen Dekadenz, die vorausging. Vor diesem Hintergrund – wohin also Dekadenz infolge von Gottlosigkeit führen – kann es nicht einfach nur bei der Forderung nach mehr Höflichkeit und gutem Benehmen bleiben, sondern es muss vor allem um die Grundlage des Lebens und jeglichen Zusammenlebens gehen.</p><p>Als die Oberzeller Franziskanerinnen unmittelbar nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft mit all seinen schlimmen Folgen, wie zum Beispiel die Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945, Sankt Hildegard gründeten und mit der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern begannen, ging es ihnen nicht nur um gutes Benehmen und Verantwortungsbewusstsein, das sie vermitteln wollten.</p><p>Vielmehr ging es ihnen um die geistige und geistliche Grundlage für ein Leben, das anderen Menschen mit Respekt und Ehrlichkeit begegnet und somit ein menschenwürdiges und friedvolles Zusammenleben ermöglicht.</p><p>Es muss uns nachdenklich machen, dass immer weniger Menschen in unserer Gesellschaft der Überzeugung sind, dass es wichtig sei, <em>„festen Glauben und eine feste religiöse Bindung zu haben“</em>.<br/> Ja, es fordert uns geradezu heraus, dass viele nicht erkennen, dass gute und verlässliche Umgangsformen ein geistiges und auch geistliches Fundament voraussetzen.</p><p>Wenn wir heute also – oft mit Erschrecken – bei so vielen Ereignissen und Nachrichten fragen, wo soll das nur hinführen, dann müsste uns spätestens jetzt bewusst werden, dass es an der Zeit wäre, nach der Wegweisung Gottes zu fragen.</p><p>Es kommt für uns entscheidend auf die Grundlage an, die unser Leben und das Zusammenleben trägt. Wenn wir dabei von Werten sprechen, die wir dem Leben beimessen, und nach denen wir unser Leben gestalten, dann stehen diese Werte nicht im luftleeren Raum, sondern sind begründet und verwurzelt in der christlichen Botschaft und der sich daraus ableitenden Lebenshaltung.</p><p>Ich finde es deshalb sehr bemerkenswert, dass die Vorbereitungsgruppe der Studierenden als Evangelium für diesen Gottesdienst das Wort Jesu aus der Bergpredigt von der <em>„Stadt auf dem Berg“</em> und dem <em>„Salz der Erde“</em> ausgewählt hat. Gerade in unserer Generation brauchen die Menschen Orientierung. Wir Christen finden sie im Wort Gottes, in seiner Wegweisung, in der Frohen Botschaft Jesu.</p><p>Mit seiner Bergpredigt, aus der das heutige Evangelium entnommen ist, nimmt Jesus uns in Anspruch. Denn es geht nicht darum, eine Ideologie oder eine daraus abgeleitete Verhaltensweise weiterzugeben, zu dozieren, vielmehr geht es um unsere eigene Überzeugung und unsere Haltung, aus der heraus wir leben und handeln.</p><p>Jesus sagt im Evangelium eindeutig: <em>„Ihr seid das Salz der Erde … Ihr seid das Licht der Welt …“</em> Und er mahnt uns, mit unserer Überzeugung, mit unserem Glauben und dem Menschen- und Weltbild, das sich daraus ergibt, nicht hinter dem Berg zu halten: <em>„Eine Stadt, die auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stellt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“</em></p><p>Es kann also ernsthaft nicht nur um gutes Benehmen und Höflichkeit gehen, sondern es muss vor allem um die Grundhaltung im Leben, um das Festhalten an der Wegweisung Gottes gehen. Menschen, die wirklich an IHN glauben, die – bei aller menschlichen Begrenztheit – aus dem Glauben an IHN heraus ihr Leben gestalten, die gehen anders miteinander um. Da ändert sich also auch das Verhalten.</p><p>Das Bildungsangebot unserer vier Fachakademien in der Diözese Würzburg wie auch der Dienst unserer Kindertagesstätten sowie Jugendhilfeeinrichtungen ist getragen vom Vertrauen in Gott. Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger erinnert uns dabei an die grundlegende Botschaft mit einem Buch, das den bemerkenswerten Titel trägt: <em>„Kinder nicht um Gott betrügen“</em>.</p><p>In diese Richtung zielt auch unser Bestreben, wenn wir als Kirche uns der Menschen annehmen, in dem wir soziale, caritative Dienst entfalten – in Kindertagesstätten, in Einrichtungen der Jugendhilfe und für Behinderte, für Alte, Gebrechliche, Hilfs- und Pflegbedürftige, wie auch durch unser Engagement für Obdachlose oder Flüchtlinge, ebenso unser Hilfsangebot in diversen Beratungsstellen.</p><p>Wir tun das nicht aus kommerziellen Gründen. Bei allem berechtigten Anspruch auf eine angemessene und faire Entlohnung für berufliches Engagement ist dieses vor allem getragen von der Überzeugung, dass wir damit den Auftrag Gottes zur Nächstenliebe erfüllen und Menschen zu einem besseren Leben verhelfen.</p><p>Uns geht es um die Wertschätzung für den Menschen und die Hoffnung, die wir im Einsatz bzw. im Umgang mit den Menschen verbreiten. Deshalb ist uns die Herzens- und die Persönlichkeitsbildung so wichtig. Von da aus kann dann auch die kognitive Bildung gelingen. Wir wollen den Menschen nicht fit machen für den Markt, sondern ihn ermutigen, sein Leben, seine von Gott geschenkten Begabungen zu entfalten. Dabei sehen wir nicht nur einzelne Dienste und Angebote, sondern auch die Vernetzung der verschiedenen Dienste, und wir fördern die gegenseitige Verantwortung über Generationen hinweg.</p><p>Ich möchte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen Freitag, das sich auf die gesetzliche Lage im Blick auf das Tragen von Kopftüchern sowie andere religiöse Symbole im schulischen Umfeld – zunächst in Nordrhein-Westfalen – bezieht, hier nicht kommentieren. Für mich ergibt sich aber von daher die Herausforderung, dass wir selbst, jede und jeder Einzelne von uns, Zeugnis geben für den Glauben an den menschgewordenen und menschfreundlichen Gott – mit allen Konsequenzen.</p><p>Kindertageseinrichtung und Schule allein können nicht die grundlegenden und wichtigen Tugenden für das Zusammenleben vermitteln. Es braucht für Kinder und Jugendliche vor allem die Erfahrung in der eigenen Familie. Es braucht aber auch das soziale Umfeld der Gemeinde oder der Einrichtungen, in denen sie leben. All diese Lebensbereiche – Familie, Gemeinde, Einrichtungen – werden von der Kirche, das heißt von den Christinnen und Christen, die Kirche sind, geprägt.</p><p>Von daher ist die Kirche mit ihrem pastoralen, aber auch – und das ist ganz wichtig – mit ihrem sozialen Bemühen prägender Kristallisationspunkt im Gemeinwesen. So wird das Miteinander im Sozialraum der Menschen lebenswert. Dies betrifft das Leben und die Zuversicht der Menschen in das Leben.</p><p>Lothar Zenetti bringt es in seinem Gedicht, das er <em>„Verheißung“</em> nennt, auf den Punkt:</p><p><em>Menschen</em></p><p><em>die aus der Hoffnung leben</em></p><p><em>sehen weiter</em></p><p> </p><p><em>Menschen</em></p><p><em>die aus der Liebe leben</em></p><p><em>sehen tiefer</em></p><p><em> </em></p><p><em>Menschen</em></p><p><em>die aus dem Glauben leben</em></p><p><em>sehen alles</em></p><p><em>in einem anderen Licht.</em></p><p><em> </em></p><p>Es kommt also zunächst auf den Glauben an Gott an. Und daraus ergibt sich unter anderem auch ein gutes Miteinander. Das muss aber erst noch mehr als nur einem Teil in unserer Gesellschaft bewusst werden. Gutes Benehmen, Höflichkeit, Respekt, Verantwortungsbewusstsein und Ehrlichkeit, wie sie in der erwähnten aktuellen Allensbach-Umfrage gefordert werden, ergeben sich daraus.</p><p>Deshalb ist es wichtig, dass wir heute an die Anfänge von Sankt Hildegard vor 70 Jahren erinnern und den Segen jetzt nicht nur für das Gebäude erbitten, vielmehr für die Prägung künftiger Erzieherinnen und Erzieher und durch sie für die Kinder und Jugendlichen und damit für die Zukunft unserer Gesellschaft. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-9716</guid><pubDate>Tue, 17 Mar 2015 14:32:19 +0100</pubDate><title>Nahtstelle zwischen Himmel und Erde</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/nahtstelle-zwischen-himmel-und-erde/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann bei der Kirchweihe in Waigolshausen am Sonntag, 15. März 2015</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Herr Pfarrer Benkert,</p><p>liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder,</p><p>liebe Mädchen und Jungen,</p><p>endlich ist es soweit! Die neue, den heutigen Verhältnissen angepasste Pfarrkirche St. Jakobus in Waigolshausen wird heute geweiht. Gott ist hier wieder erreichbar.</p><p>„Nach 20 Jahren wieder ein Kirchenneubau“ war in den Medien zu lesen. Anstelle des 1961 errichteten Vorgängerbaus ist diese neue Kirche entstanden. Aber schon bis ins 13. Jahrhundert zurück gibt es Belege für ein Gotteshaus in Waigolshausen. Mehrfach wurde die Kirche erweitert, weil die Zahl der Pfarrmitglieder wuchs. Auch für die inzwischen auf 1380 Katholiken angewachsene Pfarrei wurde die alte Kirche abgebrochen. Bischof Josef Stangl weihte sie.  Weil es inzwischen erhebliche bauliche Schäden gab und auch die Gottesdienstbesucherzahlen erheblich zurückgegangen waren wurde 2007 von der Pfarrei der Abriss der Kirche zugunsten eines Neubaus beantragt. Dem konnte - wie wir heute sehen- Rechnung getragen werden.</p><p>Ein ständiger Wandel im Kirchengebäude ist gerade hier in Waigolshausen abzulesen. Sicherlich stellt sich mancher die Frage: Brauchen wir überhaupt noch neue Kirchen? Ist der Rückgang praktizierender Christen nicht so groß, dass wir ein Ende der Fahnenstange absehen können? Nein, liebe Schwestern und Brüder. Dem ist nicht so.</p><p>Ich sage öfters in Diskussionen, dass in Deutschland an jedem Sonntag viermal so viele Menschen in unsere Kirchen gehen wie alle deutschen Fußballstadien fassen. Wir dürfen nicht nur auf Abbruch oder Schwund sehen, sondern auf den großen Wert der Kirche für die Gesellschaft.</p><p>Was wäre unser Land, Europa, die Welt ohne das Christentum? Wie sähe unsere Erde ohne das christliche Menschenbild und die daraus erwachsenden Leitbilder aus? Wie sähe es bei uns ohne die Kirchen, Krankenhäuser, Schulen und Universitäten aus?</p><p>Schon der weise König Salomon, der Gott einen Tempel errichtet hatte, wusste, dass eine irdische Stätte Gott nicht fassen konnte. Er sagte: „Wohnt denn Gott wirklich auf dieser Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe.“ Gott braucht nicht ein Haus, eine Kirche, einen Dom. Aber wir brauchen diese Orte!</p><p>Gott ist allgewaltig und allgegenwärtig, aber wir suchen ihm konkret zu begegnen und brauchen deshalb entsprechende Orte als Mittelpunkte der Gemeinde. Das ist die Aufgabe auch dieses neuen Gotteshauses: Es spricht als Architektur in die Lebensmitte der Menschen. Nach Außen zeigt sich diese Jakobuskirche wie ein Kubus, der einerseits einen Schutzraum signalisiert, aber andererseits auch auf das Himmlische Jerusalem hinweist, das Johannes in der Apokalypse aufruft.</p><p>Innen öffnet sich der Kirchenraum zu einem Halbrund. 220 Sitzplätze laden zur Mitfeier der Gottesdienste ein. Das gläserne Lichtband in der Decke leitet den Blick zum Altarbereich, in dem der barocke Altar aus der alten Kirche eine herausragende Aufstellung gefunden hat. Auch ist man pfleglich mit dem Taufstein aus der Echterzeit in der Taufkapelle umgegangen. Und auch die Marienfigur aus der Vorgängerkirche hat vor dem konkaven goldfarbenen Eingangsbereich eine dominierende Stellung gefunden. So wird deutlich, dass der Glaube unserer Vorfahren in Kunstwerke geronnen ist, die uns Heutige begleiten.</p><p>Diese neue Kirche will – wie die Vorgängerbauten – der Ort sein, an dem wir uns als Gottesvolk versammeln, zur Stille und zum privaten Gebet finden, Gottes Wort hören, die Sakramente der Taufe, Buße, Kommunion empfangen und in der Heiligen Messe den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu Christi feiern.</p><p>Wir brauchen die Kirchen als Nahtstellen zwischen Himmel und Erde. Hier dürfen wir uns der Liebe Gottes sicher werden, gleichsam seine Umarmung erspüren, im Glauben gestärkt werden und für die Aufgaben in unserem Alltag getröstet wieder nach Hause gehen.</p><p>Gerade Ihr Kinder und Jugendliche solltet mit offenen Augen, Ohren und Herzen dieses Kirchweihfest miterleben. Es ist in unseren Tagen eine selten erlebbare Feier. Die einzelnen Riten und Symbole sprechen für sich. Nehmt sie in Euch auf und freut Euch, dass Ihr hier ein gemeinsames Zuhause habt.</p><p>Die heutigen Lesungstexte der heiligen Messe sprechen vom Zorn und Erbarmen Gottes, vom Unglauben und Ungehorsam, aber auch vom Leben, das Gott uns schenken will. Seine Gnade lässt uns nicht nur leben, sondern schafft uns Zukunft. Deshalb hat er uns seinen Sohn gesandt, der hier in Wort und Sakrament wahrhaft gegenwärtig ist.</p><p>Allen, die sich um diese neue Kirche bemüht haben, sei ein herzliches Danke gesagt! Sei es, dass sie gespendet oder mitgearbeitet haben, ihre Vorstellungen von einer zeitgemäßen Kirche eingebracht haben, die Kirche schmücken und pflegen oder durch ihren Kirchbesuch dieses Gottesgeschenk annehmen. Danken möchte ich auch dem Architekturbüro Gerber, Domkapitular Lenssen, den Künstlern Gassmann und Hirano, den Kirchenpflegern und Pfarrgemeinderatsmitgliedern - und nicht zuletzt Ihrem Pfarrer!</p><p>Möge diese beeindruckende Kirche, die wieder dem Apostel Jakobus der Ältere geweiht ist, viele Menschen neugierig machen und erneut eine tiefer gehende Verbindung zu Gott und seinem Volk ermöglichen. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Schweinfurt</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-10564</guid><pubDate>Tue, 17 Mar 2015 14:13:41 +0100</pubDate><title>„Gott hat uns eine Wohnung bei sich bereitet“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/gott-hat-uns-eine-wohnung-bei-sich-bereitet/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim Pontifikalgottesdienst im Kiliansdom am 16. März 1945</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>wie ein Damoklesschwert schwebt die Erinnerung an die Zerstörung Würzburgs vor 70 Jahren über uns. Wie damals nach dem schrecklichen Bombardement die Luft geschwängert war von Rauch, Staub und Verwesung, so ziehen sich in diesen Tagen durch alle Medien Berichte, Erinnerungen und bleibender Schmerz. Viele unter uns, die älter als 70 Jahre sind, haben diesen traurigen 16. März 1945 noch erlebt und Zerstörung und Tod vieler Verwandte und Freunde ertragen müssen. Ich habe mir sagen lassen, dass viele zum Teil verkohlte Leichen hier in den Dom gebracht wurden und im nördlichen Seitenschiff zur Identifikation hingelegt wurden. Wie viele Tränen mögen hier vergossen worden sein!</p><p>Bei der Renovierung unseres Kilian-Domes haben wir dieses Ereignis bedacht und an der Stelle des Aufbahrungsortes einen kleinen Andachtsraum mit der Pieta eingerichtet, vor der Kerzen angezündet werden können, damit unserer Trauer und unserem fürbittenden Gedenken auch weiterhin Raum gegeben wird. Die Gestalt der Schmerzensreichen, der Muttergottes, die ihren toten Sohn auf dem Schoß trägt, drückt ihr Mitleiden mit den schrecklichen Geschehnissen in dieser Welt aus.</p><p>Durch die Kirchengeschichte hindurch schauen wir Menschen auf die Schmerzensreiche, in deren Schmerz über ihren gekreuzigten Sohn wir unsere eigene Not verankern können. Wer, wenn nicht sie, kann als Fürsprecherin bei Gott Hilfe in allen Nöten bringen?</p><p>Unsere heutige Zeit ist nicht einfacher und gerechter geworden. Der gesellschaftliche Umbruch, in dem wir stecken, bringt uns auch heute viele Sorgen und Nöte. Während zurzeit weltweit viele Kriege toben, Terrorgruppen Christen und andere Minderheiten terrorisieren, foltern, vertreiben und töten, verlieren Menschen ihre Heimat und suchen auch bei uns Schutz und Unterkunft. Wie damals können wir uns auch heute an die Pieta wenden, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält und sie um Hilfe bitten und für die Verstorbenen Fürbitte halten. Dabei dürfen wir uns aber nicht nur auf das Gebet verlassen, sondern alles in unseren Kräften Stehende tun, um die Not zu lindern.</p><p>Die kleine Pieta-Statue in dem neu geschaffenen Andachtsraum steht vor einem goldgefassten Hintergrund, in dem im obersten Bereich ein kleines Kreuz herausgeschnitten ist. Dies will uns sagen, dass das Leid dieser Welt von der Gottesmutter in ihrem göttlichen Sohn vor Gott getragen und im Himmel bei Gott in Freude verwandelt wird. Das Kreuz als Marterwerkzeug wird zum Siegeszeichen über Schmerz und Tod. Die rußgeschwängerte Erdenzeit wird in die strahlende Vollendung ewigen Glückes überführt.</p><p>In der Lesung aus dem Buch Jesaja hörten wir eben: „So spricht der Herr: Seht, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Nie mehr hört man dort lautes Weinen und lautes Klagen.“ Unser Dom ist ein beredtes Zeugnis der Wanderschaft durch die tränenreiche Geschichte hindurch mit allen Verwundungen und Blessuren. Hier können wir den Glauben unserer Vorfahren ablesen, ihr Leid, aber auch ihre Zuversicht. Denn der Dom ist nicht nur ein Ort der irdischen Zuflucht, den viele Menschen während der Kriegszeit und auch am 16. März 1945 aufgesucht haben, sondern ein Ort der Begegnung mit Gott. Hier können wir unseren Schmerz, unsere Fragen und Zweifel ablegen und Gott unsere seelische Armut zu Füßen legen. Deshalb wurde der Dom nach dem Krieg wieder aufgebaut und als Wegkirche vom Schöpfungsportal bis hin zur Darstellung der Wiederkunft Christi ausgerichtet.</p><p>Die im Evangelium erwähnte Heilung des königlichen Beamtensohnes in Kafarnaum verweist auf den Glauben des Vaters an die Wirkkraft Jesu. Er unterschied sich darin von vielen Mitmenschen, die in ihrem Unglauben einer Wundersucht anhingen, die Jesus streng verurteilte. Mag der Glaube des königlichen Beamten auch noch nicht ausgereift gewesen sein, auf Grund dieses Heilungserlebnisses wurde er später mit seiner ganzen Familie gläubig. „Geh, dein Sohn lebt!“, sagte Jesus dem leidenden Vater. Sagt er das - im Blick auf die Ewigkeit - nicht auch uns? Unsere Verstorbenen leben. Das ist die Kernbotschaft unseres Glaubens.</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>auch wir verlangen immer wieder nach Zeichen und Wundern. Möge uns in diesem wieder aufgebauten Dom das eine oder andere Zeichen geschenkt werden, damit wir unseren Glauben an das Weiterleben nach dem Tode nicht vergessen, sondern aus dieser Hoffnung heraus unseren Mitmenschen bei ihrer Angst und in ihrer Trauer beistehen und unsere Verstorbenen im Gebet nicht vergessen.</p><p>Gott hat uns eine Wohnung bei sich bereitet. Mögen alle Kriegstoten, alle unsere Verstorbenen, dort einst mit uns zusammen eine ewige Heimat finden. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category><category>Dom und Neumünster</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-10834</guid><pubDate>Mon, 16 Mar 2015 15:40:14 +0100</pubDate><title>Hilfe mit Gebet, Wort und Tat</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/hilfe-mit-gebet-wort-und-tat/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Freitag, 13. März, beim Eröffnungsgottesdienst des Kongresses „Treffpunkt Weltkirche“ im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonendienst,</p><p>liebe Schwestern und Brüder im Herrn,</p><p>der mit dieser heiligen Messe beginnende Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ hat die weltweiten Probleme der Kirche im Blick und verankert sie im Herzen der Kirche: in Gott. Von ihm her kommt alles Leben, aus ihm heraus ist nur Leben möglich, auf ihn hin zielt alles Leben. Unsere politischen, ökonomischen und ethischen weltweiten Probleme fordern uns ständig heraus. Täglich wird uns über die Medien die ganze Not unserer Zeit nahe gebracht.</p><p>Ich denke zum Beispiel an die brutalen Hinrichtungen tausender Christen und Mitglieder anderer religiöser Minderheiten im Irak und in Syrien im letzten Sommer, an die schrecklichen Verfolgungen im Libanon oder in Syrien oder Nigeria und an die andauernden Versklavungen vieler Kinder, Frauen und Männer weltweit. Aber wie gehen wir damit um?</p><p>Der Prophet Hosea hat in seiner Zeit (im achten Jahrhundert vor Christus) – wir hörten es eben in der Lesung – das Volk Israel zur Umkehr aufgerufen. Denn viele hatten sich von Gott abgewandt und menschliches Tun vergötzt. Sie bauten mehr auf eigene Kraft als auf Gottes Hilfe. Deshalb forderte Hosea sie auf, den Heilswillen Gottes zu erkennen und anzuerkennen, denn dann würde sich Gottes Liebe als tatkräftig erweisen. Hosea beschreibt Gott als den liebevollen Arzt, der helfen kann und helfen will. Aber das Volk muss deshalb zu ihm umkehren. Ist es heute anders?</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>Ende November 2014 hat Papst Franziskus eine eindrucksvolle Rede vor dem Europarat in Straßburg gehalten. Er hat das Thema Frieden, der so bedroht ist, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen gestellt und Wege zum Frieden aufgezeigt, die darin münden müssen, <em>„im anderen nicht einen Feind zu sehen, der bekämpft werden muss, sondern einen Bruder, der anzunehmen ist</em>“. Und weiter sagte er:</p><p>„<em>Es bedarf eines ständigen Weges der Humanisierung: Es genügt nicht, die Kriege einzudämmen, die Kämpfe einzustellen (...), es genügt kein aufgezwungener Friede, kein zweckbedingter und provisorischer Friede. Wir müssen nach einem Frieden trachten, der geliebt wird, frei und brüderlich ist, das heißt in der Versöhnung der Menschen gründet.</em>“ Der Friede werde immer wieder auch durch religiösen und internationalen Terrorismus bedroht, „<em>der eine tiefe Verachtung für das menschliche Leben hegt und unterschiedslos unschuldige Opfer fordert. Der Friede wird auch verletzt durch den Menschenhandel, die neue Sklaverei unserer Zeit, welche die Menschen in Handelsware verwandelt und sie jeder Würde beraubt</em>.“</p><p>„<em>Doch der Friede ist nicht das bloße Nichtvorhandensein von Kriegen, Konflikten und Spannungen</em>“, sagte der Heilige Vater weiter. „<em>Aus christlicher Sicht ist er zugleich Geschenk Gottes und Frucht des freien vernünftigen Handelns des Menschen, der in Wahrheit und Liebe das Gemeinwohl im Auge hat.</em>“ Und einige Zeit später sagte der Papst: „<em>Wir können Europa fragen: Wo ist deine Kraft? Wo ist jenes geistige Streben, das deine Geschichte belebt hat und durch das sie Bedeutung erlangte? Wo ist dein Geist wissbegieriger Unternehmenslust? Wo ist dein Durst nach Wahrheit, den du der Welt bisher mit Leidenschaft vermittelt hast?</em>“</p><p>Und wenig später sagte er, dass von der Beantwortung dieser Fragen die Zukunft dieses Kontinentes abhänge: „<em>Europa muss darüber nachdenken, ob sein gewaltiges Erbe auf menschlichem, künstlerischem, technischem, sozialem, politischem, wirtschaftlichem und religiösem Gebiet ein bloßes museales Vermächtnis der Vergangenheit ist, oder ob es noch imstande ist, die Kultur zu inspirieren und seine Schätze der gesamten Menschheit zu erschließen</em>.“</p><p>In diesem Sinne will meines Erachtens dieser Kongress den gewaltigen Problemen unserer Zeit nachgehen und neben Sensibilisierung für die Nöte unserer Zeit auch nach Lösungsschritten suchen. Letztlich gibt uns das heutige Evangelium die Grundrichtung des Durchschlagens des gordischen Knotens vor. Ein Schriftgelehrter stellt Jesus die Frage: „<em>Welches Gebot ist das erste von allen?</em>“ Jesus antwortet, indem er den ersten Glaubensartikel, den jeder Jude aus seinen täglichen Gebeten kannte, zitiert: „<em>Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr</em>.“ Dann verknüpft er das Gebot, Gott zu lieben „<em>mit ganzem Herzen und ganzer Seele</em>“ mit dem Gebot der Nächstenliebe: „<em>Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden</em>.“ Diese grundlegende Aussage Jesu ist der Schlüssel zum Frieden. Aber Jesus belässt es nicht bei diesem Appell. Er setzt selber das um, was er fordert. Und dadurch gewinnt seine Antwort ihren tiefen Ernst und ihr Gewicht.</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>angesichts der weltweiten Nöte, die viele Menschen erleiden, müssen wir uns fragen: Wie können wir den bedrängten, gefolterten, mit dem Tod bedrohten Menschen helfen? Die Anwesenheit vieler Bischöfe aus den besonders bedrohten Ländern gibt uns zunächst die Möglichkeit, konkret von dem unsäglichen Leid der bedrohten Menschen, einschließlich der verfolgten Christen, zu hören und dieses schreckliche Leiden zu thematisieren. Andererseits darf es nicht bei bloßen Appellen bleiben. Konkrete Hilfe ist angesagt. Ich danke Ihnen, dass Sie sich auf den Weg gemacht haben und sich diesen Problemen stellen.</p><p>Alfred Delp, der von den Nationalsozialisten umgebracht wurde, schrieb 1945 in seiner Todeszelle mit gefesselten Händen, dass „<em>die Hingabe an Gottes Willen…der wirkliche Segen für den Menschen</em>“ sei. Die Begegnung mit Gott sei es, die den Menschen zum Menschen mache. Und ebenso: <em>„Die Gottferne ist es, die das Leben des Menschen seiner eigentlichen Tiefe, ja Würde beraubt und allen Dingen letztlich den Sinn nimmt</em>.“</p><p>Vertrauen wir uns dem Herrn an und treten wir für alle leidenden Menschen, unsere Schwestern und Brüder, im Gebet und in Wort und Tat ein. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14679</guid><pubDate>Wed, 07 Jan 2015 12:19:45 +0100</pubDate><title>„Wir brauchen Brücken, keine Mauern“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/wir-brauchen-bruecken-keine-mauern/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Silvesterabend, 31. Dezember, im Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>der siebte Tag nach Weihnachten ist der letzte Tag im Kalenderjahr. Am siebten Tag - so lesen wir in der Bibel im Buch Genesis - ruhte Gott vom Schöpfungswerk aus. Der achte Tag gilt dann als der Tag der Neuschöpfung. Auf dieses Ziel hin leben wir. Wir bauen darauf, dass Gott am Ende der Zeit in seiner Zeitlosigkeit einen neuen Himmel und eine neue Erde erschafft. Für uns ist der achte Tag nach Weihnachten der erste Tag im Neuen Jahr. Er ist der Gottesmutter Maria geweiht. Sie ist ja als Mutter Jesu Christi gleichsam das Einfallstor des unsichtbaren Gottes in die geschöpfliche, aber verwundete Welt, in der wir im Neuen Jahr wieder einen kleinen Schritt auf die erhoffte Vollendung zugehen dürfen.</p><p>In diesen Tagen wird verstärkt Rückblick auf das vergangene Jahr gehalten. Fortschritte und Rückschritte werden gleichermaßen benannt. Mir liegen noch nicht die Zahlen aus unserem Bistum für 2014 vor. So erspare ich uns allen eine Bilanzierung unseres Bistums für das vergangene Jahr. Unabhängig von all dem Summierten aber bleibt ein großes Thema, das uns hautnah begleitet: Das Thema Frieden.</p><p>Weltweit brechen neue Krisenherde aus: Darunter fallen der Nahe Osten mit Israelis und  Palästinensern in der Westbank und im Gaza-Streifen, die Terror-Organisation IS in Pakistan, Afghanistan und Irak, die fundamentalistische Islam Bewegung Boko Haram in Nigeria. Dann ist der noch lange nicht ausgestandene Konflikt in der Ukraine mit Russland zu nennen. Millionen Menschen sind auf der Flucht und kommen auch zu uns. Die Sehnsucht nach Frieden bleibt unvermindert. Und ist nicht gerade die Weihnachtsbotschaft eine einzige Friedenbotschaft?</p><p>Der unter kommunistischer Herrschaft in der Tschechoslowakei heimlich zum Priester geweihte Professor Tomáš Halík schrieb: „Ich bin bis heute zu wenig unbefangen und rein, als dass ich die Sprache der Engel verstehen könnte. Jedoch höre ich Seine Sprache in den Wunden der Welt, ich höre dort sein Rufen und das Schlagen Seines Herzens: Ich kann sie nicht verstehen, ich kann nicht vortäuschen, taub zu sein. Und immer wieder - aber nie genug - lerne ich die Sprache der Berührungen, damit sie an diesen empfindlichen Stellen Linderung bringen.“</p><p>Wir nehmen mehr die Wunden der Welt wahr. Da, wo Krieg oder kriegsähnliche Zustände herrschen, da vermissen wir den Frieden. Da geht uns auf, wie schrecklich Unterdrückung und Leid ist. Frieden, so sagt Papst Franziskus, kann nur da gelingen, wo Gerechtigkeit geschieht. Es bleibt unsere große Aufgabe, vom Mensch gewordenen Gott, vom Friedensfürsten - wie die Heilige Schrift sagt - den Frieden in die Welt zu tragen. In seiner Ansprache anlässlich des Friedensgebetes in den vatikanischen Gärten mit Staatspräsident Shimon Peres und Staatspräsident Mahmoud Abbas am 8. Juni 2014 sagte der Heilige Vater wörtlich:</p><p>„Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut, sehr viel mehr, als um Krieg zu führen. Es braucht Mut, um Ja zu sagen zur Begegnung und Nein zur Auseinandersetzung. Ja, zum Dialog und Nein zur Gewalt. Ja, zur Verhandlung und Nein zu Feindseligkeiten. Ja, zur Einhaltung von Abmachungen und Nein zu Provokationen. Ja, zur Aufrichtigkeit und Nein zur Doppelzüngigkeit. Für all das braucht es Mut, eine große Seelenstärke.“</p><p>Gerade konnten wir den Medien entnehmen, dass der Papst maßgeblich am Aufsehen erregenden Abkommen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten beteiligt war. Welch ein Segen für die Menschen! Hier zeigt sich, dass seine Empfehlungen nicht bloße Worte bleiben, sondern in die Tat umgesetzt, konkrete Ergebnisse erzielen.</p><p>Am 9. November dieses Jahres sagte Papst Franziskus beim Angelusgebet auf dem Petersplatz: „Vor 25 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer, die lange die Stadt zweigeteilt hat und Symbol für die ideologische Spaltung Europas und der ganzen Welt gewesen ist. Der Mauerfall ereignete sich plötzlich, doch er wurde durch den langen und mühsamen Einsatz vieler Menschen ermöglicht, die dafür gekämpft, gebetet und gelitten haben, einige bis zum Opfer ihres Lebens. Unter diesen hat der heilige Papst Johannes Paul II. eine Hauptrolle gespielt.</p><p>„Beten wir“ - so fuhr der Papst fort - „dass sich mit der Hilfe des Herrn und der Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens immer mehr eine Kultur der Begegnung verbreite, die fähig ist, alle Mauern zum Einsturz zu bringen, die noch immer die Welt teilen, und dass es nicht mehr geschehe, dass unschuldige Menschen aufgrund ihres Glaubensbekenntnisses und ihrer Religion verfolgt oder sogar getötet werden. Wo es eine Mauer gibt, ist das Herz verschlossen. Wir brauchen Brücken, keine Mauern!“</p><p>Ja, liebe Schwestern und Brüder, beten wir am letzten Tag dieses Jahres und morgen, am Neujahrstag, den wir auch als Weltfriedenstag begehen, dass allen Menschen auf der Erde Friede und Gerechtigkeit geschenkt werde. Denken wir im Gebet an die weltweit verfolgten Christen, die so wenig von uns beachtet werden und öffnen wir uns denen, die konkret bei uns Hilfe suchen. Beten wir, dass Gott, der die Liebe ist, uns zu seinen Friedensboten macht. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-6750</guid><pubDate>Wed, 24 Dec 2014 19:03:11 +0100</pubDate><title>„Haben wir den Mut, Christen zu sein?“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/haben-wir-den-mut-christen-zu-sein/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann in der Heiligen Nacht, 24. Dezember 2014, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>Es ist offensichtlich eine Binsenwahrheit zu sagen: Wer leben in einer gefährdeten Welt. Allein die Nachrichten der letzten Tage führen uns schlagartig vor Augen wie friedlos unsere Erde ist: Ich erinnere nur an den Überfall der Taliban vor einer Woche auf die (von der Armee geführte) Schule in Peshawar, Pakistan. 132 Kinder und Jugendliche und neun Erwachsene wurden dabei getötet. Erwähnt sei auch die blutig beendete Geiselnahme in einem Café von Sydney. Schreckliche Verbrechen von Boko Haram in Nigeria, Al Quaida und der terroristischen Gruppe IS in Afghanistan Pakistan und anderen Ländern, sowie weitere Nachrichten über Versklavung von Kindern und Frauen weltweit schrecken uns auf.</p><p>Sie, liebe Schwestern und Brüder, sind heute Nacht wohl nicht in den Dom gekommen, um über das Elend in dieser Welt klagen zu wollen. Aber weshalb sind Sie da? Geben wir uns nicht einer Illusion hin, wenn wir nachher singen: „<em>Stille Nacht, heilige Nacht...“</em>? Flüchten wir an Weihnachten in ein Familienidyll, das langsam aber stetig durch die Entwicklungen überrollt wird?</p><p>Was feiern wir in dieser Nacht, heute, an Weihnachten? Die Geburt des Kindes von Betlehem. Werden nicht an jedem Tag und in jeder Nacht tausende Kinder geboren? Warum also sprechen wir von einer <em>Heiligen Nacht</em> ? Weil wir nicht an die Geburt irgendeines Menschenkindes in dieser Welt erinnern, sondern weil dieses unscheinbare, hilflose Kind Gottes Sohn ist und in uns geboren werden will.</p><p>Die Menschen haben seit Jahrtausenden in einer sich immer wieder als friedlos erweisenden Welt nach einem Ende der Friedlosigkeit, der Unterdrückung, des Mordens und Sterbens gesehnt. Im Volk des Alten Bundes haben die Propheten durch die Jahrhunderte unermüdlich darauf hingewiesen, dass eines Tages der Messias, der Erlöser, geboren werden sollte.</p><p>Die eben gehörten Texte der Lesungen und des Evangeliums sprechen davon, dass die Erfüllung dieser Sehnsucht in dem Kind von Betlehem eingetreten ist. Aber warum wird dies so schwer erkannt? Sicherlich, weil zum einen die Erwartung des Kommens des Erlösers mit einem spektakulären Eintritt in diese Welt verbunden war. Wer hat denn damit schon gerechnet, dass der ewige, allmächtige Gott sich in einem kleinen wehrlosen Kind offenbart? Und dann wird er auch noch zu allem anderen in äußerst erbärmlichen Umständen am Rande der Weltgeschichte geboren. Wer kann dies fassen und glauben? Hat sich denn etwas seit seinem Kommen verändert?</p><p>Ein alter Mann aus unserem Bistum schrieb mir im Rückblick auf den Heiligen Abend 1944 - vor genau 70 Jahren - als er 19 jährig in amerikanischer Kriegsgefangenschaft auf französischem Boden war: „<em>Auch am Heiligen Abend mussten wir arbeiten und hatten zwölf Stunden Nachtschicht. Nur das Läuten der Glocken der Kathedrale von Verdun erinnerte uns an die Heilige Nacht. Als wir gegen Ende der Arbeitsschicht die Arbeit demonstrativ einstellten, weitere Arbeit verweigerten und uns zusammenstellten, um Weihnachtslieder zu singen, waren auch die in den letzten Tagen bösartigsten amerikanischen Wachposten plötzlich wie umgewandelt. ... Wir waren erstaunt, dass sie uns nicht auseinander und zur Arbeit trieben, sondern viele von ihnen in unser kräftiges ‚Stille Nacht, heilige Nacht...’ zum Teil mit Tränen in den Augen in Englisch mit einstimmten. Auch wir waren gerührt und zum ersten Mal, zuerst noch zaghaft und vereinzelt, schüttelten wir uns gegenseitig die Hände und wünschten uns ein gesegnetes Weihnachtsfest ... Weihnachten hatte den Bann gebrochen und die Menschlichkeit hatte sich durchgesetzt.“</em></p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>Gott bleibt immer der ganz Andere, Unberechenbare, Überraschende. Der unter der kommunistischen Herrschaft in der damaligen Tschechoslowakei heimlich zum Priester geweihten Professor Tomás Halik hat zum Thema „<em>Gott - der ganz Andere“</em> Stellung genommen.</p><p>Er warnt uns davor, unsere Vorstellungen von Gott zu verabsolutieren, denn damit würden wir der Wirklichkeit Gottes nicht gerecht. Wörtlich fragt er: „<em>Sind wir in der Lage, ... (uns) der Erkenntnis zu öffnen, dass Gott ganz anders ist, als wir ihn uns bisher vorgestellt hatten? Das radikal Neue an dieser Lösung des Dilemmas von Glauben und Unglauben ist die Einsicht, dass jene Andersartigkeit Gottes so ungeheuer und so radikal ist, dass es nicht darum geht, dass wir unsere alte Vorstellung von Gott durch eine neue ersetzen würden, sondern darum, dass wir den Mut finden, alte menschliche Vorstellungen von Gott abzulegen (oder zumindest ‚in Klammern zu setzen’) und schweigend und staunend vor dem Geheimnis stehen zu bleiben.“</em></p><p>Hiermit berühren wir das Wunder von Weihnachten. Wir bleiben staunend vor der Menschwerdung Gottes stehen, ohne sie letztlich verstehen zu können. Wir bleibend anbetend vor dem Kind in der Krippe stehen, ohne die Tiefe und Weite des sich darin offenbarenden unsichtbaren, ewigen, allmächtigen Gottes ausloten zu können. Wir bleiben fassungslos vor dem Worte Jesu an Philippus stehen: „<em>Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“</em> (Joh 14,9)</p><p>Und wir hören erstaunt die Konsequenz aus dieser Selbstoffenbarung, die Jesus dem wiederkehrenden Weltenherrscher in den Mund legt: „<em>Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.</em> (Mt 25,40)<em></em>In diesen turbulenten Tagen, in denen die Krisengebiete der Erde wachsen und aus den geplagten Ländern viele Flüchtlinge zu uns kommen und um Asyl nachsuchen, sind wir aus dem Weihnachtsgeschehen heraus geradezu verpflichtet, sie willkommen zu heißen und ihre Not zu lindern. Aus den Medien erfahren wir, wie viele Befürworter aber auch Gegner auftreten. Hass, Intoleranz, Ausländerfeindlichkeit und Brutalität haben nichts mit der Weihnachtsbotschaft zu tun. Haben wir den nötigen Mut, Christen zu sein?</p><p>Wir bezeichnen Christus als den Friedensfürsten. In der Wehrlosigkeit des Kindes von Betlehem begegnet uns der Gott der Liebe, der sich uns bis in die letzte Konsequenz hinein ausliefert. Es mag uns scheinen, als ob dieses Vorgehen zum Scheitern verurteilt sei. Es hat sich aber etwas wesentlich verändert: Gott setzt darauf, dass wir sein Liebesangebot ernst nehmen, tätig werden und Ungerechtigkeit, Hass und Sünde weglieben. Das Kind von Betlehem ist für jede und jeden einzelnen von uns geboren worden. So ist diese Heilige Nacht eine Herausforderung an uns. Nehmen wir sie an? Amen. </p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15167</guid><pubDate>Wed, 24 Dec 2014 19:03:09 +0100</pubDate><title>„Wir müssen uns nur von Gott finden lassen“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/wir-muessen-uns-nur-von-gott-finden-lassen/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am ersten Weihnachtstag, 25. Dezember 2014, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Die Nobelpreisträgerin Nelly Sachs (1891-1970 hat die bekannten Worte gesagt: „<em>Alles beginnt mit der Sehnsucht, immer ist im Herzen Raum für mehr...und wo Sehnsucht sich erfüllt, dort bricht sie noch stärker auf. Fing nicht auch deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?“</em></p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>ist es nicht wirklich so, dass die Sehnsucht der Motor unseres Denkens und Handelns ist? Und ist Gott nicht immer unserer Sehnsucht einen Schritt voraus? Wir sehnen uns nach Freundschaft und Liebe, nach Gerechtigkeit und Friede, nach Gesundheit und Arbeit - und damit verbunden nach Besitz und nach Geld. Aber greift unsere Sehnsucht eigentlich nicht noch weiter? Sehnen wir uns nicht nach einem gelingenden Leben, nach einem Leben in Fülle, nach Gott? Edith Stein hat einmal gesagt: „Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott; ob er es weiß oder nicht!“</p><p>Unser Weihnachtsfest offenbart die Sehnsucht in zwei Richtungen: die Sehnsucht Gottes nach uns und unsere Sehnsucht nach Gott. Wir müssen uns nur von Gott finden lassen.<em></em>Die Texte des heutigen Festtages sind von einer solchen Dichte, so dass sie uns leicht überfordern. Wir hören vom „<em>Wort aus dem Schweigen, (vom) Licht in eine dunkle Welt hinein, (vom) Leben das stärker ist als der Tod.</em>“</p><p>Der Evangelist Johannes bringt in seinem eben gehörten Prolog Gedanken ein, die geradezu sprachlos machen. „<em>Ewig spricht Gott sein eigenes Wesen aus in dem Wort, das Licht ist von Gottes Licht und Glut von seiner Glut.“,</em> heißt es dazu in einem Kommentar. Gott liefert sich in seiner Menschwerdung an die Menschheit aus.</p><p>Das kleine wehrlose Kind in Betlehem stirbt später als verspotteter <em>König der Juden</em> am Kreuz. Aber dieser Weg Gottes zu uns ist unumkehrbar. - Spüren wir seine unermessliche Sehnsucht nach uns, die das, was alles geschehen ist und auch heute geschieht, zulässt? Und denken wir daran, dass nach dem Karfreitag der Ostersonntag, der Tag der Auferstehung von den Toten, kam?</p><p>Wenn uns Weihnachten innerlich berührt, wenn wir über rein emotionale Gefühle hinaus uns diesem unfassbaren Geschehen öffnen, es an uns heranlassen, dann bricht in uns eine Sehnsucht nach Gott auf, die uns mitten in das Abenteuer unseres Glaubens führt. Edith Stein, die für ihr jüdisches Volk in die Gaskammern nach Auschwitz ging, schrieb einmal vom Heiligen Abend: „<em>Wenn am Abend Lichterbäume brennen und die Gaben getauscht werden, da dringt die unerfüllte Sehnsucht immer noch hinaus, nach einem anderen Lichtglanz, bis ... das Wunder der heiligen Nacht sich auf licht- und blumengeschmückten Altären erneuert: ‚Und das Wort ist Fleisch geworden...‘“</em></p><p>Die Menschwerdung Gottes aus dem Wort, dass bei Gott war und das Gott war und durch das alles, was ist, geworden ist (vgl. Joh 1,1f.), hat zur Folge, dass Christus als der von den Toten Auferstandene bei uns bleibt bis zum Ende der Zeit.</p><p>Die Krippenfigur des Christkindes bleibt eine Visualisierungshilfe, um sich dieses Geschehens bewusst zu werden. Im Tabernakel aber bleibt Christus durch die Weltzeit real gegenwärtig. Dieses Geheimnis seiner Gegenwart bleibt damit aber auch ein Anruf an uns, sich dieser Wirklichkeit zu stellen.  </p><p>Auch hierzu möchte ich Edith Stein, die große Wissenschaftlerin und Frauenpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts zitieren: „<em>Der Herr ist im Tabernakel gegenwärtig mit Gottheit und Menschheit. Er ist das nicht seinetwegen, sondern unseretwegen: weil es seine Freude ist, bei den Menschenkindern zu sein. Und weil er weiß, dass wir, so wie wir nun einmal sind, seine persönliche Nähe brauchen. Die Konsequenz ist für jeden natürlich Denkenden und Fühlenden, dass er sich hingezogen fühlt und dort ist, so oft und so lange er darf.“</em>  Lassen wir unserer Sehnsucht in der Anbetung freien Raum. Amen. </p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-14445</guid><pubDate>Mon, 24 Nov 2014 10:24:47 +0100</pubDate><title>Kluger Verwalter und unermüdlicher Seelsorger  </title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/kluger-verwalter-und-unermuedlicher-seelsorger/</link><description>Bischof Dr. Friedhelm Hofmann zum Tod von Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Gleichsam am Vorabend des Christkönigfestes 2014  ist unser Würzburger Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand plötzlich und unerwartet von Gott heimgerufen worden.</p><p>Bis zum Vorabend, am 21. November 2014, war er noch ungebrochen aktiv für das Bistum Würzburg im Einsatz. Am Morgen des 22. Novembers wurde er in seiner Wohnung tot aufgefunden. Das Brevier lag neben dem Sessel, in dem er saß.</p><p>Für uns alle ist dies im Augenblick unfassbar. Wer kennt die Gedanken des Herrn? Wer kann IHM Ratschläge erteilen?</p><p>Generalvikar Hillenbrand hat auf diesen Tag hingelebt. Die Königsherrschaft Gottes zu akzeptieren, war ihm ein Herzensanliegen. In vielen seiner Schriften und Bücher hat er auf die Wanderung der Kirche durch die Zeit mit Blick auf das große Ziel zu ebenso eindringlich hingewiesen wie auf die besondere Verantwortung der Priester auf diesem Weg.</p><p>In einem seiner jüngsten Bücher mit dem Titel „Herausgeforderter Glaube - Zwischenrufe zu Zeitfragen“ (Echter 2012) hat er selbst die Beweggründe für seinen Dienst formuliert: „Der Dienst eines Generalvikars steht nicht nur im Schnittpunkt vielfältiger innerkirchlicher Lebenslinien, sondern genauso im Spannungsfeld zwischen der Glaubensverkündigung und den unterschiedlichen gesellschaftlichen Problemen. Manchmal entwickeln sich aus solchen Herausforderungen regelrechte Zerreißproben ...“</p><p>Seit meinem Amtsantritt in Würzburg vor zehn Jahren stand Generalvikar Hillenbrand mir unermüdlich zur Seite. Ich bewunderte immer seine theologische Weite, seinen analytischen Verstand und seine aufopferungsvolle Mitarbeit, die ihn bis an den Rand seiner Kräfte führte. Niemals scheute er sich, auch die sogenannten ‚heißen Eisen’ anzufassen. Ohne sich zu schonen, setzte er sich für die Belange der Mitbrüder und Mitarbeiter in der Diözese ein.</p><p>Er blieb nie im Einzelnen stecken, sondern verortete das kurzfristige Aktuelle im Ganzen unseres Glaubens. Seine hilfreichen Entscheidungen gründeten zutiefst im Glauben der Kirche, den er ausnahmslos teilte.</p><p>Seine Liebe zur Familie - besonders zu dem noch lebenden 94-jährigen Vater und seinen Geschwistern mit Familien - kam ebenso aus seinem Herzen wie die Liebe zu seinem Heimatort Ochsenfurt in der Nähe von Würzburg.</p><p>Ein durchgehendes Herzensanliegen war ihm die Vermittlung von Nähe und Distanz: Es lag ihm daran, die Bodenhaftung zu haben, aber nicht im Boden stecken zu bleiben. Er verwies - auch in den vielen Zusammenkünften und Konferenzen - immer darauf, dass menschliche Zuwendung eine Voraussetzung für gelebten Glauben sei, aber diese Hinwendung nicht distanzlos sein dürfe. Aus der Sendung von Christus her und auf ihn hin müsse das Engagement des Einzelnen stammen.</p><p>So schrieb er in dem schon erwähnten Buch - als langjähriger Regens mit allen Problemen vertraut und leidenschaftlich am Priestertum interessiert - über den Dienst des Priesters: „In der Weihe macht Jesus vor-läufige Menschen zu Vor-läufern auf das Endgültige, auf sein Reich, das sie durch ihren Dienst verkünden sollen. ... Der Priester ist nicht ‚Endstation’ kirchlichen Handelns, er soll vielmehr deutlich machen, dass Jesus selbst wirkt. ‚Wer euch hört, der hört mich’ (Lk 10,1) - ‚Tut dies zu meinem Gedächtnis’ (Lk 22,19) ... Christus selbst ist es, der tauft, predigt und Abendmahl hält - der Priester kann diese Gegenwart immer nur persönlich bezeugen, aber niemals selbst bewirken.“ (Ebd. 119)</p><p>Wichtig war ihm dabei aber auch immer, dass der Einzelne nicht nur seine besonderen Charismen pflegen dürfe, sondern dass er von seiner Ganzhingabe aus auch seine Armseligkeit, seine Schattenseiten und Grenzerfahrungen verschenken müsse. „Berufung zum Priester lebt nicht in erster Linie vom eigenen Können“ - schreibt er wenige Zeilen weiter - „sondern vom Vertrauensvorschuss Jesu, den wir weitergeben dürfen.“ (Ebd. 120)</p><p>Generalvikar Hillenbrand habe ich als einen Mitbruder erleben dürfen, der sich in diesem Sinne als kluger Verwalter und unermüdlicher Seelsorger einbrachte. Wie oft wurde er als Referent bei theologischen Tagungen, als Prediger und Impulsgeber auch in andere Diözesen eingeladen. Mit welch großem Eifer und Sachverstand wirkte er in den letzten Jahren als stellvertretender Vorsitzender des Verbandsausschusses des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) mit.</p><p>Als ehemaliger Germaniker hatte er weltweite Kontakte, die er zum Wohle aller einzusetzen verstand. Seine Liebe zur Ewigen Stadt behielt er zeitlebens.</p><p>Auch ich persönlich habe ihm viel zu verdanken. Seine unaufdringliche, aber stets erfahrbare Nähe war ein Kontinuum in meinem bisherigen Amt als Bischof von Würzburg. Mit seinem Tod hat er sein erhofftes Ziel erreicht - für uns aber hat sich eine Lücke aufgetan, die nur sehr schwer zu schließen sein wird.</p><p>Möge Gott nun zu ihm sagen: „Komm, du guter und getreuer Knecht, nimm teil an der Freude deines Herrn.“</p><p> Bischof + Friedhelm </p><p>(4814/1164; E-Mail voraus)</p><p><strong><em>Für die Redaktionen:</em></strong><em> Foto abrufbar im Internet</em></p>]]></content:encoded><category>Aschaffenburg</category><category>Kitzingen</category><category>Rhön-Grabfeld</category><category>Schweinfurt</category><category>Main-Spessart</category><category>Generalvikar Hillenbrand</category><category>Haßberge</category><category>Würzburg</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Bad Kissingen</category><category>Miltenberg</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-15284</guid><pubDate>Thu, 14 Aug 2014 14:21:57 +0200</pubDate><title>„Gott bleibt Herr der Geschichte“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/gott-bleibt-herr-der-geschichte/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann in der Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg am Vorabend Maria Himmelfahrt, 14. August 2014</description><content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Herr Dekan Krammer, liebe Mitbrüder,<br/>liebe Pilgerinnen und Pilger, liebe Schwestern und Brüder,</p><p>es ist eine gute Tradition, dass am Vorabend des Festes Maria Himmelfahrt, die Wallfahrt nach Maria Ehrenberg begonnen wird. Auch Sie haben sich heuer wieder zahlreich eingefunden und führen damit eine Tradition fort, die mindestens seit 1522 begonnen hat. Dieser Anfang inmitten der Wirren der Reformation – zumal mit dem Wittenberger Bildersturm im Jahre 1522 – dürfte wohl einmalig sein.</p><p>Verehrt wird Maria als Mutter der Barmherzigkeit. Aber während normalerweise diesem Wallfahrtsanliegen eine Pietà-Darstellung – das heißt Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß – vorgegeben ist, wird hier das Gnadenbild ‚Maria Ehrenberg’ als sitzende Madonna mit dem Jesuskind verehrt.</p><p>Im heutigen Festgeheimnis, der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, feiern wir zugleich mit der Krönung Mariens auch unsere noch erhoffte Vollendung im Himmel. In Maria, der Mutter der Barmherzigkeit,  ist schon vollendet, was uns noch erwartet.</p><p>Woher können wir diese Gewissheit nehmen? Woher wissen wir, dass wir keinem frommen Wunschdenken hinterherlaufen, das sich schließlich doch noch als Fata Morgana entpuppt?</p><p>Mir scheint bei vielen unserer Zeitgenossen diese Skepsis zu überwiegen. Was können wir verantwortbar darauf erwidern? Sind wir nicht auch Menschen unserer Zeit? Folgen wir einmal in aller gebotenen Kürze den Fakten unseres Glaubens an die Auferstehung Jesu. An seiner Auferstehung hängt unser Glaube an die allgemeine Auferstehung der Toten:</p><p>Der heilige Paulus listet in seinem Brief an die Korinther das Kernthema unseres Glaubens penibel sauber auf:</p><p>„<em>Er ist am dritten Tage auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas (Petrus), dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der ‚Missgeburt’. Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.“</em> (1 Kor 15,4-9)</p><p>Es sind gerade einmal 20 Jahre nach dem Ostergeschehen vergangen, als Paulus dies schreibt. Es ist das Jahr 53. Das Zeugnis der Frauen erwähnt Paulus nicht, weil es wohl vor Gericht geradezu kontraproduktiv hätte sein können. Aber er wusste, dass ihr Zeugnis wahr war – ist ihm doch selbst der Herr als Auferstandener erschienen. Für diese Wahrheit war er bereit, in den Tod zu gehen.</p><p>Aber auch die Frauen und Männer, die dem Auferstandenen vom Ostersonntag an als dem Lebendigen begegnet sind, haben ihre Familien, ihre Heimat, ihr bisheriges Leben aufgegeben und sind in die damalig bekannte Welt hinausgezogen, um diese Frohe Botschaft mit dem ganzen Einsatz ihres Lebens zu verkünden. Von Halluzination, von Massensuggestion kann dabei wirklich keine Rede mehr sein.</p><p>Wenn aber Christus auferstanden ist, dann machen seine Äußerungen zu unserer Auferstehung Sinn. Ich habe einmal in der Heiligen Schrift die Stellen zusammengezählt, die von der Auferstehung der Toten sprechen. Es sind insgesamt 39 – ohne die Parallelstellen.</p><p>Nun ist Maria, die Mutter Gottes, der erste Mensch, von dem wir mit Sicherheit sagen dürfen, dass er die Voraussetzungen für das Ewige Leben erfüllt. Papst Benedikt XVI. hat in seiner Angelusansprache am 51. August 2007 wörtlich gesagt:</p><p>„<em>Heute feiern wir das Hochfest der Aufnahme der seligen Jungfrau Maria in den Himmel. Es handelt sich um ein altes Fest, dessen Fundament letztendlich in der Heiligen Schrift gründet: diese nämlich spricht von der Jungfrau Maria in inniger Verbundenheit mit dem göttlichen Sohn und stets einig mit ihm. Mutter und Sohn erscheinen im Kampf gegen den teuflischen Feind bis zum vollen Sieg über ihn eng miteinander vereinigt. Dieser Sieg kommt im Besonderen in der Überwindung der Sünde und des Todes zum Ausdruck, das heißt in der Überwindung jener Feinde, die der heilige Paulus immer in Verbindung miteinander darstellt. Wie die glorreiche Auferstehung Christi das endgültige Zeichen dieses Sieges war, so bildet die Verherrlichung Mariens auch in ihrem jungfräulichen Leib die letzte Bestätigung ihrer vollen Solidarität mit dem Sohn, im Kampf wie im Sieg.“</em></p><p>Das von Papst Pius XII am 1. November 1950 feierlich verkündete Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel fasst den über Jahrhunderte fest geglaubten Inhalt der Lehre über Maria, die Mutter Gottes, zusammen. Maria ist der einzige vollkommene Mensch, der ohne jede Erbsünde empfangen, sündenlos bis in den Tod geblieben ist, und deshalb auch die Folgen der Sünde, den ewigen Tod, nicht zu fürchten brauchte. In ihr ist das von Gott für uns alle vorgesehene Heilsgeschehen schon zur Vollendung gekommen. Deshalb dürfen wir sie auch als Königin des Himmels und der Erde, als unsere Fürsprecherin anrufen.</p><p>Während hier auf dem Ehrenberg Maria als liebevolle Mutter mit ihrem göttlichen Sohn verehrt wird, so besitzt sie doch auch hier eine kosmologische Dimension. Im 12. Kapitel der Offenbarung des Johannes wird das hinter kargen Worten und Fakten sich abspielende Drama der Weltgeschichte flammend in den Blickpunkt gestellt. Die beiden sich widersprechenden Mächte, die mit der Sonne bekleidete Frau, die ein Kind gebären soll, wird vom geifernden, siebenköpfigen Drachen, dem Satan, bedroht.</p><p>Dies ist ein Bild für die jungfräuliche Himmelskönigin und den durch die Weltgeschichte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfenden Drachen. Er verfolgt und kämpft gegen diese apokalyptische Frau und ihre Kinder, die Christen solange diese Welt bestehen wird.</p><p>Viele Male ist dieses im kosmischen Zusammenhang stehende Geschehen von Künstlern aufgegriffen und dargestellt worden. Darin wird die ganze gefährdete Situation unserer Lebenszeit, die sich gerade wieder in den schrecklichen Vorgängen und Kämpfen im Irak, in der Ukraine, im Nahen Osten, in Libyen und einigen afrikanischen Staaten abspielt, ins Bewusstsein gehoben.</p><p>Aber angesichts dieses Elends und der uns manchmal ausweglos erscheinenden Situationen braucht uns angesichts des heutigen Festes nicht bange zu sein. Gott bleibt Herr der Geschichte.</p><p>Zwar hat Jesus den schrecklichen Tod am Kreuz erlitten – freiwillig und zu unserem Heil, aber Gott hat ihn nicht im Tode belassen, sondern ihn am dritten Tage von den Toten auferweckt.</p><p>Zwar hat Maria die von Simeon angekündigten sieben Schmerzen durchlitten, aber sie hat ohne jede Unterbrechung die Vollendung in der Herrlichkeit Gottes erreicht. So wird sie für uns zum Zeichen der Hoffnung und des Sieges.</p><p>Durch sie darf uns klar werden, dass Gott auch uns nicht den Mächten Satans zum Tode ausliefert, sondern dass er uns einen hoffnungsvollen Weg in seiner Herrlichkeit gebahnt hat. Danken wir ihm am heutigen Festtag und lassen wir die Freude darüber in uns groß werden.</p><p>Sehr schön ist in der von Alfred Saam verfassten Schrift zu diesem Wallfahrtsort Maria Ehrenberg eingefügt:</p><p>„<em>Wenn die Wallfahrer der Pfarrei Burkardroth und Umgebung auch zukünftig am jeweiligen Fest Maria Himmelfahrt wieder zum Maria Ehrenberg kommen, um ihre alljährliche Wallfahrt durchzuführen, so wollen sie nicht nur den Brauch aus dem Jahre 1920 fortführen und für ihre persönlichen Sorgen und Nöte beten. Sie alle wissen, dass jeder Mensch ein Kreuz zu tragen hat, weil ein vollkommenes Glück für Menschen nicht geschaffen ist. Nein, sie pilgern von Maria Ehrenberg in ihre Heimat, um ein Bekenntnis des christlichen Glaubens abzulegen und um unserer Mutter Gottes eine menschlich bescheidene Verehrung darzubringen. Möge dieser wunderschöne christliche Brauch noch lange erhalten bleiben und von ihren Nachkommen weitergeführt werden.“ </em></p><p>Dem kann ich nur zustimmen. Amen.</p><p> </p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-3426</guid><pubDate>Fri, 11 Jul 2014 15:52:52 +0200</pubDate><title>„Zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen  </title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/zum-lobe-gottes-und-zur-freude-der-menschen/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim Pontifikalamt zum Tag der Chöre und Blasmusiker am Samstag, 12. Juli 2014, im Würzburger Kiliansdom
</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Sängerinnen und Sänger, liebe Musikerinnen und Musiker, liebe Schwestern und Brüder,</p><p>wir feiern heute Morgen während der Kiliani-Wallfahrtswoche miteinander die Festmesse hier im Sankt-Kilians-Dom. Im Blick auf unsere Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan gedenken wir dankbar Ihres missionarischen Eifers, der sie im 7. Jahrhundert aus Irland in unser Frankenland geführt hat. Sie haben voller Elan und unter Einsatz ihres Lebens den Glauben an den auferstandenen Herrn Jesus Christus verkündet. Schließlich haben sie gar das Martyrium erlitten.</p><p>Mir ist aus den vorhandenen Unterlagen nicht deutlich geworden, inwieweit sie musikalisch tätig waren. Sicherlich spielte aber auch schon damals innerhalb der Gottesdienste die Musik eine große Rolle.</p><p>Für unsere heutige Zeit ist die Musik nicht mehr aus unseren Gottesdiensten wegzudenken.</p><p>Warum ist sie für uns so wichtig?</p><p>Die Musik, die wir im Gottesdienst und auch heute in diesem Pontifikalamt für Chöre und Blasmusiker hören, hat einen hohen Stellenwert in der Kirche. Sie ist von Anfang an nicht nur als schmückendes Dekor, als Beiwerk, als eine Überhöhung der Feier gesehen worden, sondern als ein Bestandteil der Liturgie. So heißt es im Konzil: „Die überlieferte Musik der Gesamtkirche stellt einen Reichtum von unschätzbarem Wert dar, ausgezeichnet unter allen übrigen künstlerischen Ausdrucksformen vor allem deshalb, weil sie als der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang einen notwendigen und integrierenden Bestandteil der feierlichen Musik ausmacht.“ (Kleines Konzilskompendium. VI., 112. S. 84).</p><p>Rainer Maria Rilke hat in einem Vers seines Gedichtes „An die Musik“ das Wesen der Musik aufleuchten lassen: „Musik – Du Sprache wo Sprachen enden“. Gerade die Musik, die nach Heinrich Heine „zwischen Materie und Geist, zwischen Zeit und Ewigkeit steht“, vermag den Menschen in seinem Innersten zu berühren und über sich selbst hinaus zu erheben. Zugleich aber hat die Musik im Gottesdienst die Möglichkeit, den Bogen zwischen der unsichtbaren himmlischen und der sichtbaren und hörbaren irdischen Musik zu schlagen. Wenn in der Heiligen Schrift von der himmlischen Liturgie die Rede ist, dann doch vornehmlich im Zusammenhang mit der Musik.</p><p>Die Musik ist so etwas wie eine geistige Jakobsleiter. Sie verbindet die sichtbare, empirisch erfahrbare, geschöpfliche Wirklichkeit mit der uns im Glauben verkündeten und erschlossenen Realität Gottes. Sie ist damit auch eine Jakobsleiter zwischen Vernunft und Glaube, zwischen materieller und geistiger Wirklichkeit.</p><p>Musik erklingt und erreicht unser Herz. Sie verfliegt wieder und ist nur im Augenblick des Aufnehmens erfahrbar. Aber sie klingt nach und sie erschließt Räume, von denen wir auf einmal spüren, dass hier mehr zu finden ist als menschliches Können, Kompositions- und Interpretationsgabe. Wie jegliche Kunst den sichtbaren, empirisch und denkerisch erfahrbaren Grund übersteigt, so erst recht auch die Musik. Sie führt wie eine Brücke in eine ungeschaffene Wirklichkeit.</p><p>In Gott fallen die beiden Wirklichkeiten von Diesseits und Jenseits, Wissen und Glauben zusammen. Der Mensch, der sich auf diese Schöpfung einlässt, gewinnt auch die Möglichkeit, den Schöpfer durch das Geschaffene zu erfassen. Und deshalb, liebe Schwestern und Brüder, prallen Glauben und Wissen nicht als zwei Wirklichkeiten aufeinander oder stehen beziehungslos nebeneinander, sondern erwachsen aus dem einen selben Urgrund: aus Gott.</p><p>Davon gibt die Musik auf unmittelbare Weise Zeugnis. Sie erweckt Emotionen, spricht Verstand und Herz an und führt so über jedes rationale Erkennen hinaus in den Raum Gottes, führt vom Diesseits in das Jenseits.</p><p>Als die Orgel als das königliche Musikinstrument unter Kaiser Karl dem Großen in unsere Liturgie eingeführt wurde, fand in der Kirche ein Instrument Platz, das seine Vorrangstellung bis heute beibehalten konnte. Die Vielfalt und Fülle der damit verbundenen Ausdrucksformen dürfen wir ja auch heute wieder erleben.</p><p>Großartige Kompositionen vieler Jahrhunderte lassen auch heute die Herzen der Gottesdienstbesucher höher schlagen. Wie sehr ist unsere Liturgie durch grandiose Musik bereichert worden. Zahlreiche Messkompositionen lassen uns den Atem der Ewigkeit spüren.</p><p>Heute Morgen dürfen wir über Ihre aktive Teilnahme in Chören und der Blasmusik wieder das Besondere dieser Musik erleben. Wir werden also mitten in einen Prozess hineingenommen, der nicht nur in der Zeit steht, sondern die Zeitlichkeit in die Ewigkeit hinein öffnet.</p><p>In den letzten hundert Jahren wurde der Dialog zwischen der Kirche und der zeitgenössischen Musik – ebenso wie in der bildenden Kunst – nur mühsam geführt. </p><p>Mit dem Zweiten Vatikanum vollzieht sich der Wandel:</p><p>Jetzt rückt der Mensch mehr in den Blick. Es gilt nach dem Willen der Konzilsväter, ihn in seiner Lebenswirklichkeit wahrzunehmen. Der Theologie kommt dabei die Aufgabe zu, den Menschen mit seinen Fragen im Blick auf sein Heil abzuholen und in den Raum Gottes hineinzuführen. Kunst – und damit auch Musik – soll im Kirchenraum nicht museal behandelt werden. Sie soll vielmehr in ihrer Eigenwirksamkeit erkannt und gefördert werden. Das Konzil betont: „Der Schatz der Kirchenmusik möge mit größter Sorgfalt bewahrt und gepflegt werden…“  Dabei legt sich das Konzil nicht auf bestimmte Stilrichtungen fest, sondern betont: „Dabei billigt die Kirche alle Formen wahrer Kunst, welche die erforderlichen Eigenschaften besitzen, und lässt sie zur Liturgie zu.“</p><p>Wir brauchen eine qualifizierte musikalische Gestaltung unserer Gottesdienste.</p><p>So möchte ich auch uns heute Morgen zurufen, alles daran zu setzen, Gott in würdigen Gottesdiensten zu loben.</p><p>Gott hat uns Augen, Ohren, Mund und Hände verliehen, ihn in seiner wunderbaren Schöpfung wahrzunehmen. Er hat uns kreative Fähigkeiten und die Liebe zur Musik geschenkt. Warum sollten wir nicht die Zinsen für diese Talente zurückzahlen, indem wir die uns geschenkten Gaben ausbauen und für ihn – auch in den Gottesdiensten – einsetzen?</p><p>Den letzten Satz der Psalmen habe ich als ersten Satz in das neue Gebet- und Gesangbuch Gotteslob gestellt. Er lautet: „Alles, was atmet, lobe den Herrn!“ (Ps.150,6) Die ganze Schöpfung soll dem Lobe Gottes dienen. Der Mensch, als die Krone der Schöpfung, soll dieses unterschiedliche Lob in die Sprache des Herzens übertragen. Wir sagen mit Recht: Ein gesungenes Gebet ist ein doppeltes Gebet.</p><p>Von Herzen danke ich Ihnen für Ihren großen Einsatz in der Kirchenmusik und hoffe, dass auch in unserer Zeit weiterhin viele Menschen den Kontakt mit der Kirchenmusik pflegen - zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen.</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Kiliani</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-16461</guid><pubDate>Fri, 11 Jul 2014 10:56:38 +0200</pubDate><title>Bischof Hofmann zur Ernennung des Erzbischofs von Köln</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/bischof-hofmann-zur-ernennung-des-erzbischofs-von-koeln/</link><description>Würzburg/Köln (POW) Zur Ernennung des neuen Erzbischofs von Köln gibt Bischof Dr. Friedhelm Hofmann am Freitag, 11. Juli, folgendes Statement ab:</description><content:encoded><![CDATA[<p>„Der neue Erzbischof von Köln, Rainer-Maria Kardinal Woelki, ist mir seit vielen Jahren bekannt und vertraut. In meiner Kölner Zeit als Weihbischof haben wir eng zusammengearbeitet. Er ist im guten Sinne konservativ und weltoffen. In Berlin hat er eigene Maßstäbe in seiner Wohnungswahl, der Umstrukturierung des Erzbistums und der Planung für eine Neuordnung der Sankt-Hedwigs-Kathedrale gesetzt. Köln kann sich freuen, ihn als Erzbischof zurückzubekommen. Für die Berliner Katholiken dürfte der schnelle Wechsel Probleme mit sich bringen. Möge Kardinal Woelki die zu bewältigenden Aufgaben mit innerer Freude und Gelassenheit angehen! Möge Gottes Segen ihn und das Erzbistum Köln begleiten.“</p><p>(2914/0694; E-Mail voraus)</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-16352</guid><pubDate>Tue, 08 Jul 2014 14:54:55 +0200</pubDate><title>„Die innere Nähe zu Gott spüren“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/die-innere-naehe-zu-gott-spueren/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann bei der Pontifikalvesper für die Seelsorger und Seelsorgerinnen am Dienstag, 8. Juli 2014, im Würzburger Kiliansdom </description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitbrüder,</p><p>der letzte Satz der Psalmen ist im neuen Gotteslob der erste: Alles, was atmet, lobe den Herrn!</p><p>Diesem einladenden Satz gegenübergestellt ist ein Ausschnitt aus dem Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle in Rom, die kein Geringerer als Michelangelo Buonarroti zwischen 1508 und 1512 ausgemalt hat.</p><p>Auf unserem Titelbild im Gotteslob sehen wir einen kleinen Ausschnitt aus der „Erschaffung des Adam“. Gottes ausgestreckter Zeigefinger der rechten Hand berührt fast die schlaffe Hand Adams. Man glaubt gleichsam den Funken zu spüren, der aus der Schöpferhand Gottes auf den ersten Menschen überspringt und ihn mit Leben erfüllt.</p><p>Hier wird der Mensch als die Krone der Schöpfung gepriesen. In ihm findet das ganze Weltall seinen schöpferischen Höhepunkt. In ihm kulminiert auch die Möglichkeit, in und für die ganze Schöpfung das Lob Gottes zu singen. Dies hat der Mensch auch zu allen Zeiten, wenn auch sehr verschieden, getan.</p><p>Unsere Frankenapostel, die wir im Eingangshymnus unserer Vesper loben, haben dies auf ihre Weise gemacht. In der früh nach ihrem Märtyrertod aufgeschriebenen passio minor heißt es im 2. Kapitel:</p><p>„Nun begab es sich aber, dass eines Tages …an Kilian durch das Evangelium gleichsam als der Stimme des Herrn eine Mahnung erging, durch die Stelle: ‚Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.’ (Lk 9,23) Der hochselige Mann, total im Herzen und im Geist davon ergriffen, erwog diese Worte. Er sammelte seine Gefährten und Schüler um sich,... und begann sie zu überzeugen, gemäß dem Evangelium des Herrn Vaterland und Eltern zu verlassen und ohne alles Christus nachzufolgen.“</p><p>In der dritten Strophe unseres soeben gesungenen Hymnus heißt es: „Sie halfen vielen in der Not, den Armen brachen sie das Brot. Sie tauften auf des Herrn Geheiß, vermehrten Gottes Lob und Preis.“</p><p>Dies kommt auch uns sehr bekannt vor. Auch wir haben – wohl sehr unterschiedlich – Gottes Ruf in die Nachfolge vernommen und auf unsere Weise beantwortet. Auch wir haben – ergriffen von der Wirklichkeit, Größe und Nähe Gottes – manches hinter uns gelassen und uns auf Gottes Hilfe vertrauend in die Ausbreitung des Glaubens begeben.</p><p>Auch wir haben vielen in der Not geholfen und tun dies auch weiterhin. Auch wir brechen miteinander das Brot im biblischen Sinne, d.h. feiern miteinander die Eucharistie. Auch wir taufen unermüdlich, spenden die Sakramente und vermehren so das Lob Gottes.</p><p>Unsere Texte in dieser Vesper besingen im Psalm 8 die Herrlichkeit des Schöpfers. Der anschließende Psalm 150 ist gleichsam das große Halleluja und auch im Gesang aus dem Neuen Testament preisen wir mit dem Kehrvers „Selig, die bei dir wohnen, Herr, die dich loben alle Zeit“ Gottes Liebe zu uns.</p><p>Ähnliches geschieht im Magnifikat, dem Lobpreis der Gottesmutter. Sie preist die Größe Gottes und jubelt über Gott, ihren Retter.</p><p>Ist im Grunde nicht das ganze Leben Mariens ein Lobpreis Gottes? Sehen wir nicht, wenn wir sie ehren, durch sie hindurch – gleichsam wie durch eine Folie – den uns liebenden Gott?</p><p>Und ist das nicht genau unserer Aufgabe? Müssen nicht auch wir gleichsam eine Folie sein, durch die hindurch Gottes Liebe und Güte aufscheint? Wie kann uns dies gelingen?</p><p>Ich weiß um die vielfältigen Belastungen, denen wir ausgesetzt sind. Wir mühen uns ab und fühlen uns doch oft überfordert oder gar ausgelaugt. Die täglichen Verpflichtungen machen uns zu schaffen. Wir reden ständig von Gott und über Gott. Aber ersetzt das das Reden mit Gott?</p><p>Ich weiß, wie anstrengend es sein kann, in der Arbeitsbelastung, die sich ja letztlich immer um Gott dreht, auch noch genügend Zeit für das Beten zu finden. So manches Mal wird das Breviergebet beiseite geschoben, weil die innere Kraft dazu fehlt und weil wir es als eine zusätzliche Aufgabe und gar als Belastung empfinden. Jeder, der das Breviergebet mit seinen reichen Schätzen an Lebens- und Gebetserfahrung aber durchträgt, spürt wie ihn schließlich dieser Gebetsschatz selber trägt. Die anfängliche Mühe wird zur Kraftquelle, aus der wir leben können.</p><p>Ähnliches gilt für das Rosenkranzgebet und auch für das ganz persönliche Beten. Ähnliches trifft aber auch auf die Feier der Gottesdienste zu. Wenn wir im Vollzug der Feier, insbesondere der heiligen Messe, innerlich daran Anteil nehmen können, dann spüren die Mitfeiernden diese innere Nähe zu Gott und partizipieren daran.</p><p>Von den großen Heiligen wissen wir um die Gebetstiefe, die sie schon jetzt Gott als den ganz Nahen und uns ganz und gar Liebenden erfahren ließ. Ich erwähne nur Niklas von Flüe, Bruder Konrad von Parzham. Aber auch von der heiligen Edith Stein wird uns berichtet, dass sie ganze Nächte hindurch in der Kapelle vor dem Allerheiligsten gebetet hat.</p><p>Ich möchte abschließend Bernhard von Clairvaux zu Wort kommen lassen, der in einem Brief an Papst Eugen III., seinen früheren Schüler, schrieb:</p><p>„Wo soll ich anfangen? Am besten bei deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit dir. Ich fürchte, dass du eingekeilt in deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst und deshalb deine Stirn verhärtest; dass du dich nach und nach des Gespürs für einen durchaus richtigen und heilsamen Schmerz entledigst.</p><p>Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Wenn du dein ganzes Leben und Erleben völlig von Tätigsein verlegst und keinen Raum mehr für die Besinnung vorsiehst, soll ich dich da loben? Darin lob ich dich nicht. Ich glaube, niemand wird dich loben, der das Wort Salomons kennt: Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit. (Sir 38,25) Und bestimmt ist es der Tätigkeit selbst nicht förderlich, wenn ihr nicht die Besinnung vorausgeht.</p><p>Wenn du ganz und gar für alle da sein willst, nach dem Beispiel dessen, der allen alles geworden ist (1 Kor 9,22), lobe ich deine Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst du aber voll und echt Mensch sein, wenn du dich selbst verloren hast. Auch du bist ein Mensch.</p><p>Damit deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst du also nicht nur für alle anderen, sondern auch für dich selbst ein aufmerksames Herz haben. Denn was würde es dir nützen, wenn du – nach dem Wort des Herrn (Mt 16,26) – alle gewinnen, aber als einzigen dich selbst verlieren würdest?</p><p>Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum sollest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange bist du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder heimkehrt? (Ps 78,39)? Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selber? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?</p><p>Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sag nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“</p><p>Und ich möchte abschließend hinzufügen: Beten, Sprechen mit Gott, Gott zu loben, ist kein Luxus, den wir uns leisten, er ist die Kraftquelle, aus der wir überzeugend leben.</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Kiliani</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-19343</guid><pubDate>Fri, 04 Jul 2014 11:39:59 +0200</pubDate><title>„Familiäre Liebe strahlt aus“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/familiaere-liebe-strahlt-aus/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann beim Gottesdienst für Gold- und Diamant-Ehejubilare aus den Dekanaten Haßberge, Karlstadt, Lohr, Schweinfurt und Ochsenfurt im Würzburger Kiliansdom am Mittwoch, 2. Juli 2014</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>liebe Ehejubilare,</p><p>Sie feiern in diesem Jahr ein Ehejubiläum nicht nur im kleinen Familienkreis, sondern in der großen Gemeinschaft der Kirche – zusammen mit vielen anderen Ehepaaren. Wir alle freuen uns mit Ihnen und Ihren Angehörigen über diesen großen Tag. </p><p>Sie machen heute am Fest Mariä Heimsuchung deutlich, dass Ihre Liebe keine reine Privatsache ist, sondern der Liebe Gottes entspringt und von ihr getragen wird. Sicherlich haben Sie neben aufmunternden Sonnentagen auch Schatten und Dunkelheiten erlebt. Aber das Bewusstsein, dass sich Gott als Dritter in Ihren Liebesbund hinein begeben hat, war sicherlich der starke Motor in Krisensituationen.</p><p>Der Rahmen auf Ihrem Liedblatt ist - wie wir schon zu Beginn dieser heiligen Messe hörten – aus vier Begriffen gebildet, die tragend auch für Ihre Ehe sind:</p><p>Liebe – Treue – Miteinander – Leben.</p><p>Wenn junge Menschen, die gerade verliebt sind, Sie nach Ihrer Liebe und der Treue in Ihrer Ehe fragen – was sagen Sie ihnen? Wenn Sie jungen Menschen begegnen, die zweifeln, ob ihre Liebe zueinander groß genug ist, um eine Ehe einzugehen – was sagen Sie ihnen? Jetzt, nach so vielen Ehejahren?</p><p>Jede gelebte Ehe ist anders und wohl auch einmalig. Sie alle könnten jetzt beredt von Ihren Erfahrungen sprechen - und sollten es bei entsprechenden Gelegenheiten auch tun. Junge Menschen brauchen Vorbilder, brauchen Hilfen. Wovon sprechen Sie zuerst? Natürlich von der Liebe.</p><p>Jeder Mensch sehnt sich nach Liebe. Jeder will geliebt werden und Liebe schenken. Ein Kernsatz lautet: Liebe möchte sich weiterschenken. Liebe braucht den Raum der Intimität und Geborgenheit. Liebe will und braucht Dauer. Liebe hat kein Verfallsdatum. In dieser von Gott getragenen Gemeinschaft können Kinder Vertrauen in das Leben fassen und zu mündigen Menschen heranreifen.</p><p>In der Ehe, die das wechselseitige Versprechen braucht und sucht, ist Gottes Liebe anwesend und erfahrbar. Denn Gott spricht sich im Sakrament der Ehe den beiden Liebenden zu. Er verspricht sein Mitgehen - verlässlich und auf Dauer. Er schafft die Ermöglichung, dass trotz all unserer menschlichen Schwäche der gute Wille am Beginn der gegenseitigen Liebe auch bis zur Vollendung durchträgt. Sie haben erfahren, dass Sie die Glut der Liebe nähren, aber sich nicht grenzenlos glücklich machen können. Der je größere Gott muss immer wieder neu von Ihnen aus in diese Liebe hinein genommen werden.</p><p>„Ehe ist ein Versprechen mit Leib und Seele. Es bezieht auch Eros und Sexualität mit ein. Die Liebe zwischen Mann und Frau sucht das erotische Begehren genauso wie die liebevoll-fürsorgliche Zuneigung. Dieses Spannungsfeld aus Lust, Hingabe und Herzensnähe eröffnet den ureigenen Raum für die Zeugung neuen Lebens.“ (Aus: Zehn Gründe für die Ehe, Deutsche Bischofskonferenz 2014)</p><p>Sie können Ihre Liebe nicht für sich behalten. Sie strahlt aus über Ihre Kinder, Enkelkinder und auf alle, die mit Ihnen zusammen kommen. Deshalb ist auch das Sakrament der Ehe, das Sie eingegangen sind, ein Stück gelebte Kirche, nämlich ein sichtbares Zeichen für die Liebe Gottes und deren wirksame Kraft im flüchtigen Heute.</p><p>Wir alle wissen um unsere menschlichen Begrenzungen. Fehler, Verletzungen und Enttäuschungen sind sicher nicht ausgeblieben. Von daher war auch immer der Wille zur Selbstkritik, zur Umkehr und Versöhnung im wahrsten Sinne des Wortes notwendig. (Meine Mutter hat mir einmal gesagt: „Dein Vater und ich sind abends nie ins Bett gegangen ohne sich – bei Bedarf – einander zu verzeihen.“)</p><p>Eheleute müssen einander gegenseitig Raum geben, damit Sie sich verändern und entfalten können. Sprechen Sie darüber, wie Gott Ihnen dabei beigestanden ist. Junge Menschen brauchen Lebensbeispiele, die ermutigen!</p><p>Haben Sie Mut darüber zu reden, dass selbst auch beim Scheitern Gottes Liebe nicht verloren geht. Gott ist treu. Er lässt auch die enttäuschten und gebeutelten Eheleute nicht im Stich.</p><p>Im Herbst wird in Rom eine außergewöhnliche Synode über den Umgang mit gescheiterten Ehen stattfinden. Dann werden auch die Eheleute in den Blick genommen, die besonders schwere Erfahrungen gemacht und Leid erduldet haben.</p><p>Papst Franziskus hat den weisen Satz gesagt: „In der Ehe schenkt man sich vollständig ohne Kalkül und Vorbehalte, teilt alles, die Geschenke und den Verzicht, vertrauend auf die Vorsehung Gottes.“</p><p>Dieses eingelöste Vertrauen feiern wir heute am Festtag Mariä Heimsuchung. Aus der Heiligen Schrift hörten wird, dass Maria, die Mutter Gottes, gesegneten Leibes zu ihrer Cousine Elisabeth ging, um ihr bei der Geburt ihres Sohnes Johannes beizustehen. Maria hatte den Blick nicht auf ihre außergewöhnliche Lebenssituation gerichtet. Sie blieb offen für die anderen. Ist das nicht auch ein Teil des Geheimnisses eigenen Lebensglückes?</p><p>Eine christlich gelebte Ehe ist nicht ausschließlich auf das eigene kleine Lebensglück ausgerichtet sondern ist immer offen für andere. Die familiäre Liebe strahlt aus und hat auch das Wohl und Wehe der anderen im Blick.</p><p>Danken wir Gott am heutigen Festtag für das Gelingen der eigenen Ehe und bitten wir ihn auch für alle Menschen, deren Ehen zerbrochen sind und die in schwierigen Lebenssituationen nun besonders unserer Anteilnahme und Liebe bedürfen. Amen.</p>]]></content:encoded><category>Kiliani</category><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item><item><guid isPermaLink="false">news-13746</guid><pubDate>Mon, 23 Jun 2014 09:45:59 +0200</pubDate><title>„In diesen Zeichen vollzieht sich aktuell die Wirkmächtigkeit Gottes“</title><link>https://bischof-hofmann-em.bistum-wuerzburg.de/dokumentation/ansicht/in-diesen-zeichen-vollzieht-sich-aktuell-die-wirkmaechtigkeit-gottes/</link><description>Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann bei der Weihe der heiligen Öle (Chrisammesse) am Montag der Karwoche, 14. April 2014, im Würzburger Kiliansdom</description><content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitbrüder,</p><p>einer der spektakulärsten und umstrittensten Künstler des 20. Jahrhunderts ist der Rheinländer Joseph Beuys. Er hatte völlig neue Ideen in den Kunstbetrieb seiner Zeit eingebracht. Sätze wie „Jeder Mensch ist ein Künstler“ oder „Die Priester haben ihren Auftrag verscherzt, jetzt übernehmen die Künstler diese Aufgabe“ (beim Baseler Happening) haben sich in das moderne Gedächtnis der Menschen eingeprägt.</p><p>Seine Arbeiten mit den vergänglichen Materialien Filz und Fett haben bei vielen mehr Fragen als Antworten aufgeworfen. Wegen des Nichtverstehens war so manches Unverständnis die Folge. Denken wir nur an die Badewanne, die im Museum von einer Reinigungsfrau vom vermeintlichen Schmutz befreit wurde – und dadurch einen Skandal auslöste, weil damit die darin geborgene künstlerische Aussage nach einem Happening verloren gegangen war.</p><p>Wer Joseph Beuys verstehen will, muss sich an dessen entscheidende Lebenserfahrungen herantasten. Er war im Zweiten Weltkrieg Pilot und wurde über der Sowjetunion abgeschossen. Arme russische Menschen fanden ihn zerschunden am Boden liegend, cremten ihn mit Fett ein, wickelten ihn in eine Filzdecke und retteten ihm so das Leben. Sein ganzes Leben lang hat er diesen Rettungsvorgang nicht vergessen. So wurde für ihn Fett und Filz zu einem Überlebenssymbol. Deshalb verwendete er des Öfteren diese Materialien in unterschiedlichen Arbeiten. Wer den Hintergrund seiner Erfahrungen mit Fett und Filz kannte, verstand auch seine Aussagen.</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>in dieser heiligen Messe werden die heiligen Öle für die Sakramentenspendung des kommenden Jahres geweiht. Zufällige Besucher dieses Gottesdienstes werden sich fragen: Was soll das? Hier geht es nicht einfach um Symbolhandlungen, die Erinnerungen wach rufen. Hier geht es um viel mehr!</p><p>Zweifellos gehört zu den Höhepunkten eines kirchlichen Jahres diese heilige Chrisammesse. Beginn und Ende eines menschlichen Lebens sind dabei genauso im Blick wie die lebensbestimmenden und lebensverwandelnden Weihen, die mit diesen Ölen gefeiert werden.</p><p>Katechumenenöl, Chrisam und Krankenöl verweisen aufgrund der hier vollzogenen Weihe auf den, der allein unser Leben geben, verändern und vollenden kann: auf Gott. Von daher sind alle Hilfen, die wir innerhalb unserer Kirche vermitteln dürfen, Werk Gottes, das sich bis in diese Stunde hinein zieht. Wir spulen keine alten Riten ab. In diesen Zeichen vollzieht sich aktuell die Wirkmächtigkeit Gottes.</p><p>Soeben hörten wir in den Lesungen vom Gebrauch der Öle in der Heiligen Schrift. Öl hat eine wohltuende Wirkung. Es steht für Gesundheit, Freude und Kraft des Geistes.</p><p>Gesalbt wurden im Alten Bund vor allem Könige und Priester. Durch das sinnenfällige Zeichen der Salbung legte Gott sichtbar seine Hand auf sie und nahm sie in seinen Dienst. Die Salbung ist dabei mehr als ein akzidentelles, kosmetisches Geschehen. Sie ist eine zum Handeln Gottes befähigende sichtbare Wirkweise Gottes.</p><p>Durch die Salbung verändert sich grundsätzlich etwas im Menschen:</p><p>Bei der Taufe strömt Gottes Kraft in diesen Menschen, nimmt ihm den vernichtenden Tod und bereitet ihn für das ewige Leben.</p><p>Bei der Firmung erschließt und erfüllt der Geist Gottes das Innerste des Menschen und nimmt für immer Wohnung in ihm.</p><p>Bei der Priesterweihe wohnt Christus in diesem Menschen ein und macht den Geweihten zum (lateinisch gesprochen) “alter Christus“, zu der Person, durch die Christus sakramental handelt und durch die er auch menschlich erfahrbar werden will! (Welch eine Herausforderung!)</p><p>In der Krankensalbung schließlich erkennen wir die in der heiligen Ölung durch Gott sichtbar angezeigte Vergebung menschlicher Schuld und Hilfe für den letzten Weg.</p><p>Liebe Schwestern und Brüder,</p><p>Christus heißt: der Gesalbte. Christus ist als der Gesalbte der erwartete Retter. Er hat in der Synagoge von Kapharnaum die so eben gehörte Stelle des Propheten Jesaja auf sich bezogen. Dort heißt es: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.“ Und weiter: „Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herzen zerbrochen ist.“ (Jes 61,1)</p><p>Dies ist auch das Gebot dieser Stunde. Wir, die Priester, Diakone und Ordensleute, sind aufgefordert, den Armen eine frohe Botschaft zu bringen und die zerbrochenen Herzen zu heilen. Dies gelingt nicht ohne Anstrengungen. Hans Urs von Balthasar hatte es vor Jahren schon einmal so formuliert: „Immer von neuem hat der geistige Entschluss in den rebellischen Körper abzusteigen, sich neu zu inkarnieren. Tag für Tag und Jahr für Jahr muss sich die Entscheidung zu Christus, dem Jungfräulichen, zur ebenfalls jungfräulichen und deshalb mütterlichen Kirche als stärker erweisen denn die plausibelsten Einwände des sinnlich verfassten Menschen. Wahrlich eine Nachfolge Christi im Akt der Inkarnation und darin auch eine Nachfolge der ‚niedrigen Magd’, die bis in ihre ungeistigsten Fähigkeiten hinein verfügbar und durch Gott fruchtbar ist. Und das ‚Gesetzhafte’ daran: dass man diesen Entschluss zur Nachfolge ähnlich unwiderruflich machen durfte, wie der Entschluss des Sohnes zur Inkarnation unwiderruflich bleibt.“ (In: Katholisch, 1975, 83)      </p><p>Was sich jetzt wirkmächtig unter uns ereignet, fordert auch unseren ganzen Einsatz, damit das Reich Gottes kommen kann. Nutzen wir die Gunst dieser Stunde.</p><p>Amen.</p>]]></content:encoded><category>Bischof em. Friedhelm Hofmann</category><category>Dokumentationen</category></item></channel></rss>